Autor: Katja Neumann
Das sogenannte „Museumsareal“ im Münchner Stadtteil Maxvorstadt ist seit vergangenem Jahr um ein Kunststück architektonischer Art reicher: Das Museum Brandhorst bildet jetzt die nordöstliche Ecke des Komplexes, der neben Alter und Neuer Pinakothek auch die Pinakothek der Moderne mit Architekturmuseum, Graphischer und Design-Sammlung umfasst. Der Museumsneubau hebt sich bereits von Weitem durch seine schillernde Fassade ab, die aus 36 000 Keramikstäbchen in 23 Farben besteht. Neben ihrer optischen Wirkung ist die Fassade zudem Bestandteil eines ausgeklügelten Energie-Konzepts, das auf die größtmögliche Ausnutzung des Tageslichts setzt. So können zum Beispiel die insgesamt drei Etagen während der normalen Öffnungszeiten zu 50 bis 75 Prozent allein durch das Tageslicht erhellt werden. Für eine optimale Zusteuerung von Kunstlicht sorgt nun zudem ein maßgeschneidertes Leuchtenprogramm von Zumtobel.
Um die über 700 Werke umfassende Sammlung von Udo und Anette Brandhorst der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und das Museumsareal in München zu erweitern, beauftragte der Freistaat Bayern die Architekten Sauerbruch Hutton mit dem Neubau des Museum Brandhorst. Ein Tageslichtmuseum sollte es werden, gebaut nach den aktuellen Erkenntnissen der Energieeffizienz – aber ohne Fenster, so der Wunsch des Bauherrn. Die Architekten errichteten schließlich ein aus zwei Baukörpern zusammengesetztes Gebäude: ein zweigeschossiger, rechteckiger Langbau und ein höherer, nach Norden verbreiterter Kopfbau. Die beiden Baukörper sind durch eine durchgehendes Fensterband verbunden, das das Museum optisch in zwei Geschosse teilt. Dieses Fensterband mündet am Kopfbau in der großzügigen Verglasung des Haupteingangs.
Bunte Fassade aus Keramikstäbchen
Die aus Tausenden von vertikal eingesetzten und glasierten Keramikstäbchen bestehende Fassade ist dagegen fast gänzlich geschlossen. Farblich wurden die Stäbchen in drei Familien entsprechend ihrer Farbe und ihres Tons – hell, mittel oder dunkel – auf drei Felder aufgeteilt. So entsteht aus der Ferne gesehen der Eindruck eines einheitlichen Farbtons. Aus der Nähe betrachtet, lösen sich die Felder jedoch in ihre Einzelfarben auf und offenbaren ein buntes Mosaik. Der hinter den Stäbchen liegende Fassadenteil besteht aus mehreren Schichten: einer Unterkonstruktion, der Wärmedämmung und davor eine gefaltete, zweifarbige Blechhaut. Während die Blechhaut den Straßenlärm absorbiert, besitzt die Außenfassade einen unschätzbaren Nutzen für die Energieeffizienz des Gebäudes. Die glasierten Keramikstäbchen reflektieren das Sonnenlicht und verhindern damit ein Aufheizen des Gebäudes.
Tageslicht bis ins Souterrain
Das von den Bauherren gewünschte Tageslicht fällt vertikal in alle drei Stockwerke, auf denen die Ausstellungsflächen des Museums verteilt sind. Die Galerien unterscheiden sich sowohl in Größe und Proportion, wie auch durch die jeweils verschiedenen Lichtsituationen. Im obersten Geschoss befinden sich die großen Säle mit bis zu 450 Quadratmetern Größe und einer Deckenhöhe von bis zu neun Metern. Hier fällt das Licht durch Oberlichter im Dach auf die durchgängig abgehängten transluzenten Textildecken, über die das Licht gleichmäßig im Raum verteilt wird. Im Erdgeschoss sind die kleineren Räume mit Größen von 55 bis 100 Quadratmetern und einer Deckenhöhe von fünfeinhalb Metern angesiedelt. Das Tageslicht fällt hier durch ein seitliches Oberlicht in das Gebäude und wird über ein System von Reflektoren in den Raum geleitet. Die Decken sind mit textilbeschichteten Lamellen versehen, die das Tageslicht einerseits dämpfen und es andererseits gleichmäßig streuen. Sogar im Souterrain wird der zentrale, 460 Quadratmeter große und sieben Meter hohe Saal mit Tageslicht erhellt. Dieses Kunststück realisierten die Architekten durch eine Verschiebung des Grundrisses, sodass eine direkte Beleuchtung von oben ermöglicht wird.
Ideale Lichtumgebung durch zugesteuertes Kunstlicht
Als zusätzliche Kunstlichtquellen dienen im Souterrain und der Quergalerie Lichtbandleuchten von Zumtobel, die das Licht homogen in den Raum lenken. An die große Galerie schließen sich außerdem kleine Kabinette an. Die hier eingesetzten LED-Strahler ermöglichen eine schonende Beleuchtung der empfindlichen Exponate durch ihre UV- und infrarotfreie Strahlung und lassen sich darüber hinaus in ihrer Farbtemperatur präzise einstellen, sodass die Werke in bestem Lichte erstrahlen.
Im Foyer des Museums zieht eine skulpturale, mit Eichenholz verkleidete Treppe die Blicke der Besucher auf sich. Hier sorgen vertikal zur Fensterfront installierte Lichtbandleuchten für ein gleichmäßiges Licht. Das Foyer weitet sich zu einem kleinen Restaurant auf, das mit von der Decke abgehängten LED-Lichtlinien ausgestattet ist. Zumtobel entwickelte diese Sonderleuchten in enger Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Sauerbruch Hutton eigens für das Museum Brandhorst.
Farben kommen im Tageslicht am besten zur Geltung, daher kommt die natürliche Ausleuchtung des Museum besonders den kunstsinnigen Besuchern zugute. Doch neben der sehr guten Lichtqualität für die Kunst ermöglicht das Konzept auch erhebliche Energie-Einsparungen. In allen Ausstellungsräumen wird das Tageslicht, das im Sommer bis zu 100 000 Lux erreichen kann und damit viel zu hell wäre für die Exponate, durch Lichtlamellen gefiltert und auf rund 300 Lux – die optimale Galeriehelligkeit – abgeblendet. Die Tageslichtdecken aus transluzentem Stoff sorgen anschließend für die gleichmäßige Verteilung des Tageslichts im Raum und mildern zudem stärkere Lichtschwankungen. Über den Tageslichtdecken sind zusätzliche Kunstlichtquellen angebracht. „Die zusätzlichen Kunstlichtquellen können bei Bedarf beigemischt werden oder das Tageslicht ganz ersetzen“, erklären die Architekten ihr Konzept. „So erhalten die wertvollen Exponate jeweils die idealen Lichtbedingungen je nach Tageszeit, Witterung und Bedarf.“ Und das natürliche Spiel des sich verändernden Tageslichts, der Sonne und der vorbeiziehenden Wolken, die sich auf den Textildecken abzeichnen, sind ein Kunstgenuss der besonderen Art, den die Besucher zusätzlich genießen dürfen.
Zurück
Museum Brandhorst
Sauerbruch Hutton
Zumtobel
BauNetz Meldungen
Sauerbruch Hutton Alle BauNetz Meldungen