Autor: Katja Neumann
Nach der Eröffnung der BMW Welt im Oktober vergangenen Jahres ist nun das neue BMW Museum, neben der BMW Werksführung der dritte Baustein der BMW Trias, fertig gestellt. Nach rund zweieinhalb Jahren Bauzeit feierte der Münchner Autobauer am 19. Juni die offizielle Wiedereröffnung des hauseigenen Museums. Auf über 5000 qm Ausstellungsfläche ist das städtische Wahrzeichen, die sogenannte „Museumsschüssel“ des Architekten Karl Schwanzer, erweitert und neu konzipiert worden.
Mit sieben Themenhäusern, 25 Ausstellungsräumen und 125 Exponaten setzte BMW bei der Modernisierung vor allem auf die Verbindung von Architektur und Ausstellungsgestaltung mit besonderem Schwerpunkt auf Neue Medien. So gehören zu den Höhepunkten eine 700 qm große Medienfassade, zahlreiche Installationen sowie eine kinetische Skulptur.
Rampen und Straßen führen durchs Museum
Seit dem 21. Juni ist das neue BMW Museum am Münchner Petuelring für Besucher geöffnet, die hier 90 Jahre BMW Historie und zahlreiche Automobilklassiker im Original bewundern können. Rein äußerlich bleibt den Münchnern ihre museale Ikone erhalten, denn auch nach der Neukonzeption bleibt das Gebäude die bekannte „Museumsschüssel“. 1973 entwarf der Wiener Architekt Karl Schwanzer das Museum und die Konzernzentrale, dem sogenannten Vierzylinder, als gemeinsames Ensemble. Der Anspruch der Architekten des Stuttgarter Atelier Brückner bei der Neugestaltung und Erweiterung des Museums war es nun, das ursprüngliche Konzept Schwanzers neu zu interpretieren und ins 21. Jahrhundert zu transportieren. Eine der größten Herausforderungen war dabei, die beiden Gebäudeteile, Flachbau und „Schüssel“, optisch in ein zusammenhängendes Museum zu verwandeln. Da der Gebäudekomplex zudem inzwischen unter Denkmalschutz steht, galt es darüber hinaus strenge Richtlinien zu beachten. So wurde zunächst der Flachbau vollständig – bis auf die tragenden Elemente – entkernt, um eine neue Architektur entstehen zu lassen. Diese besteht nun aus einem in den Raum greifenden Rampensystem, das die sieben leuchtenden Ausstellungskörper der Dauerausstellung miteinander verbindet. Auf diesen Rampen, die das zentrale Motiv der Architektur darstellen, bewegt sich der Besucher wie auf einer Straße durch die Ausstellungsbereiche. Unterstützt wird dieses Gefühl zudem durch einen Boden mit einem Belag aus Bitumenterrazzo, einem geschliffenen Asphalt.
Die „Museumsschüssel“
In der sogenannten „Schüssel“ ist der Bereich für die Wechselausstellungen untergebracht. Hier wurde das bereits bestehende Rampensystem um zwei Etagen bzw. „Umdrehungen“ nach unten verlängert. Somit entstand auf der untersten Ebene ein nahtloser Übergang zwischen den beiden Gebäudeteilen. Rein äußerlich zeigt sich die „Museumsschüssel“ erstmals wieder in ihrer ursprünglichen Gestaltung von 1973. Alle Nachbauten, die im Laufe der Jahrzehnte getätigt wurden, wurden in Zuge der Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten abgenommen. Was bleibt, ist die ausgeklügelte Statik: Die äußere Hülle ist eine relativ dünne Betonschale, die nach dem Prinzip der selbsttragenden Karosserie errichtet wurde. Auf ihr lastet das Flachdach mit 40 Metern Durchmesser, auf dem aus der Luft das größte BMW Logo der Welt zu sehen ist.
700 qm Medienfassade
Im Innern setzen mediale Inszenierungen die Besucher in Bewegung. Gemeinsam mit den Architekten und Szenographen von Atelier Brückner und den Grafikdesignern von Intégral Ruedi Baur entwickelte die Berliner ART+COM eigens für das Museum mit einer Kombination aus LED-Technologie und satiniertem Glas eine Fassade und schuf damit eine Art „dynamisches Wandmaterial“. So ist der zentrale Innenraum von mehreren Fassadenelementen eingefasst. Hinter den 13 Meter hohen satinierten Glaswänden verbergen sich über 1,7 Millionen LED, die medial bespielt werden und auf der mehr als 700 qm großen Medienfassade unter anderem Bilder oder Filmsequenzen darstellen. Die monochrom weißen Lichtchoreographien wechseln dabei je nach Anlass zwischen abstrakt und motivisch. Über die Bespielung wirkt die Ausstellung insgesamt dynamisiert, Bewegung und Geschwindigkeit werden als zentrale Elemente somit auch optisch transportiert. Darüber hinaus reagiert die Medienfassade reaktiv auf die Besucher und passt sich dynamisch dem Geschehen im Museum an.
Der Designprozess als kinetische Skulptur
Auch das Thema Design wird mittels Bewegung anschaulich gemacht. Im Haus der Gestaltung, in dem beispielsweise auf drei Ebenen die einzelnen Stadien der Fahrzeuggestaltung durchlaufen werden können, steht als Metapher für den Inspirationsprozess des Designers eine „Kinetische Skulptur“, ebenfalls konzipiert von ART+COM. Dabei handelt es sich um eine mechatronische Installation aus 714 Metallkugeln, die einzeln über Mikromotoren gesteuert werden und einen virtuellen Entwurfprozess im Raum darstellen. So bewegt sich die Skulptur scheinbar schwerelos, analog zur Kraft der Gedanken, durch einen Zyklus von freien Abstraktionen und BMW-typischen Fahrzeugformen. Neue Medien dienen auch für den Abruf von Informationen zu den Exponaten. So liefert beispielsweise die „Unternehmensskulptur“ eine interaktive BMW Chronik über Texte, Bilder und Filme, die an einem 30 qm großen, multitouch-fähigen Tisch abgerufen werden können. Am Ende des Rundgangs erwartet die Besucher schließlich eine „Visuelle Sinfonie“ auf der obersten Plattform der „Museumsschüssel“. Die 360 Grad-Projektion ist ursprünglich eine Idee des Architekten Karl Schwanzer und wurde nun, 35 Jahre später, erstmals realisiert.
Maßgeblich bei allen Medien war der Leitsatz „Inhalte vor Technik“. Der Fokus liegt somit auf den Exponaten, der Interaktion der Besucher mit den Inhalten und einem sinnlichen Erleben des Museums. Dazu gehört auch ein eigenes Sound-Konzept, komponiert von den Audio-Designern von idee und klang aus Basel. Basierend auf einem sogenannten „Acousmonium“, einem Orchester aus über 500 Lautsprechern, weist jeder Raum eine eigene Klang-Charakteristik auf.
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