Autor: Katja Neumann
Gefühlt ist er hierzulande bereits im August eingetroffen, offiziell begann er jedoch erst 22. September: Der Herbst. Trotz des kühlen, regnerischen Wetters, das sich durch den Sommer zog, macht sich der Herbst nicht allein durch tiefere Temperaturen bemerkbar, sondern in erster Linie durch das Licht. Die Tage werden kürzer, die Nächte länger und wir bekommen bereits einen Vorgeschmack auf den langen, dunklen Winter, der für manche Menschen den reinsten Albtraum darstellt. „Winter-Blues“ nennt sich lax das winterliche Stimmungstief im Volksmund, das als Krankheitsform sogar eine eigene Bezeichnung hat: SAD, kurz für „Seasonal Affective Disorder“, bzw. SUB-SAD für die abgeschwächte Verlaufsform, bezeichnet die depressiven Stimmungen, die sich während des Winterhalbjahres häufig als Folge von zu wenig Sonnenlicht einstellen. Auch der menschliche Biorhythmus bleibt nicht unberührt von der Änderung der Lichtverhältnisse. Wie sehr sich Licht auf unser Wohlbefinden auswirkt, das untersuchen Forscher und Beleuchtungshersteller seit einigen Jahren und präsentieren, basierend auf diesen Erkenntnissen, eine Reihe von Produkten, die das Arbeiten effizienter und den Winter für das Gemüt erträglicher machen.
Man fühlt sich müde, abgespannt, es fehlt der Antrieb, vor allem morgens, wenn es draußen noch dunkel ist und man sich entgegen aller Körpersignale aus dem Bett quälen muss. Im Sommer fiel einem das doch irgendwie leichter. Kein Wunder, schließlich sind die Jahreszeiten auch Motor unseres Biorhythmus’. Vor der Erfindung des Kunstlichts richteten sich die Menschen in ihrem Tagesablauf nach dem Sonnenstand. So blieb man in der dunklen Jahreszeit überwiegend im Haus und begann sein Tagwerk erst mit den ersten Sonnenstrahlen. Diesem natürlichen Rhythmus kann heute kaum noch jemand folgen. Und so leben wir vielfach gegen unseren biologisch vorgegebenen Rhythmus und oft zusätzlich gegen die eigene innere Uhr. Denn auch hier gibt es Unterschiede. So ist es inzwischen gängig, Menschen in „Lerchen“ und „Nachtigallen“ bzw. „Eulen“ einzuteilen. So sind erstere die geborenen Frühaufsteher während die Nachtigallen oder Eulen erst in den Abendstunden zum Leben zu erwachen scheinen. Dennoch ist ein Energietief am frühen Nachmittag und nach Mitternacht fast allen gemein.
Licht steuert Hormonproduktion
Zwar sind mittlerweile einige Arbeitgeber dazu übergegangen, ihren Mitarbeitern Ruheräume für ein kleines Mittags-Nickerchen einzurichten, was ja bekanntlich als „Minuten-Schlaf„ nach asiatischem Vorbild erstaunliche Regenrationskräfte zu Tage fördern soll, das Gros der Menschen ist dem nachmittäglichen Energieabfall jedoch schlichtweg ausgeliefert. Die Produktivität sinkt und dabei nimmt der Biorhythmus keine Rücksicht auf Besprechungen, Termine oder Präsentationen.
Eingehend mit diesem Phänomen befasst hat sich zum Beispiel der Hersteller Siteco, der das Licht als Produktivfaktor durch intelligente Beleuchtung zu beeinflussen sucht. So entdeckte man im Jahre 2002, dass neben Stäbchen und Zapfen noch ein dritter Zelltyp im Auge unsere Sehgewohnheiten bestimmt: der Photorezeptor. Dieser löst je nach Helligkeit und Farbe des Lichts unterschiedliche elektrische Impulse aus, die über Nerven direkt auf unsere biologische Uhr im Gehirn und die unten am Hirn anhängende Zirbeldrüse einwirken. Diese biologische Uhr steuert neben Biorhythmen wie Körpertemperatur und Aufmerksamkeit auch die Wechselwirkung des Stresshormons Cortisol mit dem Schlafhormon Melatonin, welches schließlich in der Zirbeldrüse produziert wird. So kann man folglich über die Beleuchtungsintensität den Photorezeptor im Auge und darüber die Produktion des Schlafhormons in der Zirbeldrüse beeinflussen. Müdigkeit oder Wachheit können folglich auch über Kunstlicht gesteuert werden: Je weniger Licht, desto mehr Melatonin wird ausgeschüttet und desto müder werden wir.
Mehr Licht für Nachtarbeiter
Durch den gezielten Einsatz von höheren Beleuchtungsstärken, die bei rund 2000 Lux liegen, kann die Melatonin-Produktion weitgehend unterdrückt werden, was sich besonders bei Nacht- und Schichtarbeitern von Vorteil erweist. Rund 15 Prozent aller Erwerbstätigen sind davon betroffen, nachts gegen ihre innere Uhr zu arbeiten, gerade dann, wenn der Organismus eigentlich auf Schlaf eingestellt ist. So entwickelte Siteco das Konzept „light for vitatlity“, das allein über Lichteinwirkung den Biorhythmus auf die Anforderungen des Produktionsprozesses abstimmen und so zum Beispiel das Schlafbedürfnis sowie die Fehlerquote während der Nachtarbeit reduzieren soll. Die positive Wirkung stellte das „light for vitality“-Konzept bereits in der Praxis im Rahmen eines Pilotprojekts in der Montagehalle bei VW in Wolfsburg unter Beweis. Eigens dafür entwickelte Siteco die direkt und indirekt strahlende Leuchte „Lightshelf for vitality“. Dabei wird der Direktanteil über die patentierte Eldacon-Prismenstruktur blendfrei auf den Arbeitsbereich gelenkt, während der Indirekt-Anteil über großflächige, weiße Reflektorsegel umgelenkt und in den Raum reflektiert wird. So erreicht diese Lichtlösung eine mittlere Beleuchtungsstärke von 2000 Lux. Im Rahmen des Projektes wurden schließlich die Mitarbeiter der Nachtschicht befragt. Diese gaben an, unter der neuen Beleuchtung besser arbeiten zu können und nach der Nachtschicht länger und besser geschlafen zu haben. Erkenntnisse, die auch durch die im Schlaflabor erhobene Analysen gestützt wurden.
Doch nicht nur Nachtschichtarbeiter sind von Müdigkeit geplagt, auch Büroarbeiter sind mitunter Opfer ihrer biologischen Wurzeln. Für diese Zielgruppe entwickelte Siteco verschiedene Beleuchtungslösungen, die den Anforderungen nach Beleuchtungsstärken, Kontrast und dem blendfreien Arbeiten am Bildschirm gerecht werden. Basierend auf der Eldacon-Mikroprismentechnik bietet zum Beispiel das Powermodul des Lichtbandsystems DUS 500 eine Innenbeleuchtung, die mit hohen Beleuchtungsstärken das sich im Tagesverlauf variierende Licht der Sonne imitiert. Dies geschieht unter anderem mit Einrichtungen zur Lichtsteuerung, die direkt oder indirekt strahlendes Licht in einer Leuchte separat zu steuern und zu schalten vermögen.
Blaues Licht macht wach
Doch nicht nur die Beleuchtungsintensität beeinflusst den Biorhythmus, auch die Farbe. Gemäß des natürlichen Tageslichtverlaufs reagiert der Körper auf kaltweißes Tageslicht mit der Ausschüttung des Hormons Cortisol, das wach und aktiv macht, auf warmweißes Licht hingegen, welches Abends vorherrscht, produziert er vorwiegend Melatonin, das sich in Schläfrigkeit und Entspannung ausdrückt. Zudem wurde festgestellt, dass die Photorezeptoren im Auge nicht nur auf Helligkeit reagieren, sondern verstärkt auf blaues Licht. So kann ein Lichtspektrum mit genügend blauen Anteilen zum Beispiel die kritische Frühnachmittagsphase überbrücken, da es die Melatoninproduktion hemmt und sich günstig auf Wachheit und die Bereitschaft zur Aktivität auswirkt. Die Farbegebung ist nur ein Baustein in dem Konzept „Humanergy Balance“ des österreichischen Herstellers Zumtobel, das sich die Natur zum Vorbild nimmt. Um dabei die Qualität des Lichts ganzheitlich zu erfassen, stützt sich das Konzept auf drei Funktionen des Lichts: die visuelle, die emotionale und die biologische. Unter die visuellen Anforderungen fällt unter anderem die einfache Sehaufgabe, für die eine bestimmte Lichtqualität vorhanden sein muss. Auf emotionaler Ebene wirken Effekte, die über Anstrahlungen und Farben erreicht werden. Biologisch wirksam zeigt sich das Licht, wenn es mit Farbe und Dynamik auf den biologischen Rhythmus des Menschen Einfluss nimmt. Speziell auf den menschlichen Biorhythmus abgestimmt ist beispielsweise der „Biorhythmus Wallwasher Empedos“ von Nik Schweiger aus der Reihe „Zumtobel Special Products“. Über parabolische Austrittsspiegel zaubert die Leuchte mit einem speziellen optischen System zur Projektion bewegtes, sich farblich veränderndes Licht an die Wand. Dabei lassen sich Fließgeschwindigkeit der Lichtmalerein und Farbnuancen an Musik, die Jahreszeit, einen bestimmten Anlass oder der persönlichen Stimmung anpassen.
Dynamisches Licht simuliert Tageslichtverlauf
Mit dynamischen Licht beschäftigt sich auch Philips. Der Rhythmus von Tag und Nacht, der Wechsel der Jahreszeiten und das Wetter schaffen Lichtsituationen, die sich ständig verändern. Das „DynamicLighting“-Konzept von Philips bringt mit einer Reihe von innovativen Produkten diesen dynamischen Charakter des Lichts in den Innenraum und schafft damit eine „natürliche“ Lichtatmosphäre. Philips Lighting hat zwei dynamische Lichtkonzepte entwickelt: „Dynamic Ambience“ und „Personal Light“. „Dynamic Ambience“ verändert das Licht für den gesamten Raum automatisch und zeitgesteuert nach einem vorprogrammierten Rhythmus, der zum Beispiel auf den natürlichen Tageslichtverlauf abgestimmt ist. „Personal Light“ dagegen erlaubt dem Mitarbeiter, das Licht in Beleuchtungsniveau und Lichtfarbe individuell per Fernbedienung an seine persönlichen Bedürfnisse anzupassen. Dieses Prinzip wurde kürzlich auch im Bereich der Hotellerie umgesetzt. So setzt das Hotel Citizen M am Amsterdamer Flughafen das Wohlfühlkonzept mit dem Namen „Ambient Experience“ aus dem Hause Philips ein. Über eine Fernbedienung reguliert der Gast die gesamte Atmosphäre im Zimmer, sei es Musik, Temperatur, oder eben das Lichtkonzept, von anregend bis entspannend.
Farbe und Licht für Zuhause
Doch nicht nur im Büro oder in der Produktion lässt sich dem winterlichen Stimmungstief entgegen wirken. Eine Tagslichtsimulation ähnlich einer Lichttherapie ist mit der „Philips EnergyLight“ möglich. Die optimale Menge an Tageslicht, um sich wohl und ausgeglichen zu fühlen, liegt bei rund zwei Stunden am Tag bei mindestens 2500 Lux. An sonnigen Tagen ist dies kein Problem, die Lichtintensität erreicht dann bis zu 100 000 Lux. An bedeckten Wintertagen jedoch werden nur rund 1500 Lux gemessen, in Innenräumen sind die Werte sogar meist noch niedriger, bei rund 300 bis 500 Lux. Den Mangel an Licht kompensiert „EnergyLight“, ein leuchtender Bildschirm, der den Menschen mit bis zu 10 000 Lux versorgt, beim Frühstücken, Zeitung lesen oder am Computer. Dabei hat die Lichteinstrahlung keine Nebenwirkungen. Es entsteht kein sichtbares Flackern, das zu Kopf- oder Augenschmerzen führen könnte und auch das UV-Licht wird heraus gefiltert, sodass weder Augen verletzt noch Haut gebräunt wird. Wer lediglich etwas farbige Abwechslung in das winterliche Grau-in-Grau bringen möchte, kann dies mit der Produktfamilie „LivingColors“ von Philips. Bei der LED-Bodenleuchte, die auch als Mini-Version erhältlich ist, stehen über 16 Millionen verschiedene Farbschattierungen zur Verfügung, die sich mit der Fingerspitze an einem Farbrad auf der Leuchte einstellen lassen.
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Siteco light for vitality
Zumtobel Humanergy Balance
www.zumtobel.com/humanergybalance
Philips DynamicLighting