Autor: Claudia Simone Hoff
Trendy und teuer – so sieht es normalerweise im mexikanischen Polanco aus. Nun hat das ebenfalls in Mexico City ansässige Architekturbüro Taller Tiliche im Nobelbezirk der Hauptstadt ein Restaurant mit weiteren Funktionen geplant, das ganz anders aussieht als alle anderen. Obwohl sich das Julio Gabriel Verne Cantina nennt – so wie die für Mexiko typischen, einfachen Essenshallen für jedermann – kommt es geschmackvoll daher, ohne prätentiös oder gar kostspielig in der Einrichtung zu sein.
Dieses gänzlich andere Aussehen des Restaurants in der Nähe des Lincoln-Parks ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass im gesamten Interior Unvollendetes, nicht ganz Fertiges zu sehen ist – die Spuren der Vergangenheit. Betreten wird das Restaurant über einen Außenbereich durch licht- und luftdurchlässige Holztüren.
Spiel der Kontraste
Das Unvollendete wird an der fast roh belassenen Betondecke sichtbar und ebenso an dem polierten Betonfußboden. Beide Elemente bilden einen charmanten Kontrast zu den einfachen quadratischen Holztischen, die wiederum mit den Fenstern und Türen aus Kiefernholz korrespondieren, die praktischerweise für eine natürliche Klimatisierung des Raumes sorgen. Umstellt sind die Tische mit metallenen Klappstühlen, mobilen Holzbänken und teilweise auch mit einer gemauerten Bank aus Beton. An der Schmalseite des Raumes ist der Bartresen angeordnet, an dem sich die Gäste auf ebenfalls hölzernen Barhockern auf einen Margarita, Pulque oder Tequila freuen können. Einige wenige Leuchten mit nackten Glühbirnen tauchen den Raum abends in ein schummriges Licht.
Ähnlich, aber anders
Die Cantina ist in fünf Funktionsbereiche unterteilt: Neben dem Restaurant und der Bar gibt es in dem langgezogenem Raum auch eine Taco-Verkaufsstelle, die Küche und einen kleinen Tresen für frische Produkte. Die Architekten haben jedem Funktionsbereich eine eigene Anmutung verliehen – stets im Hinterkopf behaltend, dass eine Cantina in Mexiko traditionell immer auch ein Ort der lockeren Zusammenkunft von Familie und Freunden ist. Auf „typisch“ mexikanisches Dekor wie Sombrero-Hüte oder das beliebte Bemalen der Wände in Knallpink oder Kobaltblau haben die Architekten jedoch verzichtet und sich auf den Materialkontrast von Beton, Holz und Metall konzentriert, während der untere Teil der Wände bis auf eine Höhe von 1,20 Meter mit schmalen grauen Betonfliesen versehen wurde.
Entspannt
Ganz der Anmutung einer traditionellen mexikanischen Cantina entsprechend geht es recht simpel und fast rough zu, obwohl sich das Julio Gabriel Verne im Erdgeschoss eines vier- bis sechsstöckigen Gebäudes befindet, in der auch Luxusgeschäfte residieren. Die spärlich eingesetzten Dekorations- und Gebrauchsgegenstände bestehen aus Garderobenhaken, Grünpflanzen in Konservenbüchsen und Eimern auf umlaufenden Holzregalen, simplen Serviettenhaltern aus Metall sowie einem ebenfalls von Taller Tiliche entworfenem Grafikdesign, das an den Wänden in Form von Hinweisschildern und Piktogrammen – „Solo Personal“, „Baños“ oder „No fumar“ – sowie den Speisekarten zum Einsatz kommt. Essen kann der Gast den ganzen Tag, denn serviert werden Frühstück, Mittag- und Abendessen und zwar auf schlichten weißen Tellern aus Porzellan. Und wenn die Türen ganz geöffnet sind, dann wird das Innen zum Außen und die fiesta mexicana kann beginnen.
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Projektarchitekten
Taller Tiliche, Mexiko City www.tiliche.com
Projekt
Cantina Julio Gabriel Verne, Mexiko City http://jgverne.mx