Autor: Katja Neumann
Mehr als 1,6 Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zum Stromnetz, allein 500 Millionen davon leben in Afrika. Die Folge: Nach Sonnenuntergang, der in Ländern in Äquatornähe bereits gegen halb sieben Uhr abends stattfindet, kommt das Leben fast vollständig zum Erliegen. Bereits 2008 schloss der Hersteller Philips mit der niederländischen Regierung eine Partnerschaft zur gemeinschaftlichen Entwicklung von Beleuchtungslösungen für die afrikanischen Länder südlich der Sahara. Im September 2009 schloss sich Philips zudem dem UN Umweltprogramm an mit dem Ziel, energieeffiziente und umweltschonende Beleuchtungslösungen für Entwicklungsländer zu schaffen. In mehreren afrikanischen Ländern gibt es bereits Pilotprojekte mit neuen, solarbetriebenen Lichtlösungen – von der Taschenlampe bis zur Flutlichtanlage.
Ziel des Projektes mit dem Namen „SESA – Sustainable Energy Solutions for Africa“ ist es, bis zum Jahr 2015 für mindestens zehn Millionen Menschen in 14 afrikanischen Ländern nachhaltige und umweltfreundliche Beleuchtungsalternativen zu den bisher mit Kerosin oder Deisel betriebenen Lampen zu schaffen. Neben der Tatsache, dass diese Rohstoffe immer teurer und damit für die Bewohner der betroffenen Gebiete nahezu unerschwinglich werden, erscheint diese Form der Energie- und Lichterzeugung wenig geeignet für Gegenden, die grundsätzlich über eine hohe Anzahl an Sonnenstunden verfügen, die für die Energiegewinnung genutzt werden könnten. Folglich hat Philips eine Reihe solarbetriebene Produkte entwickelt, die mit energieeffizienten und langlebigen LEDs betrieben werden.
Flutlichtanlage in Südafrika
Jüngstes Projekt der Initiative ist eine solarbetriebene Flutlichtanlage in dem Ort Refilwe in Südafrika. Sie sorgt dafür, dass hier auch nach Sonnenuntergang Fußball gespielt werden kann und damit öffentliches Leben stattfindet. Dies war bisher mangels Licht nicht möglich. Die solarbetriebene Lösung besteht aus acht LED-Flutlichtern, die an vier tragbaren Masten befestigt werden. Durch die besonders hellen LED-Lampen kann das System einen Bereich von bis zu 40 mal 20 Metern ausleuchten. Gespeist wird die benötigte Energie aus Speicherbatterien, die von Solarkollektoren aufgeladen werden. Dabei reichen nur vier Stunden Aufladung in der Sonne für bis zu acht Stunden Flutlicht. „Das ist eine fantastische Initiative“, sagt der nigerianische Fußball-Nationalspieler Nwankwo Kanu, der mit Philips zusammenarbeitet und sich weltweit für das Flutlichtsystem einsetzt. „Fußball ist eine universelle Sprache, insbesondere in Afrika. Dass Kinder und Erwachsende jetzt auch nach Sonnenuntergang beim Fußball oder anderen Sportarten aktiv sein können, ist eine wichtige Bereicherung für ihr Leben.“ Das solarbetriebene Flutlichtsystem wird von Philips als Komplettlösung angeboten, die den Entwurf des Systems mit Flutlichtern, Masten, Akkumulatoren und Sonnenkollektoren umfasst. Zwar ist das Flutlichtsystem in erster Linie für sportliche Aktivitäten konzipiert, denkbar wäre aber auch der Einsatz an anderen Orten ohne Stromnetz, zum Beispiel bei Märkten im Freien oder auch bei Bauarbeiten.
Vom Leselicht zur Innenbeleuchtung
Weniger für Outdoor-Aktivitäten als eher für den Hausgebrauch entwickelte Philips dagegen die „Portable Lantern“, eine solarbetriebene, tragbare Laterne, die sowohl mit Kompaktleuchtstofflampen als auch mit LED-Lampen ausgestattet werden kann. Die nur zwei Kilogramm schwere Leuchte spendet nach einem Tag in der Sonne rund vier Stunden Licht in zwei verschiedenen Beleuchtungsstärken. Für die Hausaufgaben oder ein Buch am Abend dient die solarbetriebene Leseleuchte „My Reading Light“ mit eingebauter, wiederaufladbarere Batterie. Das Licht kann in drei Stufen gedimmt werden und spendet zwischen dreieinhalb und neun Stunden lesefreundliches Licht. Für den abendlichen Weg nach Hause eignet sich schließlich eine LED-Taschenlampe, die über einen integrierten Dynamo verfügt. Zwei Minuten Dynamobetätigung schenken dem Benutzer Licht für rund 17 Minuten. Sogar ein System, das ganzen Häusern eine kostengünstige und effiziente Innenbeleuchtung schenkt, wurde von Philips entwickelt. Zu diesem Zweck werden auf dem Hausdach Solarzellen verlegt, von denen ein Kabel zur Batterie im Inneren des Hauses führt. Über einen Schalter an der Batterie können die Lampen im Haus schließlich eingeschaltet werden. Ein Tag Sonne genügt, um das Haus den ganzen Abend über zu erleuchten.
Kosten und Nutzen
Bei der zweifellos guten Initiative stellt sich jedoch die Frage, ob die Zielgruppe, die ja über keinen Stromanschluss verfügt, überhaupt das Geld für diese Produkte hat. Je nach Modell kosten sie zwischen 60 und 100 Dollar. „Zehn Dollar gibt jeder Afrikaner nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen pro Monat für Kerosin aus“, erklärt Nick Kelso, Senior Communications Manager Africa in der Lichtsparte von Philips. Die Investition würde sich also nach spätestens zehn Monaten rechnen. Der Benutzer hat zudem in absehbarer Zeit keine Folgekosten: den Strom erzeugt er selbst aus Sonnenergie. „Die Gehäuse halten rund 30 Jahre, die LEDs leuchten rund 50 000 Stunden und die Batterie hält etwa zwei Jahre, kann aber günstig nachgekauft werden“, so Kelso. Zudem würden die Kosten weiter sinken, wenn die Entwicklung der LEDS so rasant voranschreit wie bisher, denn dann würden auch die Leuchtmittel im Preis sinken.
Um die nachhaltigen Beleuchtungslösungen vor Ort in Afrika vorzustellen, initiierte Philips Ende Mai zusammen mit der niederländischen Fußballlegende Ruud Gullit und der Stiftung „Right to Play“ die Roadshow „Cairo to Cape Town Tour“. Diese wird noch bis zum 20. Juli durch Afrika ziehen. Neben der Vorstellung solarbetriebener Beleuchtungslösungen und dem Zusammentreffen von Philips mit Interessenvertretern von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen, der Wirtschaft und Bürgerinitiativen aus 15 Ländern, hat sich der Beleuchtungshersteller außerdem mit der Stiftung „Right to Play“ zusammen getan. Diese hat das Ziel, das Leben von Kindern in einigen der am stärksten benachteiligten Gebiete der Welt mit Hilfe von Sport und Spiel zu verbessen. Die Roadshow „Cairo to Cape Town Tour“ kann auch auf einer eigenen Homepage live mitverfolgt werden.
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