Autor: Katharina Horstmann
Shanghai ist an rasante Veränderungen gewöhnt: Noch 1991 waren in der chinesischen Metropole nur sechs Gebäude höher als einhundert Meter; heute sind es mehr als viertausend. Dennoch ist ein kleiner Teil des alten Shanghais erhalten geblieben und bietet einen Einblick in die Vergangenheit der Stadt. Am Bund, der alten Kaimauer des Flusses Huangpu unweit der alten Chinesenstadt zum Beispiel, paradieren Banken-, Versicherungs- und Handelspaläste der Kolonialzeit. An der Uferpromenade ist in einem Hafenspeicher aus den 1930er Jahren auch das Hotel The Waterhouse at South Bund untergebracht, das versucht, genau das widerzuspiegeln, was die Metropole ausmacht: So wie die Stadt Einblicke in die unterschiedlichen alten und neuen Welten gewährt, so verbindet es im historischen Bau originale und moderne Elemente und lässt die öffentlichen und privaten Bereiche ineinander fließen – bis hin zu den Badezimmern.
Für die Sanierung des von einer dreieckigen Grundform geprägten Hauses ließen sich die Architekten des chinesischen Neri & Hu Design and Research Office, kurz NHDRO genannt, von der Geschichte des alten und neuen Shanghais inspirieren. Das Ergebnis ist ein authentisches Gebäude mit einer Fassade, die im alten, ursprünglichen Zustand beibehalten wurde und geschickt mit neuen Elementen wie modernen Fenstern sowie großen, zusätzlichen Öffnungen und einem Dach aus rostrotem Cortenstahl kontrastiert ist.
Alt und Neu
Im Gebäudeinnern öffnet sich dem Gast ein hohes, bis unter das Dach reichendes Foyer, das von Industriecharme geprägt ist. Die Gestaltung des Interieurs geht hier auf die alte Gebäudestruktur zurück. Angeregt vom ursprünglichen Hafenspeicher, setzten NHDRO als Pendant zu den rauen Betonwänden und dem alten Steinboden warmes Licht sowie schlichtes Mobiliar ein, wie etwa die etwa fünf Meter lange Rezeption aus Sichtbeton, deren Oberfläche teilweise die rostrote Farbe des Dachelements aufgreift.
Angenehme Kontraste
Im hinteren Teil des Erdgeschosses, zum Innenhof geöffnet, befindet sich ein großer Veranstaltungsraum sowie das Restaurant Table No. 1. Es wird von dem englischen Küchenchef Jason Atherton geführt und bietet eine moderne chinesische Küche an. Wie schon im Foyer zieht sich auch hier der offene Grundriss weiter. Die Längsseiten des Raumes haben deckenhohe Fenster, die sich zum Innenhof öffnen lassen. Die Böden und ein Teil der Wände sind ebenfalls original erhalten und bieten einen angenehmen Kontrast zu der neuen hölzernen Decke sowie den modernen Holztischen und Stühlen, die in langen Reihen den Raum einnehmen.
Spiel der Gegensätze
In den oberen Etagen führen sanft beleuchtete Flure zu den Zimmern. Auch hier setzten die Architekten schlichte, warme Elemente dem Charme des Postindustriellen entgegen. Sie nahmen das Spiel der Gegensätze wieder auf und verbanden es mit einer minimalistischen, dennoch behaglichen Ästhetik. So ist jedes der neunzehn Zimmer unterschiedlich gestaltet und verfolgt trotzdem dasselbe Materialkonzept: Die Fußböden sind aus hellem Eichenholz, die Wände schlicht in weiß gestrichen oder aus original erhaltenem Mauerwerk; und auch das Mobiliar wie Betten und Schränke sind ebenfalls aus naturbelassener Eiche oder weiß lackiert.
Offene Transparenz
Einen schönen Kontrast zu den hellen Farbtönen bilden die grünen Raumteiler aus Glas und die Sichtbetonwände des ins Zimmer integrierten Badbereiches. Die Bäder umfassen entweder eine freistehende Badewanne und eine begehbare Dusche oder ein großzügiges, quadratisches Bassin, das zum Duschen und Baden dient. Lange lineare Waschtische mit Armaturen von Axor sind entlang der Wände angebracht und bieten viel Platz für Kosmetika und sonstige Badutensilien. Nur die Toilette befindet sich hinter einer dicken, verschlossenen Türe.
Atemberaubender Ausblick
Die größte Attraktion des Waterhouse ist die Bar auf der mit Holzdielen ausgelegten und von Wänden aus rostrotem Cortenstahl eingefassten Dachterrasse. Von hier aus kann der Gast über das Wolkenkratzerland blicken, dabei die Verknüpfung zwischen der Architektur des alten und des neuen Shanghais spüren und sich so die Sprache ein wenig verschlagen lassen.
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Neri & Hu Design and Research Office
The Waterhouse at South Bund
Designhotels
Axor / Hansgrohe