Autor: Cordula Vielhauer
Wir alle kennen den Simultankontrast: Starrt man längere Zeit auf einen Farbfleck und danach auf ein weißes Blatt, sieht man den Fleck in seiner Komplementärfarbe. Entdeckt hat diesen Effekt kein geringerer als Goethe, der sich – neben vielen anderen Studien – auch intensiv mit der Farbenlehre auseinander setzte und den Farbkreis der zwei Grundfarben – Gelb und Blau –, der „Farbeigenschaft Rot“ und ihrer Mischungen – Grün und Purpur – entwickelte. Kein Kunst-, Design- oder Architekturstudent kommt heute um diesen Farbkreis herum. Weiter entwickelt wurde er von Johannes Itten, Meister am Bauhaus, der den Kreis zur Kugel und damit in eine neue Dimension erhob und sich besonders mit den Komplementärfarben Orange, Grün und Violett beschäftigte, Schwarz und Weiß dagegen als Nicht-Farben behandelte. Und wenn wir heute am Computer RGB-Farben definieren und mischen, beziehen wir uns auf das von Harald Küppers geschaffene „Buntarten-Sechseck“ und seine „additive“ bzw. „subtraktive Farbmischung“.
Psychologie der Farbe
Doch zurück zu Goethe: Neben den physikalischen beschäftigte er sich auch mit den psychologischen Eigenschaften von Farbe; im Grunde können seine Theorien von „schönen, sympathischen“ Farben und „unsympathischen, die dem Auge wehtun“ als Vorläufer moderner Farbpsychologie gelten, ohne die kein Innenarchitekt heute auskommt. Auch Le Corbusier, der mindestens ebenso gerne Maler wie Architekt war, entwickelte eine Farbpalette – eine „Polychromie“ – von über einhundert Farbtönen, die harmonisch miteinander kombinierbar sind.
Bene Farbwelten
Ein Spaziergang im Herbstlaub oder ein Picknick auf einer Wiese im Spätsommer – wenn wir uns diese Bilder vorstellen, haben wir sofort die entsprechenden Farben im Kopf. Und umgekehrt assoziieren wir mit bestimmten Farben unterschiedliche Stimmungen, sogar unser Temperaturempfinden ist von Farben beeinflussbar. Der Hersteller Bene hat ein differenziertes Farbsystem entwickelt, mit dem sich die Einrichtung eines Büros sowohl auf die verschiedenen Geschäftsbereiche als auch auf das Gesamtimage des Unternehmens abstimmen lässt: Die Bene Farbwelten. Vier Typen werden hier unterschieden: Industrial, Natural, Spice und Expressive – die Namen sind Programm. Ergänzt werden diese Farbpaletten von produktunabhängigen Moodboards, die eine Vorstellung von der Atmosphäre der Räume vermitteln, Farbcollagen und konkreten Gestaltungsvorschlägen zur Büroausstattung.
Von kühl bis würzig
Dabei besteht die Farbwelt „Industrial“ aus „kühlen“ Tönen: dezentem Grau, Anthrazit, Schiefer, Schwarz, Platin und Weiß – neutralen Farben, die man mit einem sachlichen Arbeitsumfeld verbindet und die den Mitarbeitern als zurückhaltendes Passepartout Spielraum zur eigenen Gestaltung lassen. „Natural“ ist dagegen von natürlichen, warmen Farben inspiriert, wie sie in der Natur vorkommen; Holz spielt dabei eine entscheidende Rolle. Dekore und Furniere sind daher die Hauptfarbträger dieser Variante, die sich vor allem für die Möblierung von Back Office und Arbeitsräumen des mittleren bis gehobenen Managements anbietet – Räumen, die durchaus einen gewissen wohnlichen Charakter haben dürfen.
Die Farbwelt „Spice“ ist etwas für Mutige: Hier können mit gezielt gewählten, lebendigen Farben Akzente gesetzt werden. Eins ist „Spice“ aber nicht: bunt. Denn wie beim Würzen kommt es auch bei der Farbe auf die Dosierung an, daher ist der Umgang mit den leuchtenden Auffrischern sparsam und durchdacht. „Expressive“ heißt die vierte der Bene Farbwelten, in der es tatsächlich um Ausdruck geht: Exotische, kontraststarke Hölzer in kräftigen Naturtönen sowie hochglänzende Oberflächen verleihen imageträchtigen Unternehmensräumen ein edles, elegantes und wertorientiertes Äußeres: Vom Empfangsbereich über Besprechungsräume bis zur Chefetage – überall, wo Außenstehende und Kunden in Kontakt mit dem Unternehmen kommen.
Farbe und Materialität
Neben den Farbwelten bietet der Bereich Bene Spectrum auch eine Auswahl hochwertiger Furniere, die den Farbwelten einerseits zugeordnet sind, aber auch unabhängig davon zum Einsatz kommen können: So findet man die Tropenhölzer Makassar und Zebrano mit ihren charakteristischen Maserungen im Bereich „Expressive“, amerikanischen Nussbaum hingegen unter „Natural“. Farbe ist eben keine völlig eigenständige Eigenschaft, ihre Wirkung wird immer beeinflusst vom Material, das sie trägt: So wusste schon Goethe, dass Gelb beispielsweise auf „unreinen und unedlen Oberflächen, wie dem gemeinen Tuch, dem Filz und dergleichen, worauf sie nicht mit ganzer Energie erscheint“, eine „unangenehme Wirkung“ entfalten kann, als glänzendes Gold hingegen zu den edelsten Farbtönen gehört, die das Spektrum zu bieten hat sowie schließlich als „die nächste Farbe zum Licht“ in „ihrer höchsten Reinheit immer die Natur des Hellen mit sich“ führt und „eine heitere, muntere, sanftreizende Eigenschaft“ besitzt.
Zurück