Autor: Norman Kietzmann
Der Wettstreit um das höchste Gebäude Asiens geht in eine weitere Runde. Nach Kuala Lumpur, Taipei oder Shanghai ist es nun die südkoreanische Hafenmetropole Busan, die sich mit dem Bau des neuen World Business Centers (WBCB) aus dem Schatten der Hauptstadt Seoul befreien will. Für die Architektur des 560 Meter hohen Gebäudes konnte das New Yorker Avantgardebüro Asymptote gewonnen werden, das mit seinem Entwurf eines dreifingerigen Turms die Regeln klassischer Hochhausarchitektur einfach über Bord warf.
Für das Design von Wolkenkratzern galt lange ein unumstößliches Rezept: Spitz wie eine Nadel sollen sie sich aus einem massiven Sockel zum Himmel emporheben und mit einer markanten Silhouette zu einem weithin sichtbaren Wahrzeichen werden. Aktuelle Projekte wie der Burj Dubai Tower, der mit einer Höhe von fast einem Kilometer dem Begriff des Wolkenkratzers tatsächlich alle Ehre macht, folgen diesem Ansatz auf dieselbe Weise wie schon die Klassiker im New York der Dreißiger Jahre. Umso erstaunlicher ist hierbei der Ansatz, den das von Hani Rashid und Lise Anne Couture in New York gegründete Architekturbüro Asymptote nun in Busan verfolgt. Das Bild der Nadel haben sie gegen eine komplexe Skulptur getauscht, bei der drei unterschiedlich hohe Türme aus einem gemeinsamen Sockel emporwachsen wie übergroße Finger aus einer Hand.
Orientierung im Stadtbild
Das Konzept, anstatt eines massiven drei separate Türme zu errichten, folgt dabei einer überaus interessanten urbanen Idee: Durch die unterschiedliche Form, Höhe und Ausrichtung der einzelnen Türme ergibt sich von jeder Himmelrichtung ein anderes Bild des Gebäudes. Die Bewohner und Besucher Busans können so schon von weitem ihre eigene Position in der Stadt erkennen, je nachdem in welcher Anordnung sich die einzelnen Türme zueinander befinden. Das Gebäude wird so zu einem allgegenwärtigen Kompass, der Orientierung im Stadtbild verspricht und auch der geografischen Besonderheit Busans Rechnung trägt. Übersetzt bedeutet der Name der Stadt soviel wie „Kesselberg“ und spielt damit auf die amphitheaterartige Situation an, die durch eine mächtige Gebirgskette im Norden und die Mündung des Flusses Nakdonggang in das Japanische Meer entsteht. Das World Business Center wird mit seiner stattlichen Höhe von 560 Metern aus sehr unterschiedlichen Augenhöhen zu erleben sein, je nachdem ob man sich auf einem Schiff im Hafen oder einem der Parks auf den umliegenden Bergen befindet.
Immaterielle Wolkengärten
Die drei Türme sind über einen gemeinsamen Sockel verbunden, der auf einer Höhe von 30 Etagen für Büroflächen genutzt ist. Im Inneren befindet sich eine zentrale überdachte Lobby, die als halböffentlicher Raum zur Stadt geöffnet ist. Dort angekommen können die Besucher in separaten Aufzügen zu den drei Türmen gelangen, von denen der kleinste 56 Etagen, der mittlere 79 Etagen und der größte Turm 108 Etagen hoch ist. Die Nutzung der Türme oberhalb des Sockels ist derzeit zu 59% für Wohnungen, zu 31% für Büros und zu 8% für ein Hotel vorgesehen. Markantes Element in der Silhouette der Türme sind jeweils zwei markante „Knicke“, an denen die zum Stadtraum orientierten Fassaden erst nach außen und dann nach innen geneigt sind. Durch die Variation der Proportionen und Höhen der einzelnen Türme entsteht ein abwechslungsreiches tektonisches Spiel, das dennoch ein stimmiges Gesamtbild erzeugt. Erreicht wird dies durch die vollkommen gerade verlaufenden Innenseiten der Türme, die zusammen einen fast 400 Meter hohen Leerraum in ihrer Mitte bilden. Dieser versorgt zugleich das Innere des Gebäudes mit mehr Tageslicht. In den oberen Etagen wird jeder Turm zudem von großzügige Dachgärten gekrönt, die sich über mehrere Etagen scheinbar ins Endlose verlängern. Die Architektur löst sich an dieser Stelle ins Immaterielle auf und lässt das Gebäude trotz seines enormen Bauvolumens von 396.000 Quadratmetern Nutzfläche leicht und filigran erscheinen. Die Fertigstellung des World Business Centers ist im Jahr 2011 geplant.
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Asymptote Architecture
www.asymptote-architecture.com
Interview mit Lise Anne Couture / Asymptote