Autor: Cordula Vielhauer
Flughäfen sind die größten und damit gleichzeitig sensibelsten Netzknoten im internationalen Verkehrswesen. Ihre Architektur hat sich seit Mitte der neunziger Jahre immer weiter weg vom funktionalen Zweckbau hin zur architektonischen Visitenkarte, zum imageträchtigen Aushängeschild der Städte entwickelt. Denn oft erleben Geschäftsreisende heute von einer Stadt gar nicht viel mehr als den Dreiklang Flughafen – Hotel – Kongresszentrum. Kein Wunder, dass seit einigen Jahren die Idee von der Flughafen-City, vom „Flughafen als Stadt“ immer weiter den Diskurs des Themas bestimmt. Einer der wichtigsten Aspekte beim Flughafenbau und -ausbau ist jedoch neben aller Ikonenhaftigkeit das Thema Sicherheit und Kontrolle. Für den Flughafen Hong Kong – einen der größten der Welt – wurde kürzlich ein neuer Kontrollraum eingerichtet. Seine Innenarchitektur stammt von dem ebenfalls in Hong Kong ansässigen Büro Design Systems Ltd. Sie spiegelt auf subtile Weise alte Überwachungstypologien wider – etwa die des „Panoptikum“ von Jeremy Bentham, es kommen einem aber auch Assoziationen zu Ken Adams „War Room“ aus „Dr. Seltsam“ in den Sinn...
Funktionale Dreiteilung
Der 1998 nach Plänen von Foster and Partners (London) eröffnete Terminal in Hong Kong gehört zu den größten Flughäfen weltweit. Rund 50 Millionen Passagiere wurden im Jahr 2008 hier abgefertigt; unter den Frachtflughäfen ist er gar mit über dreieinhalb Millionen Tonnen Frachtgut jährlich der „schwerste“ im internationalen Vergleich. Um den reibungslosen Ablauf dieser gigantischen Logistikmaschine zu gewährleisten, ist eine Vielzahl von Sicherheitsmaßnahmen nötig. Zusammengeführt werden sie alle in einem Raum: dem immerhin 600 Quadratmeter großen Kontrollzentrum. Zwei Gruppen von Mitarbeitern sind hier untergebracht: Die Mitarbeiter, die für die (all-)tägliche Überwachung des Flughafengebäudes zuständig sind, sowie eine Gruppe, die nur in Notsituationen zusammentrifft. Für beide Gruppen ist jedoch ein gemeinsamer Manager verantwortlich, bei dem alle Kompetenzen zusammenlaufen. Dadurch ergibt sich eine Aufteilung des Raums in drei Funktionsbereiche: einen für Tagesroutine und -operationen, einen für den Bereichsleiter und einen für das Notfallmanagement.
Auditorium, Kapsel, Hufeisen
Der Bereich für die Mitarbeiter, die sich um die täglichen Abläufe kümmern, nimmt den größten Teil des Raumes ein: Sieben Doppelreihen mit Arbeitsplätzen, leicht rautenförmig und wie ein Auditorium angeordnet, sind auf einen großen Screen an einer Stirnseite des Raumes ausgerichtet. Hier sitzen insgesamt 24 Mitarbeiter vor ihren Monitoren und verfolgen gleichzeitig die Anweisungen des Kontrollchefs, die auf dem großen Bildschirm angezeigt werden. Dabei sind die einzelnen Sitzreihen durch halbhohe, mit Aluminium verkleidete Wände von einander akustisch und visuell abgeschirmt. Der Manager „thront“ wie auf einer Kanzel in einer leicht erhöhten, halb verglasten „Kapsel“ an der Längsseite des Raumes zwischen beiden Bereichen. Das kleinere Drittel des Kontrollzentrums ist ebenfalls durch eine Glaswand vom Raum abgeschirmt. Hier befindet sich das Notfallmanagement: Eine hufeinsenförmig arrangierte Tischgruppe fördert die intensive, direkte Kommunikation, die in solchen Situationen notwendig ist. Die Tische öffnen sich dabei zur anderen Stirnseite des Raums, die ebenfalls als Projektionsfläche dient.
Zentrifugal ausgerichtete Schallabsorber
Wichtigstes Gestaltungselement des Zentrums ist allerdings die Decke. Sie erfüllt gleich mehrere Funktionen auf einmal: Zunächst sind hier die Leuchten integriert, die mittels der speziellen, dreiecksförmigen Geometrie der Deckenelemente eine blendungsfreie Belichtung der Arbeitsplätze erlauben. Dies ist insbesondere im Bereich der Computerarbeitsplätze wichtig. Ein weiteres Merkmal der Decke ist ihre schallabsorbierende Fähigkeit: Mittels perforierter Aluminiumlamellen (im Übrigen das gleiche Material, mit dem auch die Reihen der Mitarbeiterplätze verkleidet sind) wird der Schall zunächst Richtung Wand gelenkt und dann durch die kleinen Löcher in die dahinter liegende schallschluckende Dämmschicht geleitet. So kann die technoide Gestaltungslinie durchgehalten und gleichzeitig ein „harter“, hallender Klang vermieden werden. Und schließlich laufen die Deckenelemente in der gefühlten „Mitte“ des Raumes, zwischen Notfallmangement und alltäglicher Sicherheitsorganisation, zentrifugal zusammen: Hier war ursprünglich der Platz für den „Head of Control“ vorgesehen. Diese Lage war dann aber doch zu exponiert – und damit zu offen einsehbar. Mit einer Wand im Rücken fühlt sich schließlich auch der Oberkontrolleur am sichersten.
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