Autor: Tim Berge
Nein, dieses Ding ist nicht vom Himmel gefallen, obwohl es ein bisschen so aussieht, als stamme es nicht von dieser Welt. Mitten im Nirgendwo Australiens, eingebettet in eine exotische Pflanzenwelt und dem tropisch-mediterranen Klima der Region Southern Highlands im Süden Australiens tagtäglich ausgesetzt, sitzt eine schwarz glänzende Kiste. Öffnungen sind auf den ersten Blick nicht zu erkennen, Ein- oder Ausgang scheint das Gebäude nicht zu haben. Doch dieser Monolith hat es in sich: ein Büro mit ganz besonderen Fähigkeiten.
Bevor das australische Softwareunternehmen Inteweave auf die Idee kam, an diesem Ort ihren neuen Firmensitz zu errichten, stand hier eine kleine, garagenähnliche Werkstatt. Die beauftragte Architektin Tina Tziallas nahm die vorhandene Substanz in ihre Planung mit auf und schuf mit minimalen Eingriffen ein Arbeitsraum, der sich – im Gegensatz zu seinem Erscheinungsbild – perfekt in sein natürliches Umfeld einfügt.
Das kleine Schwarze
Die Veränderung des äußeren Erscheinungsbilds ist minimal: Dem alten Werkstattgebäude wurde einfach eine schwarze Fassade übergestreift. An den Seiten hat das Büro einen matten Putz-Anstrich, vorne tauschte die Architektin die alten Roll- durch großformatige, automatisch gesteuerte Kipptore aus und verkleidete die gesamte Fläche mit getönten Glaselementen. Diese reflektieren ihre Umgebung und geben dem Haus seine monolithartige Gestalt. Die Tore lassen sich nach oben neigen und können so die Büroräume nach außen hin öffnen und mit der umliegenden Natur verbinden. Im geöffneten Zustand dienen sie gleichzeitig als Markise für den Innenraum und sorgen für eine angenehme Verschattung.
Die Fassade schafft eine – gerade für das mediterrane Klima dieser Region – perfekte Verbindung zwischen Innen und Außen und sorgt für angenehme Temperaturen an den Arbeitsplätzen, und das ohne künstliche Kühlung. Dazu bieten die Öffnungen den Mitarbeitern der Firma einen wunderbaren Ausblick auf die umgebende Pflanzenwelt: Arbeiten im Freien... zumindest fast.
Natur pur
Für die Innenraumgestaltung zeichnet das australische Studio Factor Design verantwortlich, das Teile ihrer bereits vorhandenen Möbelkollektion für das Projekt variierte und für die spezielle Architektur weiterentwickelte. In den weißen Räumen wurden vor allem Raumtrenner und mobile Containermöbel aus Naturholz eingesetzt, die bewusst einen Kontrast bilden zu ihrer minimalen architektonischen Umgebung und auch als Referenz auf die üppige Natur der Region dienen. Als einzige Farbtupfer tauchen rote und dunkelgraue Farbflächen als Schiebetüren oder Rückwände auf – sie dienen als Ordnungsprinzip für die Angestellten.
Den Raum haben die Architekten mit einem eingestellten Block in der Mitte zweigeteilt. Zur Büroseite hin beherbergt der Block eine eingebaute Arbeitsfläche, die den anderen, lang gezogenen Bürotischen gegenübersteht. Zur Rückseite des Raumes wurde ein Regal eingebaut, in dem Plastikcontainer – wieder in rot und grau – auftauchen. Hinter der Wand verbergen sich außerdem die Zugänge zu Lager, Küche und Toiletten.
Der schönste Platz, direkt an den geöffneten Kipptoren, ist dem Meeting- und Esstisch vorbehalten. Von hier aus richtet sich der Blick mal nicht auf den Computerbildschirm, sondern kann ungestört ins Grüne schweifen: eine schöne neue Bürowelt!
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Projektarchitekten
Tina Tziallas Architecture Studio www.ttas.com.au
Möbelausstattung
Factor Design www.factordesign.com.au