Autor: Katharina Horstmann, Fotograf: Pedro Pegenaute
Etwas einsam und verlassen zieht sich die Verbindungsstrasse zwischen den Ortsteilen El Raval de Jesús und Roquetes durch Tortosa. Nur wer die katalanische Bischofsstadt am Ebro gut kennt, findet hier mühelos das moderne Freibad, das Josep Camp und Olga Felip vom Architekturbüro Arquitecturia entworfen haben. Es befindet sich auf einem asymmetrisch geschnittenen Grundstück, eingerahmt von brachen Feldern und zwei Kanälen und ist hinter einer schwarzen, scheinbar undurchlässigen Mauer versteckt.
Die Lage des Grundstücks an der Grenze zwischen Brachland und Stadt war für die Architekten der Ausgangspunkt für die Konzeption des Projektes. Ein längliches Gebäude aus Stahlbeton besetzt die größtmöglich bebaubare Fläche an der Straße und schottet die dahinter liegende Grünanlage von den vorbeifahrenden Autos ab. Das Gebäude ist mit schwarzen, vertikal angeordneten Metallprofilen verkleidet und knickt im Grundriss so ab, dass ein dreieckiger Vorplatz entsteht, der Straße und Landschaft verbindet.
Undurchsichtig durchsichtig
Das Gebäude hat zur Straße hin nur zwei Öffnungen: ein großes quadratisches Fenster an der Längsseite zur Straße, das wie ein Display wirkt und direkt durch das Gebäudeinnere auf einen Teil der Schwimmanlage blicken lässt, sowie die schlichte Glasfront des Haupteingangs, die sich in einer quadratischen Auskragung auf der rechten Seiten des Vorplatzes befindet. Dieser Teil wird von zwei weiteren Mauern flankiert, die auf den ersten Blick genauso undurchlässig zu sein scheinen wie die Gebäudefassade; wer jedoch genauer hinsieht, kann durch die schwarzen Lamellen das Schwimmbad, die Wiesen und Gewässer sowie den Pavillon der Bar entdecken.
Farbkontrast aus Schwarz und Weiß
Betritt man das Gebäude, befindet man sich in einem Raum, der nichts mit der vertikalen Struktur der schwarzen Fassade gemein hat. Weiße Wände und Decken prägen hier die Räume und lassen sie hell und großzügig erscheinen. Neben dem Foyer am Eingang, in dem ein schlichter Rezeptionstisch steht, enthält der Bau Umkleidekabinen, Duschen, Toiletten und Lager. Sie sind direkt hinter der Rezeption untergebracht. Links von der Rezeption befindet sich wiederum eine große Glasfront, die den Besucher zum Freibad mit seinen drei Becken und seiner Liegewiese führt.
Direkt und indirekt
Von der Gartenseite aus zeigt sich das Gebäude in seiner Gesamtheit ganz puristisch in Stahlbeton. An der linken Seite der Glasfronten führt ein überdachter und grau gefliester Weg an einem Pflanzenbeet vorbei zur Bar an der äußersten Seite des Grundstückes. Davor, zwischen Bar und Hauptgebäude, befinden sich zwei kleine Plantschbecken und der große Swimmingpool, die von einer großen begrünten Liegewiese umgeben sind. Der Außenbereich ist der Vermittler bei dem Projekt. Hier treffen sich nicht nur die Besucher zum Schwimmen und Sonnebaden. Die Grünanlage stellt auch eine Verbindung zwischen den drei Funktionsbereichen Lobby-Umkleiden-Bar und zwischen öffentlichem und introvertiertem Raum her – und das gekonnt mit direkten und indirekten Ausblicken.
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Projektarchitekt
Arquitecturia – Josep Camps + Olga Felip www.josepcampsolgafelip.net
Fotograf
Pedro Pegenaute www.pedropegenaute.es