Autor: Katja Neumann
Es leuchtet, strahlt, glimmt, flackert, es wirft Formen und Farben auf Projektionsflächen und ist dabei selbst immateriell. Kein Wunder also, dass Künstler seit Erfindung des künstlichen Lichts Mittel und Wege suchen, Licht als Ausdrucksmittel zu nutzen. In unserer heutigen überbeleuchteten Welt, in der Elektrizität stets verfügbar ist, gleicht die Vorstellung, die natürliche Dunkelheit nicht kontrollieren zu können, einem Alptraum. Ein Stromausfall löst Massenpaniken aus und das urbane Leben bricht zusammen. Durch die ständige Verfügbarkeit und Selbstverständlichkeit sowie der permanenten Anwesenheit des Lichts ist es nur schwer vorstellbar, welch ein Meilenstein die Erfindung der Glühbirne gewesen seni muss und welche Faszination von diesem künstlichen Licht wohl ausgegangen ist. Zunächst lediglich in ihrer Funktion als Lichtspender gefeiert, dauerte es rund vier Jahrzehnte, bis das elektrische Licht auch die Kunst erhellte.
Wie auch in anderen Bereichen der Gestaltung waren es die Bauhaus-Künstler des frühen 20. Jahrhunderts, die als erste das Licht zur Kunstform machten und neue Wege im Experimentieren mit künstlichem Licht beschritten. So entstanden die ersten Lichtkunst-Demonstrationen in den Werkstätten des Bauhauses unter Ludwig Hirschfeld-Mack und Kurt Schwerdtfeger bereits zu Anfang der zwanziger Jahre. Primitiv, aber für damalige Verhältnisse durchaus effektvoll, wurden die rotierenden Kreisscheiben noch von Stundentenhand bedient. Den eigentlichen Grundstein der Lichtkunst legte 1930 der für sein Grafikdesign berühmt gewordener László Moholy-Nagy mit der Erfindung des „Licht-Raum-Modulators“, ein bereits mit Elektromotoren gesteuerter Apparat für die Theaterbeleuchtung, der Linien und Formen projizierte. Moholy-Nagy sprach in diesem Zusammenhang gern von „Malerei mit Licht“. Das erste Kunstwerk mit sichtbaren Neonröhren schuf schließlich sechs Jahre später der Prager Zdenèk Pésánek mit seinem „Modell einer lichtkinetischen Skulptur“.
All diese Anfänge waren natürlich beschränkt durch die mangelnden Möglichkeiten. Bis in die sechziger Jahre hinein waren lediglich Scheinwerfer, Leuchtkästen und Glühlampen die Ausdrucksmittel der Lichtkunst. In dieser Zeit jedoch, als auch die Werbung verstärkt mit Leuchtmitteln arbeitete, entdeckten auch Künstler das elektrische Licht wieder neu. Besonders in Kombination mit Farbe und Bewegung schufen sie damit die Lichtkunst als eigenes Medium. In Frankreich war es die Gruppe „Grav“, in Deutschland, die Düsseldorfer Gruppe „Zero“, die sich aus Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker zusammensetzte. Während Piene das Licht als Mittel zur Darstellung von Skulpturen einsetzte, etwa bei seinen leuchtenden heliumgefüllten Regenbögen, entdeckte Mack das Licht als eigenes Element. Für ihn bestimmte das Licht die Skulptur und nicht umgekehrt. So errichtete er beispielsweise 1968 in der tunesischen Wüste einige mit Flügeln versehene Stelen. Durch das Sonnenlicht entstand ein sich permanent veränderndes Lichtvolumen. Leider war der Standort dieser Installation zu abgelegen, sodass auch bei Mack das Bewusstsein dafür entstand, das Kunstwerke für ein Publikum erlebbar sein müssen. Die Gruppe Zero inszenierte schließlich im Jahr 1961 mit großem Erfolg ein Lichtspektakel auf den Rheinwiesen, an dem die Zuschauer unmittelbar teilhaben konnten. Wichtige Vertreter der Lichtkunst in den sechziger und siebziger Jahren sind neben der Gruppe Zero auch Dan Flavin, Mario Merz, Keith Sonnier oder James Turrell , dessen Lichtinstallation „Afrum II“ aus dem Jahr 1970 heute als Dauerausstellung im Wiener Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig zu sehen ist.
Durch die Entwicklung von Neon, Laserstrahlen und starken Lichtprojektionen sowie deren einfacherem Gebrauch, erweiterten sich in den achtziger Jahren auch die Möglichkeiten der Lichtkunst. Doch durch die zunehmende Elektrifizierung der Welt und der Erhellung der Städte durch Leuchtwerbung, Straßenbeleuchtung, Ampeln und Wohnlicht, war die Lichtkunst zu dieser Zeit lediglich im Umfeld von Museen und Ausstellungshäusern zu finden, da hier die Licht-Bedingungen angepasst werden konnten. Erst in den neunziger Jahren hielt die Lichtkunst auch Einzug in den öffentlichen Raum. Einer der Vorreiter der neueren Lichtkunst ist der Düsseldorfer Künstler Mischa Kuball, der den öffentlichen Raum als Projektionsfläche entdeckte. Beispielhaft für die Kombination aus Innenraum und öffentlichem Licht ist auch die Arbeit „Lichtpartitur“ aus dem Jahr 2001 der Wiener Künstlerin Brigitte Kowanz. Verspiegelte Neonkästen an den Außenmauern der MEAG München beleuchten den Innenraum und führen gleichzeitig die Lichtobjekte nach draußen. Genau an diesem Punkt verschmilzt seit einigen Jahren die Licht- zusehends mit der Medienkunst. Die Fassaden vieler Gebäude werden mittlerweile kunstvoll beleuchtet, immer öfter jedoch dienen sie mittels steuerbarer LEDs auch als Projektionsfläche für Videoinstallationen und Filmkunst.
Lichtkunst ist eine vergleichsweise junge Disziplin, dennoch sind ihr nur wenige Ausstellungen gewidmet. Doch erst im vergangenen Jahr waren gleich zwei große Ausstellungen zum Thema zu sehen: Die Ausstellung „LichtWerke“ im MUMOK in Wien und „Lichtkunst aus Kunstlicht“ im ZKM in Karlsruhe. Das bislang weltweit erste und einzige Museum, das sich ausschließlich der Lichtkunst widmet, eröffnete 2001 im nordrhein-westfälischen Unna, in den Räumlichkeiten einer ehemaligen Brauerei. Auf einer Fläche von insgesamt 2400 Quadratmetern werden ausrangierte Kühlräume und Gärbecken künstlerisch in Szene gesetzt. Ab dem 3. Juni zeigt das Zentrum internationale Lichtkunst Unna übrigens eine Sonderschau des Künstlers Mischa Kuball.
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