Autor: Katharina Horstmann
Nun ist es aus: Das Feuer der 30. Olympischen Spiele in London ist wieder erloschen. Was vor weniger als drei Wochen mit einem besonderen Ritual seinen Anfang nahm, ist am vergangenen Sonntagabend zu Ende gegangen – mit großem Brimborium und einer besonderen Geste. Die von Thomas Heatherwick für das Olympische Feuer gestaltete Schale wurde wieder in ihre Einzelteile zerlegt. So kann jede Teilnehmernation ein Souvenir der Spiele mit nach Hause nehmen.
Sieben junge Athleten standen in einem engen Gang. Sie warteten angespannt auf ein Signal von den Veranstaltern, um in das Stadion hinauszutreten, als letzte Läufer des Staffellaufs die Fackel in Empfang zu nehmen und damit das Olympische Feuer zu entzünden. 17 Tage hat die Flamme seitdem gebrannt, in einer von dem Londoner Designer Thomas Heatherwick entworfenen Feuerschale. Sie bestand aus 204 blütenähnlichen und auf langen Stangen befestigten Kupfergefäßen, die symbolhaft für jede der teilnehmenden Nationen zusammengeführt eine große Flamme der Einheit bildeten.
Der Fackellauf
Dass dieses Eröffnungsritual nicht schon immer Bestandteil der Olympischen Spiele war, wissen die wenigsten. Eingeführt wurde das Olympische Feuer erst 1928 in Amsterdam. Um das eindrucksvolle Bild mit noch mehr Ausdruckskraft und Emotionen aufzuladen, inszenierten die Nationalsozialisten 1936 in Berlin den Fackellauf. Er wurde später unkritisch übernommen und findet seitdem in jedem Olympiajahr im selben Ablauf statt: Einige Wochen vor den Spielen wird eine Zeremonie in den Ruinen des griechischen Olympias gefeiert, während der mithilfe eines Spiegels ein Feuer entfacht wird. An diesem Feuer wird wiederum eine Fackel entzündet, die im Anschluss in das Gastgeberland gebracht wird. Dort wird sie schließlich von verschiedenen Läufern in das Olympiastadion getragen, wo dem letzten Fackelläufer – in diesem Jahr waren es die besagten sieben Nachwuchssportler – die Ehre zuteil wird, das Olympische Feuer in einer Schale für die Spiele zu entzünden.
Das Zeichen
Die Schale hat sich im Laufe der Jahre sehr verändert. In den wenigsten Fällen ähnelt sie noch der ursprünglichen Form. Nach jedem Olympischen Spiel wurde sie noch größer, höher und breiter, sagt Thomas Heatherwick, der sich mit seinem Entwurf dieser Entwicklung nicht anschließen wollte. Vielmehr wollte er ein Objekt schaffen, das für das friedliche Zusammenkommen beim weltweit wichtigsten Sportereignisses steht und das nach dem Erlischen des Feuers am 12. August in seine Einzelteile zerlegt werden kann. So kann jede der 204 Teilnehmernationen ein Souvenir mit nach Hause nehmen.
Die Tradition
Thomas Heatherwick war nicht der einzige renommierte Designer, der in diesem Jahr in die Gestaltung der Londoner Spiele involviert war. Bekanntlich hat Großbritannien eine große Designtradition, die bis ins 18. Jahrhundert und zur industriellen Revolution zurückreicht. Seitdem hat der größte Inselstaat Europas einige der weltweit führenden Designer hervorgebracht – unter ihnen Heatherwick oder Edward Barber und Ray Osgerby, die Gestalter der diesjährigen Fackel. Ganz im Sinne von „The Best of British“ haben die Londoner Initiatoren auch an diese Tradition angeknüpft und die Spiele zum einem ästhetischen Spektakel gemacht, das selbst den Nichtsportler in seinen Bann ziehen konnte.
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