Autor: Claudia Simone Hoff
Unter einem Studentencafé stellt sich der ein oder andere vielleicht einen dunklen, rauchgeschwängerten und mit knarrenden Holzdielen ausgelegten Raum vor. Und dort stehen bestenfalls ein paar alte Thonet-Stühle, während billiger Rotwein und zu starker Kaffe serviert wird und die Tageszeitung raschelt. Das diese Vorstellung doch vielleicht nicht mehr ganz so aktuell ist, beweist ein Projekt in Singapur: Dort hat das Designkollektiv Outofstock in einem Studentenwohnheim ein Café eingerichtet, das zwar nur 58 Quadratmeter groß, aber gestalterisch aus einem Guss ist.
Gelegen gleich neben dem Campus der Rechtwissenschaften der Universität des asiatischen Stadtstaates, befindet sich diese Mischung zwischen Café und Restaurant in einem Gebäude aus den Sechzigern. Und wen wundert es da, dass das Zielpublikum von „Hatched“ ein recht junges ist. Eines, das am liebsten den ganzen Tag frühstücken möchte und nicht nur von neun bis elf. Deshalb hat sich das 38 Plätze fassende kleine Restaurant auf das kulinarische Thema Frühstück konzentriert und serviert nebenbei noch Eierspeisen in allerlei verschiedenen Variationen.
Antipoden
Betritt der Besucher das Café, befindet er sich unmittelbar im Gastraum. Dieser erfährt eine räumliche Zweiteilung: ein eher öffentlicher Bereich mit Tresen und großen Tischen sowie ein eher privater Bereich mit Zweiertischen. Im Eingangsbereich also sind zwei Tische für jeweils acht sowie ein kleiner für vier Personen in geometrischer Anordnung positioniert. Hier sitzt der Gast auf hölzernen, vierbeinigen Hockern – die übrigens ein wenig an Melkschemel erinnern –, die so luftig gestaltet sind, dass sie den relativ kleinen Raum nicht überfrachten. Den drei Tischen zur Seite gestellt ist der schlichte, langgezogene Tresen. Er ist aus drei verschiedenen Holzfurnieren gefertigt: Eiche, Ahorn und Buche. Die vor dem Tresen platzierten Barhocker mit runder Sitzfläche sind direkt im Fußboden verankert und aus denselben Holzarten wie der Tresen gefertigt, allerdings in einer massiven Variante.
Provisorien
Der eher privat gehaltene Sitzbereich hingegen befindet sich an der hinteren Wand des Lokals: Sechs einzelne kleine Tische bestimmen hier das Bild. Während das 2006 gegründete Designkollektiv Outofstock zur Wand hin eine schlichte Sitzbank mit gesteppter brauner Polsterauflage gestaltet hat, stehen vor den Tischen knallige, orange-weiße Stühle im Stil der Sixties. Angeschlossen an diesen rechteckigen Gastraum ist die kleine Küche des Restaurants. Das eigentliche gestalterische Highlight ist jedoch ein anderes: die Tafel an der Rückwand, die einlädt, um mit weißer Kreide Botschaften zu hinterlassen. Sie haucht dem ganzen Raum das Flair des Provisorischen, des sich Wandelnden ein.
Zufälle
Neben dem rauen, industriell anmutenden Betonfußboden findet auch die Eichen-Holzverkleidung vor den raumhohen Fenstern besondere Beachtung: Auch hier spielt das Ei eine Rolle. Allerdings nicht als Lebensmittel, sondern in Form von lichtdurchlässigen Einschnitten – so wird Licht gefiltert statt völlig abgewehrt. Und nicht nur hier entdeckt der Betrachter das Designkonzept von Outofstock: Das multikulturell ausgerichtete Designteam arbeitet mit wenigen, aber effektvollen Materialien wie Holz und Beton, kontrastiert diese und mischt dem ganzen eine Portion Zufälligkeit bei. Dieses Zufällige, nicht ganz perfekt Wirkende wird besonders offensichtlich an der Beleuchtung des Raumes: von der Decke hängende, mit einem Dimmer versehene Glühlampen an simplen schwarzen Kabeln. Hier wird das technisch anmutende Kabelgewirr visuell durchbrochen durch die oberhalb der Fassung angebrachten Verkleidungen aus Guavenholz – ein leichter Öko-Touch inklusive.
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Projektdesigner
Designkollektiv Outofstock www.outofstockdesign.com
Projekt
Hatched, Singapur www.hatched.sg