Autor: Katja Neumann
Es ist Ferienzeit und die Menschen gönnen sich Urlaub, erholen sich an fernen Stränden und verlassen für ein paar Wochen Haus, Heim und Arbeit. Doch schon keimt meist auf der Autobahn oder auf der Fahrt zum Flughafen der erste Zweifel auf: Haben wir den Herd ausgemacht, die Kaffeemaschine? Sind alle Fenster und Türen geschlossen? Und haben wir nicht das Licht im Flur brennen lassen? Nun steht der Urlauber vor der Qual der Wahl: Fahren wir zurück und schauen nach? Nein, das wäre albern. Also fährt man in die wohlverdienten Ferien und so manches Mal, am Strand oder beim Abendessen, schleicht sich die kleine Sorge wieder ein und vernichtet klammheimlich so manches Urlaubsvergnügen. Zurück in der Heimat betritt man schließlich das Haus und wird nicht besonders freundlich empfangen: Die Blumen im Garten lassen die Köpfe hängen, das Haus ist ungelüftet und wenn man Pech hat, brannte das Licht im Flur tatsächlich. Ärger, wir sind wieder zu Hause.
Diese kleine Szenerie wird vermutlich so manchem bekannt vorkommen. Ärgerlich ist sie und vor allem inzwischen unnötig, denn über intelligente Haustechnik können die technischen Geräte im Haus inzwischen auch in Abwesenheit zum Beispiel über das Telefon gesteuert werden. Dies ist nur ein Vorteil des sogenannten KNX-Standards, über den alle Komponenten der Haustechnik gesteuert werden können. Dies bewirkt einen deutlich höheren Wohnkomfort bei einfacherer Bedienbarkeit und birgt darüber hinaus erstaunliche Einsparpotenziale beim Energieverbrauch.
Was ist KNX?
Die KNX-Technologie ermöglicht durch ein einheitliches System die zentrale Steuerung nahezu aller Komponenten der Haus- und Gebäudesystemtechnik von der Beleuchtung über die Heizung bis zur Alarmanlage. Hervorgegangen ist die als internationaler Standard anerkannte Technologie aus der technischen Zusammenführung der drei europaweit gängigen BUS Standards EIB (Elektroinstallationstechnik), EHS (Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik) und Batibus (Heizung, Lüftung und Klima). Daraus entstand KNX als einheitliche technologische Plattform für alle Bereiche der Haus- und Gebäudesystemtechnik in Form eines internationalen Industriestandards. Die Erfolgsgeschichte begann bereits im Jahr 2002 mit der Vorstellung der KNX-Spezifikation durch die damals neu gegründete KNX Association. Basierend auf dem EIB Standard entstand KNX durch die Erweiterung um neue Konfigurationsmechanismen und Übertragungsmedien, die ursprünglich für Batibus und EHS entwickelt wurden. Die KNX Association mit Hauptsitz in Brüssel wird von über 100 Mitgliedsunternehmen getragen, die rund 7000 nach KNX-Standard zertifizierte und geprüfte Produktgruppen anbieten. In Deutschland wird KNX durch den Zentralverband Elektrotechnik und Elektroindustrie e.V. (ZVEI) in Frankfurt am Main vertreten.
Was kann KNX?
Programmierte Beleuchtungsszenarien, Temperaturregelung, Fernsteuerung der Haushaltsgeräte – all das war auch vor dem KNX-Zeitalter möglich. Das Problem: Bei den installierten Systemen handelte es sich meist um Insellösungen unterschiedlicher Hersteller, sodass die Geräte untereinander nicht kommunizieren konnten. KNX präsentiert sich als ganzheitliche Lösung, die sicherstellt, dass alle Komponenten in einer gemeinsamen Sprache kommunizieren, unabhängig vom Hersteller und von der Anwendung. Über das KNX Übertragungsmedium sind die Geräte miteinander verbunden, sodass alle Funktionen über ein einheitliches System gesteuert werden können. So ist es möglich, dass das Haus regelrecht erwacht, sobald die Tür aufgeschlossen wird. Um den Feierabend einzuläuten kann zum Beispiel ein programmiertes Lichtszenario abgespielt werden, die Heizung stellt sich automatisch auf Wohlfühltemperatur ein, Jalousien werden geschlossen, das Licht gedimmt. Dies funktioniert, indem über jeden Sender, also zum Beispiel ein Schalter, ein digitales Signal an jeden Empfänger, wie beispielsweise den Lichtdimmer, gesendet werden kann. Zusätzlich können auch Infrarot- oder Funkempfänger angeschlossen werden, sodass Befehle über eine Fernbedienung möglich sind.
Doch nicht nur Licht, auch die Beschattung durch elektrische Jalousien oder Markisen kann individuell eingestellt werden. Soll beispielsweise die Markise in der Abwesenheit nicht nass werden oder die Pflanzen nicht der prallen Sonne ausgesetzt sein, können auch Wetterdaten zentral erfasst werden, damit das System sofort die nötigen Befehle erteilen kann. Möglich ist auch, die Heizung für jeden Raum individuell und die Lüftung über elektrisch betriebene Fenster vorab einzustellen. Displays zeigen stets aktuelle Informationen zur Aktivität der einzelnen Geräte an und selbst bei Abwesenheit ist es über Telefon oder Internet möglich, dem Haus zu sagen, was es zu tun hat: Gartenbewässerung einschalten, Fenster schließen, Herd ausschalten oder Sauna vorheizen.
Energieeinsparungspotenzial
Durch intelligente Steuerung werden die Gebäudesysteme nur dann aktiviert, wenn sie wirklich gebraucht werden und das spart Strom. So kann allein eine automatisierte Beleuchtung über 25 Prozent Energie einsparen, wie eine Studie des Instituts für Gebäude- und Energiesysteme zum Thema „Energieeinsparpotenzial durch moderne Elektroinstallation“ im Auftrag des ZVEI ergab. Zu diesem Zwecke sammelte Prof. Dr. Ing. Martin Becker Veröffentlichungen aus elf Jahren und betrachtete die darin angegebene, errechnete Energie-Effizienz, die durch intelligente System wie KNX erreicht wurden. In welchem Ausmaß Energieeinsparungen möglich sind, zeigt auch ein Forschungsprojekt der Hochschule Bremen. So wurde das neu erbaute Zentrum für Informatik und Medientechnologien (ZIMT) mit KNX Steuerungen ausgestattet und die erfassten Daten im „Normal“- und im „Automation“-Betrieb ausgewertet und verglichen. Dabei kam heraus, dass das Gebäude einen spezifischen Energieverbrauch von 60 bis 75 Kilowattstunden pro Quadratmeter aufweist. Zwei identische Klassenräume wurden schließlich als Versuchsräume ausgewählt, wobei der erste mit einer herkömmlichen Installation, der zweite mit KNX-Steuerung ausgestattet wurde. Das Ergebnis der vierjährigen Messreihe: Der Einsatz der KNX-Steuerung senkte den Energieverbrauch um ganze 50 Prozent. So errechnete die Hochschule Bremen bei einem Jahresverbrauch von 230.000 Kilowattstunden für die Beleuchtung allein mit Hilfe einer KNX-Bus-Steuerung eine Amortisierung nach nur einem Jahr.
KNX in der Praxis
Von dem großen Interesse, das zurzeit an der KNX-Technologie herrscht, zeugte auch der diesjährige KNX Award, einer internationalen Auszeichnung der KNX Association für die weltweit besten KNX-Projekte: Allein in diesem Jahr wurden 5136 Projekte aus 42 Ländern eingereicht. Die Auszeichnungen wurden in sechs Kategorien vergeben. So wurde die englische Firma Andromeda Telematics Ltd. in der Kategorie Energieeffizienz ausgezeichnet für die Installation einer KNX Anlage in einer Schule, den internationalen Preis erhielt Hitit Akif Ltd. aus Ankara für ein Hotelmanagementsystem im Kempinski The Dome Hotel in Antalya. Einen Award in der Kategorie Special erhielt die Firma BASTEC s.a.r.l. aus Luxemburg, die ein Kreuzfahrtschiff mit Normal- und Notbeleuchtung sowie technischer Überwachung mit KNX ausrüstete. Damit wird die zentrale Beleuchtungssteuerung, die Umschaltung der Beleuchtung auf Notstromdiesel und anschließend auf eine Unterspannungsversorgungsanlage ermöglicht. Zudem können die Lichtstimmungen zur Musik auf der Tanzfläche über ein Mischpult verändert werden.
Möglichkeiten virtuell erfahren
Um die Funktionsvielfalt der intelligenten KNX-Technologie praxisnah erlebbar zu machen, stellte der Hersteller von Elektroninstallationsgeräten und -systemen Jung aus Schalkmühle kürzlich das virtuelle Tool „Jung Smart Housing“ vor. Auf der eigens eingerichteten Smart Housing-Website hat der Besucher die Möglichkeit, sich in einem virtuellen Rundgang durch ein animiertes Wohnhaus mit der Vielfalt der intelligenten Systeme von Jung, wie zum Beispiel die KNX Raumcontroller im FD Design , KNX Alarmsysteme oder KNX Taster, vertraut zu machen. Die Steuerung der Technik erfolgt dabei spielerisch über Mausklick auf interaktive Animationselemente oder Filmsequenzen. So zeigt die „Coming Home Funktion“ beispielsweise anschaulich, wie das Haus beim Betreten zum Leben erwacht, in anderen „Raumsituationen“ lassen sich per Mausklick Audio- und Multimediasteuerungen austesten oder die Klimaanlage einschalten. Über das virtuelle Tool wird für den Nutzer quasi „Live“ erlebbar, wie einzelne Geräte über ein KNX-System miteinander kommunizieren, welche Möglichkeiten in dieser Technologie stecken und wie sich der Wohnkomfort auf erstaunliche Weise verbessern lässt.
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