Autor: Tanja Pabelick
Öko-Design – das Schlagwort erinnert an den Müsli-Schick der 1970er und lockt heute kaum mehr einen Konsumenten hinter dem Ofen hervor. Dabei ist der Diskurs um umweltverträglich Produkte und eine nachhaltige Lebensführung so brandaktuell wie vor 50 Jahren, als die Debatte um eine langfristige Sicherung der Ressourcen erstmals auf internationaler Ebene ausgetragen wurde. Und auch wenn viele der Probleme noch ungelöst oder nur unzureichend umgesetzt sind, hat der Verbraucher heute Technologien und Produkte an der Hand, die effizient und umweltverträglich sind und gleichzeitig dem Anspruch an eine zeitgemäße Gestaltung gerecht werden. Statt der früheren grünen Ästhetik, bei der die ökologisch motivierte Produktwelt von Filz, Naturholz und Pressspan dominiert wurde, setzt man heute auf zeitgemäß gestaltete Produkte, integriert moderne Technologien und setzt auf Ressourcen schonende Materialien. Besonders im Bad, in dem nach wie vor das meiste Wasser verbraucht wird, kann effizient und für den Nutzer kaum spürbar gespart werden. Ein Besuch in der nachhaltigen Nasszelle:
Ziegelstein ade – Wasser sparen mit cleveren Kästen
130 Liter Wasser verbraucht der Deutsche im Durchschnitt, allein 85 Liter davon im Bad beim Duschen und durch das Betätigen der Toilettenspülung. Umweltfreundlicher wird man im Haushalt also am schnellsten durchs Wassersparen. Neben der eigenverantwortlichen Verbrauchsreduktion mit einer Stopptaste an der Toilettenspülung oder Kurzduschen statt Langbaden kann der Wasserverbrauch aber auch durch intelligente technische Neuerungen drastisch vermindert werden. Durchfluss-Begrenzer, Stopp-Tasten für kurze Einseifpausen und Luftsprudler machen heute einen umweltfreundlichen Umgang mit dem Wasser möglich, bei dem nicht unbedingt auf Komfort verzichtet werden muss. Der Armaturen-Hersteller Hansgrohe beispielsweise bietet Brausen an, die mit der so genannten „Eco-Smart Technologie“ ausgestattet sind und die den Wasserverbrauch unabhängig von den spezifischen Druckverhältnissen in der Leitung konstant niedrig halten. Der Duschende merkt vom Sparen selber kaum etwas, denn durch die Verwirbelung des Wassers im Brausekopf entsteht statt dünner Strahlen ein voluminöser Schaum. Ganz ähnlich lässt sich beim Toilettenkasten mit der Ressource haushalten. Bei Systemen mit der sogenannten „Zwei-Mengen-Spültechnik“ dosieren zwei Tasten die Wassermenge, bei Kästen mit einer Start-Stopp-Funktion kann der Zulauf außerdem gezielt gesteuert werden.
Ökologischer Rucksack
Neben dem offensichtlichen - weil selbst verantworteten und regulierbaren - Verbrauch der Ressource Wasser, verbirgt sich hinter jedem Produkt auch eine Belastung der Umwelt, die durch Herstellung und Entsorgung verursacht wird. Je mehr Komponenten und Materialien verbaut wurden, umso komplexer und undurchschaubarer wird die Umweltverträglichkeit eines Produktes für den Konsumenten. Wer weiß schon so genau aus welchen Stoffen und Materialien Ventil und Schraube seiner Mischbatterie hergestellt sind, woher sie kommen und in welchem Umfang sie bei Fertigung und Transport die Umwelt belastet haben? Ein einfaches Beispiel dafür, wie schon kleine Veränderungen in der Konzeption von Produkten eine große Wirkung auf ihre ökologische Bilanz haben können, ist ein Materialvergleich. Eine Armatur wird einmal aus verchromtem Messing, einmal aus Edelstahl hergestellt. Die Ergebnisse sind optisch nahezu identisch. Was man nicht sieht: Die Produktion der Mischbatterie aus Messing erhöht die Belastung für die Umwelt um den Faktor 2,5. Daraus resultiert vor allem ein Anspruch an den Designer, der schon bei der Gestaltung Stabilität, Langlebigkeit sowie Materialeffizienz im Auge behalten und damit das Volumen des „ökologischen Rucksackes“, also die Menge an Ressourcen die verbraucht werden, begrenzen sollte.
Weg von „Ex und Hopp“ Fakten
Für den Konsumenten ist dieser Irrgarten aus Produktionsprozessen, Materialien und ökologischen Konsequenzen kaum mehr zu durchschauen. Ihm bleibt nichts anderes übrig als sich auf die Angaben der Hersteller zu verlassen und ein Produkt zu wählen, dass an den Prinzipien einer nachhaltigen Gestaltung ausgerichtet ist. Einige Firmen, wie der mehrfach für sein Engagement zum Schutz der Umwelt ausgezeichnete Armaturen-Hersteller Hansgrohe, haben mittlerweile bewusst nachhaltige Kollektionen auf dem Markt gebracht und machen ihre Entwicklungs- und Produktionsprozesse für den Kunden transparent. Aber auch der Verbraucher muss Nachhaltigkeit lernen und neben der Wahl ökologischer und langlebiger Produkte Abstand vom „immer mehr“ und „immer wieder neu“ nehmen.
Denn selbst das ökologischste Produkt wird zur Umweltbelastung, wenn es aus modischen Gründen noch vor Ablauf seiner Lebensdauer durch ein neues ersetzt wird.
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