Autor: Katharina Horstmann
Skyspaces nennt James Turrell Räume, die wie ein Rahmen seine Kunst umgeben. In manchen Fällen verwirklicht er sie in schon bestehenden Gebäuden; in anderen Fällen konzipiert er mit Architekten eigens neue Bauten. Mit dem New Yorker Thomas Phifer realisierte der 1943 in Los Angeles geborene Lichtkünstler einen Pavillon für die Rice University in Houston. Die leicht anmutende Konstruktion weist eine für Turrells Räume typische scharfe Öffnung in der Decke auf, die wie ein Stück Leinwand wirkt und den Himmel in unmittelbare Reichweite holt. Die speziell für das Projekt entwickelte Lichtinszenierung Twilight Epiphany untermauert den magischen Effekt.
Schon als Kind war James Turrell so sehr vom Licht fasziniert, dass er begann, mit ihm zu experimentieren. In die Verdunklungsvorhänge seines Zimmers bohrte er Löcher. Zog er die Gardinen bei Tageslicht zu, wurde daraus sein persönlicher Sternenhimmel. Die Idee, dem Licht eine Körperlichkeit zu geben, ließ ihn seitdem nicht mehr los. Wie er schon damals die am Tag von der Sonne verdeckten Sterne in sein Zimmer holte, so offenbart er mit seinen Skyspaces auch heute noch das Licht. Der mit dem Architekten Thomas Phifer realisierte Pavillon macht die allgegenwärtige Materie zwar nicht greifbarer, aber sichtbar und erfahrbar für ein breites Publikum – und das zum Teil mit einer musikalischen Untermalung.
Schwebender Himmelsraum
Der Bau befindet sich inmitten des Geländes der Rice University in der Nähe der Sheper School of Music. In seiner Form erinnert er an einen begrünten geometrischen Krater – oder den Sockel einer Pyramide. Über dem Sockel mit zwei sich gegenüberliegenden Eingangsbereichen schwebt ein gut 22 mal 22 Meter großes weißes Dach, das auf acht etwa dreieinhalb Meter hohen weißen Säulen sitzt und entfernt an eine Pergola erinnert.
Lichter Farbverlauf
Das Innere des Skyspace besteht aus einem würfelförmigen, mit farbigem Licht durchfluteten Raum, in dem Sitzbänke aus rosa- und graufarbigem, texanischem Granitstein stehen. In die Wände sind zwölf kaum sichtbare Lautsprecher für Musikaufführungen der Hochschule eingebaut, so dass der Pavillon nicht nur eine Hülle für Turrells Kunstwerk bietet, sondern auch als Bühne einen zusätzlichen Zweck erfüllt. Das Licht wird durch programmierte LEDs geschaffen, die in der Decke des großen weißen Daches hinterlegt sind und ihr Licht in einem subtilen Farbverlauf verändern: In einem Moment ist der Raum pink, in einem andern blau, mit hellblauer Stirnwand und Ecken, die langsam wie Nebel verschwimmen.
Gerahmtes Himmelsfenster
In der Mitte der Decke befindet sich eine vier mal vier Meter große Öffnung, durch die der Besucher den Himmel erblickt, während das künstliche Licht das Innere in unterschiedliche Farbskalen taucht. Wem die Lichtinszenierung Twilight Epiphany – was auf Deutsch so viel wie „Zwielichtige Erleuchtung“ heißt – in dem würfelförmigen Raum zu intensiv wird, kann über äußere, die beiden Eingänge rahmende Treppen in den oberen tribüneähnlichen Teil des Pavillons gelangen und auf Bänken aus Sichtbeton Platz nehmen. Auch hier kann eine Parallele zu dem typischen Himmelsbild hergestellt werden, das wie ein großes Fenster oben zu schweben scheint und das durch die Reduktion auf einen kleinen Ausschnitt das Licht zu etwas Materiellem werden lässt: Der Himmel wird zu einem Bild, das sich in fortlaufend verändert.
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Projekt
Skyspace / Rice University
www.skyspace.rice.edu
Projektarchitekt
Thomas Phifer & Partners
www.tphifer.com