Autor: Myrta Köhler, Fotograf: David Frutos
Àtico nennt man die Dachaufbauten, die die Dachlandschaft spanischer Großstädte noch heute prägen: Nachträglich errichtete Unterkünfte auf den Dächern der Stadthäuser, in denen häufig die Hausmeister einquartiert wurden. Ein solches ático in der Levante-Stadt Murcia bauten nun Clavel Arquitectos zum privaten Domizil für einen Kunstliebhaber um. Ein raffiniertes Lichtkonzept verleiht nicht nur den Kunstwerken, sondern auch dem gesamten Loft einen angemessenen Rahmen.
Was heute romantische Vorstellungen vom „room with a view“ inspiriert, war ursprünglich wohl eher ungemütlich: Zu den in Selbstbau errichteten Dachwohnungen gelangte man nur zu Fuss über enge Treppen, oft waren die Räume schlecht isoliert, im Sommer war es zu heiß, im Winter zu kalt. Doch was sich in den ärmlich anmutenden Häuschen für Potential verbirgt, beweisen die Planer des Büros Clavel Arquitectos.
Alles gut im Oberstübchen
Der Bauherr wünschte sich Räumlichkeiten, die trotz zentraler Lage eine angemessene Privatsphäre gewährleisten sollten. Zudem sollte das künftige Heim einen würdigen Rahmen für die private Bildersammlung des Kunstliebhabers abgeben. Die Wahl fiel auf eine Dachwohnung in der Innenstadt von Murcia. Den bestehenden Dachaufbau verwandelten die Architekten in ein zweigeschossiges Loft mit 234 Quadratmetern Grundfläche, inklusive Dachterrasse und Dachgarten.
Mehr als ein Dachboden
Die Bauvorschriften erlaubten keine Änderung der Fluchtlinien der Fassaden, doch im Zuge der Umgestaltung wurden die Außenmauern an mehreren Stellen durchbrochen, der gesamte Baukörper wurde mit einer durchgehenden Außenhaut aus weißem Glas verkleidet: Das Loft erhält dadurch eine beeindruckende optische Leichtigkeit, im Sonnenlicht wirkt das Gebilde zart und schillernd wie eine Seifenblase.
Schwebende Bubbles
Das Innere der Wohnung wurde gänzlich neu strukturiert: War der ehemalige Grundriss als eine Folge von Räumen beidseitig eines Korridors angelegt, entwickelten die Architekten nun ein neues Wohnkonzept basierend auf sogenannten „Bubbles“: Räume mit abgerundeten Ecken. Zwischen den „Bubbles“ verlaufen die nötigen Verbindungswege.
Bei der Neugestaltung des Lofts kam eine relativ kleine Palette von ausgesuchten Materialien zum Einsatz. Die Außenwände der „Bubbles“ wurden mit opakem, weißem Glas verkleidet, davor verlaufen unter Putz verlegte Schienen für die Aufhängung der Bilder. Die Böden in den Räumen sind in verschiedenen Massivholzvarianten ausgeführt, in den Zwischenräumen wurden längliche Platten aus grauem Phyllit verlegt. Die Decken in den Korridoren erhielten eine durchgehende, perforierte Gipsschicht, um das Akustikverhalten der Glaswände auszugleichen. Das Motiv der abgerundeten Ecken wird bei den länglichen Spotlights sowie bei Einrichtungselementen und Sanitärinstallationen wiederholt. Einige der Möbelstücke weisen verspiegelte Oberflächen auf – im Zusammenspiel mit den hellen Wänden und Decken wird so eine optische Vergrößerung des Raumvolumens erzielt. Insgesamt entstand eine wohnliche Atmosphäre, die auch den Kunstwerken einen geeigneten Rahmen bietet.
Lichtrahmen
Eine „Rahmung“ im wahrsten Sinne des Wortes erhielt auch das gesamte Loft. Zu verdanken ist das dem Lichtkonzept, für das ebenfalls die Architekten verantwortlich zeichnen. Drei unterschiedliche Lichtstimmungen wurden entwickelt, um die Funktionen des Lofts optimal zu unterstreichen und zu unterstützen. Die Grundstimmung für den Alltag wird durch Downlights getragen, die in den Decken und unter den Treppenstufen verbaut wurden, zurückgesetzte LED-Bänder zeichnen die Umrisse der Decken nach. Für die professionelle Beleuchtung der Kunstwerke in den Korridoren sorgen exakt ausgerichtete Kardan-Spotlights.
Für eine stimmungsvolle Beleuchtung bei Nacht wurden umlaufende LED-Bänder entlang der Kanten von Fußboden und Wänden eingesetzt, das weiße Glas der Wände wirft das Licht zurück und erzeugt funkelnde Reflexe. Bei der Außenbeleuchtung kommen neben einfachen Spots im Boden der Dachterrasse ebenfalls LED-Bänder zum Einsatz, wodurch eine stimmige Entsprechung zwischen außen und innen entsteht: In beiden Fällen zeichnen die LEDs die Umrisse und Kantenformen der Wände nach. Optisch werden Boden und Decke von den Wänden losgelöst, wodurch das Loft eine fast ätherische Leichtigkeit erhält.
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