Autor: Katharina Horstmann
Von kugelsicheren Westen, Tennisschlägern und Make-up über Teetassen und Küchenmesser bis hin zu Baumaterialien: Die Einsatzgebiete von Keramik sind vielfältig. Im Haus ist das Badezimmer der wichtigste Einsatzort. Hier werden Glasspiegel, Wand- und Bodenfliesen sowie WC und Waschbecken aus Keramik hergestellt. Ihre glasartige und nicht poröse Oberfläche lässt sich leicht reinigen und ist fleckenbeständig – optimal also für die ehemalige Nasszelle. In den vergangenen Jahren haben Herstellung und Materialzusammensetzungen viele Entwicklungen durchlebt. Trotzdem lässt sich die Keramik auch weiterhin neu erfinden – und das auch im Badbereich, wie der Sanitärkeramikspezialist Laufen vor kurzem bewiesen hat.
Die Keramik ist ein faszinierendes Material. Sie gehört zu den ältesten Werkstoffen der Menschheit und ist dank ihrer vielfältigen Eigenschaften – und Weiterentwicklungen – nach wie vor aktuell. Keramik ist gut zu verarbeiten und anpassungsfähig; sie kann geknetet, gezogen gedrückt, geformt, gegossen und gemahlen werden. Auch in ihren Anwendungsbereichen ist sie äußerst flexibel: Neben dem klassischen Kunsthandwerk sowie Bau-, Industrie- und Geschirrprodukten findet sie in modernsten Einsatzbereichen und unter extremsten Bedingungen Verwendung. So sind etwa die äußeren Hitzeschildkacheln des Space Shuttles, die sich beim Wiedereintritt in die Erdoberfläche auf über 1200 Grad Celsius aufheizen, aus Keramik hergestellt. Die althergebrachte Definition des Werkstoffs als „gebrannter Ton“ ist daher schon lange nicht mehr aktuell, vielmehr entwickelt er sich zu einem veritablen High-Tech-Material.
Das Mekka der Keramik
Keramiken sind hart; sie verfügen über eine herausragende Druckfestigkeit, hohe Schmelzpunkte und eine gute chemische Beständigkeit. Merkmale also, die in Verbindung mit Kosten, Herstellungsmöglichkeiten und Vielseitigkeit einen unangefochtenen Vorteil in vielen Branchen verschaffen können, so auch in der Sanitärbranche. Der Schweizer Bad- und Sanitärkeramikspezialist Laufen hat sich in seiner über hundertjährigen Geschichte konsequent der Keramikforschung verschrieben; erst im März dieses Jahres kündigte er auf der ISH in Frankfurt die Entwicklung einer neuen Keramik an.
Keramik sei ein ideales Material im Badezimmer, so Dr. Werner Fischer, Direktor der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Unternehmens. Es erfüllt 99 Prozent aller Ansprüche, die im Bad an ein Material gestellt würden, besser als jedes andere. Um die letzten ein Prozent noch zu meistern, insbesondere hinsichtlich des gewünschten filigranen Auftritts, wurde der Werkstoff von Laufen noch optimiert. Das Resultat ist weiterhin ein echtes tonkeramisches Material, doch anders als bisher erlaubt es präzisere Kanten und glatte große Oberflächen. Die technisch möglichen Radien der Kanten lagen bislang bei sechs Millimetern; dank der Neuerungen liegen sie nun unter vier Millimetern. Außerdem ist die neue Keramik deutlich leichter und zugleich stabiler und biegezugfester, was einen niedrigeren Rohstoff- und Energieverbrauch bei Herstellung und Transport mit sich bringt. So gibt es ganz neue Möglichkeiten, Keramik weitaus definierter in Form zu bringen – und das bei Beibehaltung des traditionellen Herstellungsprozesses.
Der Herstellungsprozess
Die Ausgangsmaterialien für die Sanitärkeramikherstellung sind weiterhin die plastische Masse und Glasur. Für erstere muss ein gießfähiger Schlicker nach einer besonderen Rezeptur hergestellt werden, der hauptsächlich aus der Porzellanerde Kaolin sowie aus Ton besteht; die Glasur ist ebenfalls aus Kaolin und verschiedenen Mineralmehlen zusammengesetzt. Die Grundlage für die Produktion selbst bildet das Schlickergießen. Es gibt verschiedene Schlickergießverfahren, deren Anwendung von Typ und Form des Produkts abhängig ist. Hier kann zwischen konventioneller Gießerei, Batteriegießanlagen und dem Druckguss unterschieden werden.
Das Druckschlickergussverfahren
Das wichtigste Verfahren ist das Druckschlickergussverfahren – oder Vakuumpressen –, das sich in den letzten Jahren fest in der Herstellung von Sanitärkeramik etabliert hat. Hier wird eine poröse Kunststoffform eingesetzt, in die der Schlicker gepumpt wird, so dass das Wasser unter Druck durch die Kapillarröhren nach außen gedrückt wird. Das Stück kann schon nach zehn Minuten dem Formwerkzeug entnommen werden, zeitintensive Trocknungsverfahren fallen somit weg.
Die Glasur
Nach Beseitigung etwaiger Mängel wird der Rohling in einem Schnelltrockner getrocknet und vor dem Brennen mit einer Glasur besprüht. Beim über 20 Stunden andauernden Brennvorgang im rund 100 Meter langen Tunnelofen durchläuft die Glasur chemisch-physikalische Prozesse, die ihr die einzigartigen Eigenschaften verleihen, sie glasig werden lassen und ihr die charakteristische Härte und den besonderen Glanz verleihen.
Und auch hier gibt es Neuerungen: Anders als herkömmliche Keramik, die leicht gelblich aus dem Ofen kommt und erst durch das Glasieren weiß wird, ist die neue Keramik von Anfang an weiß. So wird auch eine klassische Schwachstelle beseitigt: Gelblich durchscheinende Kanten können fortan ausgeschlossen werden. Zudem wurde die Oberflächenveredelung vereinfacht, wie das Beispiel Laufen Clean Coat zeigt: Die Herstellung der schmutzabweisenden, anorganischen Versiegelung ist ohne zweiten Hochtemperaturbrand möglich und kann auch auf farbigen Keramiken verwendet werden.
Die Möglichkeiten
Abgesehen von der Sanitärkeramik im Badezimmer gibt es bislang wenige Beispiele für den Werkstoff, die in ähnlicher Größe für Möbel verwendet werden. Ein älteres Exempel ist die Sitzkollektion Flower Offering, die Satyendra Pakhalé im Jahr 2001 entworfen hat. Der in Amsterdam lebende indische Designer suchte für diese limitierte Serie eine Anlehnung an massengefertigte Industriestrukturen und verwendete Druckergießformen, die denen der Sanitärindustrie ähneln. Bei so vielen Neuerungen stellt sich nun die Frage, ob sich vielleicht auch die Möbelindustrie von der Keramikforschung inspirieren lässt; der Trend zum Keramikmöbel besteht ja schon seit längerem ...
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