Autor: Claudia Simone Hoff
Was hat Mobilität mit Essen zu tun? Auf jeden Fall mehr als nur die von der anderen Seite des Atlantiks zu uns herüber geschwappte Take-Away-Unsitte. Denn Menschen waren schon immer unterwegs und mit ihnen die Nahrung. Eine Ausstellung im Schlossmuseum Linz geht der Globalgeschichte des Essens nach, widmet sich den historischen Dimensionen des Welthandels und stellt die Frage, woher unsere Nahrung kommt und wie sich unsere Ernährungsgewohnheiten aufgrund weltweit gestiegener Mobilität verändert haben.
Was vielen heute gar nicht mehr bewusst ist: Viele Bestandteile unserer Ernährung haben ihre Wurzeln in militärischen Handlungen. Denn Jahrhunderte lang waren Soldaten unterwegs und mussten auch auf dem Schlachtfeld versorgt werden. Die Konservendose beispielsweise war – bevor sie die privaten Haushalte eroberte – als Verpflegung für militärische Einsätze und Expeditionen gedacht. Die aus Blech gefertigten Dosen, 1810 vom Engländer Peter Durand zum Patent angemeldet, konnten luftdicht verschlossen werden, konservierten die Lebensmittel und eigneten sich gut für den unwegsamen Transport.
Von Jägern und Sammlern, Dampf und Diesel
Während unsere Vorfahren noch Jäger und Sammler waren, keine Vorratshaltung kannten und die Lebensmittel aus der Natur entnahmen, gelangten seit der Kolonialisierung Amerikas Menschen, Tiere, Pflanzen und Bodenschätze selbst in entlegenste Gebiete. Noch in der Antike und im Mittelalter waren Gewürze wie Pfeffer, Zimt und Vanille über die Seidenstraße – ein Netz von Karawanenrouten – in den Westen gelangt. Mit dem Aufkommen von Dampf und Diesel konnten Nahrungsmittel jedoch erstmals weitere Distanzen schnell und bequem überwinden. Und während heute die exotischsten Lebensmittel immer und überall erhältlich sind – wurden Nutzpflanzen in früheren Jahrhunderten aus Gründen der Haltbarkeit nur als Samen in ferne Länder transportiert. Dies änderte sich erst im Jahr 1834 mit der Erfindung des sogenannten Ward’schen Kastens – einer Art Gewächshaus, in dem Pflanzen auch eine monatelange Schiffspassage unbeschadet überstehen konnten. So kam nicht nur Kaffee zu uns, sondern auch Kautschuk, Bananen oder Tee.
Auch die Tomate ist ein Gewächs, das aus unserem heutigen Speiseplan nur schwer wegzudenken ist, jedoch erst seit den siebziger Jahren regelmäßig auf unsere Teller kommt. Ohne Tomaten geht gar nichts mehr: kein Mozzarella Caprese, keine Spaghetti alla Puttanesca und keine Bruschette. Und manch einer erinnert sich bestimmt noch an den ersten saftigen Biss in eine bis dahin unbekannte Frucht namens Kiwi, die damals pro Stück eine Mark kostete, während sie zwanzig Jahre später in den Lebensmittel-Discountern regelrecht verramscht wird.
Von Supermärkten und Bioläden
Apropos Discounter: Die Produktion, Lagerung und der Transport von Lebensmitteln ist in unseren Regionen inzwischen zum Alltag geworden. Slow-Food- und Bio-Bewegung hin oder her – die meisten Produkte unterliegen nach wie vor den unbarmherzigen Regeln der industriellen Fertigung, und die tägliche Versorgung mit Lebensmitteln erfolgt nach wie vor in den Supermärkten der großen Handelsketten. Hier lässt die Qualität oft zu wünschen übrig, was die Lebensmittelkonzerne jedoch wettzumachen versuchen mittels günstiger Preise und aufwändiger Verpackungen.
Würmer, Kakerlaken, Grillen und Co.
Zwar wird in Zeiten der Globalisierung vieles überall hin transportiert, einiges aber auch nicht. Kulturell bedingte Vorurteile verhindern so manches Mal den Export exotischer Lebensmittel oder Rezepte. Und auch, wenn inzwischen Insekten hierzulande als proteinhaltige Nahrungsmittel entdeckt und als umweltfreundliche Alternative zum Rind-, Schweine- und Geflügel-Fleisch propagiert werden – durchgesetzt haben sich gewürzte Würmer, Kakerlaken und Co. bisher nicht. Und gegrilltes Meerschweinchen, wie es in Peru gern gegessen wird, kommt erst recht nicht auf den Tisch. Beliebt hingegen sind die Gruselgeschichten aus China, wo gebratene Ratten oder gar Hunde in den Schaufenstern zum Verzehr bereit liegen. Während wir Europäer uns darüber empören, würde allerdings ein Inder wohl nur ungläubig mit dem Kopf schütteln, wenn er sein heiliges Rind zum Vitello Tonnato verarbeitet auf dem Teller wiederfinden würde. Andere Länder, andere Sitten – auf diese Formel kann man auch die weltweiten Essgewohnheiten bringen. Trotz Globalisierung.
Weitere Informationen
Die Ausstellung „Essen unterwegs. Eine kleine Globalgeschichte von Mobilität und Wandel am Teller“ ist bis zum 28. August 2011 im Schlossmuseum in Linz zu sehen. Zur Ausstellung ist eine gleichnamige Publikation von Martina Kaller-Dietrich im Verlag Bibliothek der Provinz erschienen.
Im Linzer Museum findet in der Bibliothek und Grafischen Sammlung außerdem die Ausstellung „Na dann … guten Appetit!“ mit den ältesten und schönsten Kochbüchern aus der Museumsbibliothek sowie mit Grafikblättern zum Thema Essen statt.
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Ausstellungsort
Schlossmuseum, Linz (A) www.landesmuseum.at
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