Autor: Katharina Horstmann
Aus dem tiefblauen Meer ragen unvermittelt 300 Meter hohe Kraterwände auf; über ihnen thronen blendend weiße Häuserwürfel, die sich perfekt der Landschaft anpassen. Wer mit dem Schiff in die Caldéra – einem erloschenen Vulkankrater – einläuft, dem wird der erste Anblick der griechischen Kykladen-Insel Santorini lange in Erinnerung bleiben. In grell-roten und schwarzen Farbtönen zeichnen sich hier die Lava-, Schlacken- und Aschebänke voneinander ab, die die Kraterwände aufbauen und die von einer weißen, bis zu 30 Meter mächtigen Bimssteintuffschicht gekrönt werden. Doch die Bebauung befindet sich nicht nur auf dem Kraterrand; Höhlenwohnungen und Häuser, Hotels und Swimmingpools sind auch in ihn hineingesetzt – wie das Santorini Grace Hotel, für dessen Gestaltung die beiden Architekturbüros Divercity und MplusM aus Athen verantwortlich zeichneten.
Das Hotel liegt in dem kleinen Ort Imerovigli, dem höchsten Punkt der griechischen Ägäis-Insel. Es befindet sich auf dem Gelände zweier alter Dorfhäuser, die während des Erdbebens 1956 zerstört wurden. Regelrecht in das Gelände hineingemeißelt, folgt die Raumaufteilung des Hotels den gezackten Konturen des Hangs und bildet eine Reihe von Terrassen, die mit der traditionellen Höhlenästhetik spielen. Sie konvergieren in der Mitte der Steigung in einer großen Ebene, die ein großzügiges, ebenfalls gezacktes Schwimmbad umfasst, um das herum die Rezeption und das Restaurant organisiert sind.
Traditionelle Baukultur
Auch die 20 Zimmer und Suiten des Santorini Grace sind eine zeitgenössische Interpretation der lokalen Architektur: Wie Santorinis Yposkafa – die traditionellen höhlenartigen Behausungen, die aus den Hängen herausgehauen wurden – werden sie von abgerundeten Wänden und Kuppeln dominiert, freistehende Möbel gibt es nur wenige. Die Einrichtung wurde vielmehr aus den weiß getünchten Betonplatten der Innenräume „gemeißelt“, wodurch gekrümmte Nischen, Bänke, Stauräume, Tische sowie Plattformen für die Betten entstanden sind, die um moderne Elemente wie geschwungene Stühlen, sanduhrförmige Beistelltische, kugelförmige Leuchten und Flachbild-Fernseher ergänzt wurden.
Tauchbecken, Mini-Spa und Whirlpool
Kein Raum gleicht dem anderen, doch allen ist gemein, dass sie in Weiß- und Grautönen gestaltet und deshalb angenehm luftig sind. Sie sind ausnahmslos zum Meer ausgerichtet und umfassen eigene private Terrassen mit einem märchenhaften Ausblick auf das Wasser. Einige besitzen sogar ein eignes Außentauchbecken, das ständige Erfrischung bietet; andere sind neben dem großzügigen Badezimmer mit einer begehbaren Dusche, einem Mini-Spa sowie einem Whirlpool, der im Boden des Schlafzimmers integriert ist, ausgestattet.
Natürliche Schattenspiele
In vier Zimmern des Hotels wurden Fragmente aus vulkanischem Gestein in den Fensteröffnungen platziert. Sie beziehen sich auf eine lokale Technik, die häufig für Stützmauern genutzt wird und für die kleine Mörtelmengen als Verbindung verwendet werden, sodass Lücken zwischen den Wänden entstehen. Zwar stören sie ein wenig die Aussicht auf das tiefblaue ägäische Meer, bieten dafür aber – neben dem Effekt einer natürlichen Lüftung – ein wunderbares Spiel zwischen Licht und Schatten.
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