Autor: Claudia Simone Hoff
In Frankreich kennt sie jedes Kind, aber in Mexiko? Gemeint sind die kleinen Köstlichkeiten namens Macarons. Diese bunten Patisserie-Wunder werden nun auch am anderen Ende der Welt verkauft, in einem eigenen Laden namens Theurel & Thomas. Dessen rein weißes, verspieltes Interieur, in dem die Macarons wie veritable Farbkleckse wirken, hat das ebenfalls in San Pedro im mexikanischen Bundesstaat Nuevo Léon ansässige Designbüro Anagrama entworfen.
Zwar ist der Laden klein, aber die zur Verfügung stehende Fläche wird geschickt genutzt. Dies ist vor allem der Farbe Weiß geschuldet, welche die Designer für das Interieur gewählt haben und zwar durchgängig für Wände, Decke, Boden sowie Möbel und Accessoires. Diese Elemente haben jedoch nicht nur praktische Aufgaben – als Regal, Verkaufstheke, Sitzgelegenheit oder Leuchte, sondern dienen vor allem einem Zweck: der Inszenierung der farbenfrohen Macarons. Besonders schön wirkt die symmetrische Anordnung der süßen Stücke in einer Vitrine, wo die Farbreihungen unter Glas einem Kunstwerk gleich zur Geltung kommen. Aber auch die Aufschichtung der Macarons in barock anmutenden Porzellanschalen und Etageren erfreut das Auge.
Hereinspaziert!
Der Besucher betritt den Laden durch eine Glastür, die in das große Schaufenster integriert ist – für eine optimale Beleuchtung durch Tageslicht ist also gesorgt. Ein Überblick ist schnell verschafft, besteht der Verkaufsraum doch hauptsächlich aus drei Elementen, die gestaffelt hintereinander angeordnet sind: an der Wand Regale und Schrankelemente, davor der Tresen, dahinter ein Sofa mit Beistelltischen. Der lichte Eindruck des Raums wird unterstützt durch einen über dem Sofa angebrachten Spiegel sowie über dem Tresen positionierten weißen Lüstern. Während die Wand hinter dem Sofa mit einer weißen Holzpaneele mit aufgesetzten Zierleisten verkleidet ist, kommen auch die Schränke recht verspielt – wie in einem alten Wohnzimmer mit Stilmöbeln – daher. Auffällig sind die historisierenden, zum Teil gesprengten Giebel, die einigen Schrankelementen aufgesetzt sind. Komplettiert wird die Verspieltheit des Interieurs durch barock anmutende, zu beiden Seiten des Sofas angeordnete Beistelltische.
Alles aus einem Guss
Das Projekt für Theurel & Thomas, das das Designbüro Anagrama in Zusammenarbeit mit Roberto Treviño und German Deheza entworfen hat, zeichnet sich aber nicht nur durch ein gelungenes Interieur aus, sondern besticht durch ein durchgängiges Gesamtkonzept. Umgesetzt wurde ein umfassendes Corporate Design, das nicht Halt macht bei der Innenarchitektur, sondern Verpackung, Grafikdesign und Kleidung der Mitarbeiter in die Gestaltung einbezieht. Auch hier bestimmt die Farbe Weiß die gesamte Anmutung: In schlichten weißen Boxen, auf denen das Logo von Theurel & Thomas in grauen Versalien appliziert ist, kommen die Macarons gut zur Geltung. Und vor dem geistigen Auge erscheint das Bild eines glücklichen Käufers, der die soeben erworbene, schlichte Papiertüte des Ladens nach Hause trägt und vielleicht unterwegs schon ein Pistazien-Macaron aus der Packung stibitzt. Die Mitarbeiter von Theurel & Thomas dürfen sich in Gewänder kleiden, die denen von Köchen ähneln und sich nur durch über die Vorderseite des Kleidungsstücks verlaufende Zickzack-Linien in Blau und Rosa von diesen unterscheiden. Diese feinen Linien tauchen übrigens auch auf den Verpackungen wieder auf.
Macarons – die hohe Kunst der Confiserie
Erdbeer, Kokosnuss, Pistazie, Schokolade, Karamell, Grüner Tee, Zitrone, Rose oder Kaffee sind nur einige der mehr oder weniger extravaganten Geschmackssorten, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. In diesem kleinen Laden – man ist geneigt, ihn Boutique zu nennen, so elegant kommt er daher – hat der Kunde die Qual der Wahl. Während in Frankreich Macarons eine beliebte Spezialität sind, die es fast in jeder Boulangerie zu kaufen gibt, sind sie in Mexiko und auch in Deutschland nur in ausgesuchten Delikatessen-Läden zu haben.
Macarons – ursprünglich eine italienische Erfindung, woran auch noch der Name „maccarone“ erinnert – bestehen, kurz gefasst, aus zwei kleinen runden Makronen, die eine feine Masse aus Sahnecreme oder Ganache umhüllen. Macarons, die frisch gegessen werden sollten, handgefertigt sind und deshalb ihren Preis haben, werden bevorzugt mit einer Tasse Tee oder gern auch mit einem Glas Champagner verkostet. Während in Frankreich vor allem die Macarons von Ladurée, Pierre Hermé oder Fauchon bei Kennern begehrt sind, sind es in der Schweiz die Luxemburgerli – so nennt man die Macarons im Alpenland – der Confiserie Sprüngli. Und diese Spezialität vom anderen Ende der Welt werden nun sicherlich auch die Mexikaner goutieren.
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Projektdesigner
Anagrama, San Pedro Garza García www.anagrama.com
Projekt
Theurel & Thomas, Maison du Macaron www.theurelandthomas.com
Musée de l'Amande et du Macaron