Thomas Dinesen

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Text: Norman Kietzmann, 15.09.2008


Thomas Dinesen wurde 1961 im dänischen Jels geboren. Nachdem er 1989 zusammen mit seiner Frau Heidi die Leitung des Familienbetriebes übernommen hat, entwickelte er den Namen Dinesen kontinuierlich zu einer der bekanntesten Marken für hochwertige Holzfußböden. Vor allem in denkmalgeschützten Gebäuden wie Schlössern oder Kirchen konnten die individuell angefertigten Böden aus hochwertiger Douglasie überzeugen. Nach einer Kooperation mit dem britischen Architekten und Minimalismusexperten John Pawson gelangten die Dielen des Unternehmens zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit und wurden mehr und mehr von Privathaushalten bestellt. Pawson war es auch, der Dinesen schließlich überredete, für ein Projekt in London erstmals Dielen aus Eiche zu liefern und beeinflußte damit maßgeblich den Wachstumskurs des Unternehmens. Heute hat sich Dinesen im High-End-Bereich weltweit etabliert und beliefert Gebäude wie die Sammlung Brandhorst in München und die Saatchi-Gallery in London. Wir trafen Thomas Dinesen im dänischen Jels und sprachen mit ihm über die Geschichte seines Unternehmens, den skandinavischen Sinn für Minimalismus und das richtige Gespür für Holz.



Herr Dinesen, Ihr Familienunternehmen produziert nun schon in der vierten Generation hochwertige Dielenböden. Erzählen Sie uns ein wenig, wie alles vor 110 Jahren begann.

Mein Urgroßvater war einst Baumeister hier im Ort Jels. Holz in der richtigen Qualität zu bekommen, war sehr wichtig für ihn. Darum hat er 1898 beschlossen, ein eigenes Sägewerk zu bauen. Er hat dabei viel über Holz gelernt und darüber, wie man die richtigen Bäume im Wald aussucht. Das ist sehr entscheidend, denn es gibt mehrere Merkmale, an denen man zum Beispiel Beulen und Äste erkennen kann. Er hat darauf geachtet, wie das ausgewählte Holz aus dem Sägewerk herauskam und alles in sein Notizbuch notiert. Auch heute ist es nicht immer einfach, das richtige Holz im Wald zu bekommen. Aber anhand der Erfahrungen meines Urgroßvaters haben wir über Generationen ein gutes Auge dafür entwickelt.

Lag damals schon der Schwerpunkt auf Dielen?

Nein, mein Großvater etwa hat produziert, was lokal benötigt wurde. Es gab zu dieser Zeit fast in jedem Dorf ein Sägewerk, das den ganzen Ort und die Bauernhöfe beliefert hat. Weiter weg ist man selten gekommen. Höchstens so weit, dass man am selben Abend mit einem Pferd wieder zurückkehren konnte. Mein Großvater hat immer wieder neue Dinge gemacht, wenn ihn die Kunden gefragt haben, ob er nicht dieses oder jenes für sie anfertigen könne. Nicht ohne Grund galt früher der Spruch: „Was man nicht in der Apotheke bekommt, bekommt man im Jelser Sägewerk.“ Mein Vater hat schließlich 1965 mit Holzböden aus Douglasie angefangen. Das erste Projekt war Schloss Sonderburg, ein altes Königsschloss hier in Dänemark. In den folgenden Jahren kamen immer weitere Schlösser, Herrenhöfe oder Kirchen hinzu, also meistens Gebäude, die unter Denkmalschutz standen.

Ab wann haben Sie sich dann ausschließlich auf Dielen spezialisiert?

Nachdem ich und meine Frau die Firma 1989 übernommen haben. Wir haben zu diesem Zeitpunkt nur wenige Fußböden aus Douglasie gemacht und noch zahlreiche andere Produkte und Möbel produziert. Mein Vater hat prinzipiell immer versucht, das Holz bis zur Rinde vollständig auszunutzen. Er hat sogar das im Holz enthaltene Wasser verwendet und es aus Spaß in Flaschen gefüllt. Sein „Aqua Douglasie“ hat er aber nicht verkauft sondern nur bei Jubiläen verschenkt. Ich habe dann immer gesagt, dass unsere Fußböden eigentlich als eine Art Nebenprodukt entstanden sind. Um das Wasser aus dem Holz zu gewinnen, sind nebenbei ein paar trockene Dielen übrig geblieben. 1991 haben wir uns dann allein auf die Dielenproduktion konzentriert.

Das Unternehmen hieß damals aber noch gar nicht Dinesen sondern schlicht „Jels Sägewerk“.

Ja, erst nach unserem 100-jährigen Jubiläum 1998 haben wir den Namen der Firma in Dinesen umbenannt. Für uns war dies ein sehr wichtiger Schritt, da man so einen weiteren Ansporn bekommt: Wenn man einem Produkt den eigenen Familiennamen gibt, muss man sich jeden Tag umso mehr um die Qualität bemühen. Wir sind seitdem sehr erfolgreich gewachsen. Waren es 1989 noch acht Leute im Unternehmen, sind wir mittlerweile auf 65 Mitarbeiter angewachsen. 32 davon sind in der Produktion beschäftigt, der Rest im Marketing und der Verwaltung.

Was glauben Sie, hat Ihr Unternehmen so erfolgreich gemacht?

Es ist für uns sehr wichtig, dass wir uns auf die einzelnen Projekte konzentrieren und wirkliches Interesse an ihnen haben. Und das spüren die Kunden auch. Wir produzieren ja zu einhundert Prozent nach Auftrag, sodass die Beratung und der Austausch mit den Kunden sehr umfangreich werden. Hinzu kommt, dass der skandinavische Eindruck unserer raumlangen Dielen auf viele einen positiven Eindruck macht. Diese ganz einfachen Dielen, die bis zu 45 Zentimeter breit und 15 Meter lang sein können, bewegen die Menschen. Das spüren wir ganz deutlich.

Wo sind Ihre Dielen am Stärksten gefragt?

Natürlich hier in Dänemark und Skandinavien. Doch schon jetzt haben wir einen Exportanteil von 35 bis 40 Prozent. Wir gehen davon aus, dass er in Zukunft noch weiter wachsen wird. Vor allem Deutschland und Großbritannien sind sehr wichtige Exportmärkte für uns geworden. Zuletzt haben wir auch einen eigenen Showroom in Oslo in einer Zusammenarbeit mit Fredericia Furniture eröffnet, doch im Prinzip kommen die Kunden nach wie vor über Architekten oder andere Kunden zu uns, die uns empfohlen haben.

Weil sie bestimmte Referenzprojekte gesehen haben?

Wir haben beispielsweise in London mehrere Projekte zusammen mit John Pawson realisiert. Das erste Mal bestellte er Anfang der Neunziger Jahre bei uns Dielen für sein eigenes Haus. Wir haben Pawson damals überhaupt nicht gekannt und wussten gar nicht, mit wem wir es zu tun haben. Aber diese Zusammenarbeit stellte sich im Nachhinein als sehr entscheidend heraus, da viele junge Architekten aus dem Ausland in seinem Büro gearbeitet und so von uns erfahren haben. So kam es, dass wir schließlich auch Anfragen aus Japan oder Israel bekamen. Andere haben Bilder von Pawsons Wohnung in verschiedenen Magazinen gesehen und sich dann bei uns gemeldet. Das ist natürlich auch die beste Art von Werbung.

Vor allem zu minimalistischer Architektur wie der von Pawson scheinen Ihre Dielen besonders zu passen.

Ja, da sie sehr schlicht und wenig dominierend sind. Selbst bei Dielenbreiten von 45 Zentimetern ist immer Platz für Möbel und Einrichtungsgegenstände. Hinzu kommt, dass man eigentlich nicht sehen kann, ob die Dielen 100 Jahre alt sind oder neu eingebaut wurden. So funktionieren sie mit Antiquitäten wie mit modernen Möbeln gleichermaßen.

Ein weiterer Grund mögen sicher auch die hellen, zurückhaltenden Oberflächen sein, die mit Lauge und Seife behandelt wurden.

Ja, das ist etwas typisch Skandinavisches. In anderen Ländern wird eher Öl oder Lack verwendet. Doch wir versuchen eigentlich immer, unsere Kunden zu Lauge und Seife zu überreden. Sie schützt perfekt gegen Fett, Rotwein, Saft oder andere Flecken. Gleichzeitig ist es einfacher zu pflegen als Öl oder Lack. Holz, das mit Seife behandelt wurde, drückt sich zwar ein wenig ein, wenn man darüber mit Absätzen läuft. Bringt man aber erneut Wasser auf, hebt er sich wieder an. Besonders Architekten mögen diese Stofflichkeit des Bodens sehr gerne. Denn der Nachteil von Lack ist ja, dass sich die Druckmarken nicht wieder anheben und man den Boden immer wieder schleifen muss. Öl ist zwar besser, doch um den Boden gut zu pflegen, muss man ihn zwei bis dreimal im Jahr nachbehandeln. Das ist mit Seife nicht notwendig.

Sie verwenden überwiegend die Douglasie. Was macht diesen Baum so besonders?

Der Baum kommt ursprünglich aus den USA und Kanada und wurde 1826 von dem schottischen Botaniker David Douglas entdeckt. Er war unterwegs für eine Gartengesellschaft, um neue Pflanzen für englische Gärten zu finden, darunter verschiedene Holzarten wie auch die Douglasie. Sie ist heute in den deutschen Wäldern, ebenso in Dänemark, Holland oder Frankreich zu finden. Es stimmt aber nicht, dass die Douglasie eine eingeführte Holzart ist. Man hat Fossilien gefunden, die belegen, dass es den Baum schon vor der Eiszeit in Europa gab. Über Amerika hat sie also ihren Weg wieder zurück gefunden. In Deutschland gibt es Douglasien von einer Höhe bis zu 60 Metern und Stämmen von bis zu 100 Zentimetern Durchmesser.

Was unterscheidet ihr Holz von dem anderer Baumarten?

Douglasie ist viel härter als Fichte, Kiefer oder Tanne. Nadelbäume formen jedes Jahr zwei Jahrringe. Einen Jahrring im Frühjahr für den Transport von Wasser und einen dunklen Jahrring im Herbst, der dem Baum seine Steifheit gibt. Der letzte ist bei der Douglasie seht hart, härter als beispielsweise bei Eiche. Dazu kommt, dass Douglasie eine schöne helle Farbe hat, die speziell nach der Behandlung mit unserer Lauge und Seife einen große Eindruck auf den Kunden macht. Im Wald ist sie ebenfalls ein sehr schöner Baum, der wächst und gedeiht trotz Klimaveränderungen. Douglasie ist in der Forstwirtschaft sehr populär.

Wie sieht es eigentlich mit Ästen aus?

Wenn wir die Bäume im Wald untersuchen, dann achten wir auf die Anzahl und Größe der Äste. Aber unsere Einstellung ist, dass die Äste die Bedingung für das Leben des Baumes und damit auch ein Ausdruck der Qualität sind. Prinzipiell mögen wir es nicht, astreine Dielen zu liefern. Für uns gehören Äste einfach dazu. Viele denken, es handle sich um Fehler. Dabei liegt darin die Qualität des Holzes. Bei uns haben wir eine umfassende Qualitätskontrolle, was unter anderem bedeutet, dass sämtliche Äste sorgfältig untersucht werden. Die Technik haben wir über die Zeit so weit entwickelt, dass unsere Mitarbeiter beispielsweise einen Ast austauschen können, wenn die Farbe mit der Diele nicht übereinstimmt.

Und wie findet man das richtige Holz?

Das ist schon eine Kunst für sich. Wichtig ist vor allem, dass der Wald gut gepflegt wird. In Deutschland existiert eine sehr lange forstwirtschaftliche Tradition, die den gesamten Waldbestand berücksichtigt. Wir beziehen deswegen den Großteil der Douglasien aus Deutschland, allen voran aus dem Schwarzwald. Unsere Eiche kommt zum Teil auch aus Dänemark, aber auch Deutschland ist ein Hauptlieferant. Ich selbst bin oft in Deutschland unterwegs, um das Holz zu kontrollieren und die Forstleute zu besuchen. Der persönliche Kontakt ist sehr wichtig, damit sie auch spüren, dass es uns ernst ist.

An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit?

Wir realisieren gerade ein Großprojekt in New York, wo wir 3700 Quadratmeter Eiche für neue Apartments liefern. Auch mit der deutschen Küchenmarke Bulthaup arbeiten wir zusammen und haben die Showrooms in Berlin, Hamburg sowie am Hauptsitz in Aich mit unseren Dielen ausgestattet. In London sind wir zudem offizieller Gründungspartner der neuen Saatchi-Galerie geworden, die wir derzeit mit über 5.000 Quadratmetern Dielen ausstatten. Das ist für uns ein sehr wichtiges Projekt, schließlich werden dort über eine Million Besucher pro Jahr erwartet. Anstatt in einen Showroom können wir dann zukünftige Interessenten einfach in Galerien schicken.

Herr Dinesen, vielen Dank für das Gespräch.



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