Autor: Myrta Köhler
In Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, befindet sich die einzige U-Bahn des Landes. Sie wurde in den vergangenen Jahren nicht nur technisch sondern auch gestalterisch auf den neuesten Stand gebracht. Auch ein differenziertes Lichtkonzept, das die Dynamik des Fahrens veranschaulicht, Sicherheit vermittelt und gleichzeitig der Orientierung dient, gehört zu den Neuerungen. So kann die Metro seit Juni 2011 in neuem Licht glänzen.
„Stadt der schlagenden Winde“: Das ist die übersetzte Bedeutung des Namens Baku. Die aserbaidschanische Hauptstadt liegt an der Küste des Kaspischen Meeres und ist mit zwei Millionen Einwohnern die größte Stadt des Kaukasus. Die Altstadt mit ihren malerischen Häusern gehört seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ihren einstigen Reichtum und ihre Identität verdankt Baku jedoch nicht dem Wind, sondern den Ressourcen, die unter der Erde liegen: dem Erdöl.
Macht des Öls
Im 19. Jahrhundert profilierte sich Baku als Erdölfördergebiet – gegen Ende des Jahrhunderts setzte ein regelrechter Ölboom ein, der den Wohlstand der Region begründete. Die Ölkönige ließen sich von westeuropäischen Architekten Paläste im Stil der Neugotik und des Jugendstils errichten. Nachdem in der Revolution von 1917 die Bolschewiki gegen die Ölbarone rebellierten, wurden deren Anwesen anderen Zwecken zugeführt: Heute sind die meisten die Heimat von Museen.
Die Tunnel von Baku
Doch nicht nur das Erdöl verbirgt sich unter der Oberfläche: In Baku befindet sich auch die einzige Untergrundbahn des Landes. Entsprechende Pläne bestehen bereits seit den 1930er Jahren, ihre Umsetzung wurde jedoch durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vorerst vereitelt. Im Jahr 1967 schließlich begann der Bau des U-Bahn-Netzes, das mittlerweile 23 Stationen umfasst.
Darnagul Metro Station
Der Bau der Station Darnagul ist ein weiterer Abschnitt des Projektes, das 1990 erneut gestoppt und 2006 wieder aufgenommen wurde: Entstanden ist eine moderne Metro-Station mit elektronischen Anzeigetafeln und Monitoren, die den Fahrgästen mit Informationen zu Strecken und Tickets behilflich sind.
Die architektonische Ausgestaltung der neuen Station erfolgte nach Plänen der RC Group in Baku. Ein Treppenabgang mit geschwungener Überdachung leitet die Fahrgäste hinab in den Untergrund: Über dem Eingang zeigt eine breite Leinwand Szenen aus dem geschäftigen Treiben unter der Erde. Die Züge verkehren beidseitig einer stützenlosen Plattform, den Abschluss des saalförmigen Raumes bildet eine gewölbte Decke. Die Ornamente an Wänden und Böden zitieren Elemente aserbaidschanischer Architektur, für die Verkleidungen wurde Marmor und Granit aus der Ukraine, Türkei und Indien gewählt – in den blankpolierten Oberflächen spiegeln sich die Lichter der Station und der einfahrenden Züge.
Unterirdisches Licht
Um die neue Station angemessen in Szene zu setzen, entwickelte Durlum für den Kunden „Metropolitan Municipality Baku” ein eigenes Lichtkonzept, das Sicherheit vermittelt und den Fahrgästen die einfache Orientierung ermöglicht. Um dieses Ziel ästhetisch ansprechend umzusetzen, wurden auch eigene Leuchtkörper konzipiert: Sämtliche auf dem Bahnsteig eingesetzten Leuchten sind Sonderanfertigungen von Durlum.
In den Decken über den Eingangsbereichen wurden Leuchten vom Typ Alouette verbaut, Wallwasher säumen die Mauern neben den Rolltreppen, welche die Fahrgäste vom Zwischengeschoss nach unten auf den Bahnsteig befördern. Die Rolltreppen selbst erhalten ihre optische Dynamik durch mittig angeordnete, rechteckige Leuchtpanels und längs verlaufende Lichtbänder, die in regelmäßigen Intervallen ihre Farbe ändern. Der Bahnsteig wird durch schwungvoll gestaltete, leuchtende Gewölbesegel dominiert: Die Leuchte Lumeo ermöglicht in dieser Form nicht nur die gleichmäßige Ausleuchtung des Raumes, sondern dient auch als zentrales Gestaltungselement. Die Gewölbedecken wurden mit integrierten LED-Downlights versehen: Die Leuchten vom Typ Punteo-J80 selbst bleiben dabei unsichtbar und bilden in ihrer Gesamtheit eine dezente Lichtfläche aus. Die Tangenta-Q18 zwischen dem Lumeo und dem Gewölbesegel setzt zusätzlich einzelne Lichtakzente.
Zug in die Zukunft
Die prunkvolle Ausgestaltung der einzelnen Bahnhöfe in Baku erinnert häufig an die Vorbilder der „großen Schwester“ Moskau. Insgesamt ist die Formensprache der Station Darnagul weniger barock und üppig als in anderen Bahnhöfen, durch die bewusste Verwendung von edlem Material und stilistischen Zitaten gelang den Planern allerdings ein harmonisches, ansprechendes Gesamtbild. Eine sorgfältige Lichtplanung rundet die Gestaltung des Bahnhofs ab, in dem einzelne Leuchtelemente bewusst als Blickfang eingesetzt werden. Im Jahr 2012 wird Durlum an der Neugestaltung von zwei weiteren Bahnhöfen mitwirken.
Zurück