Autor: Tanja Pabelick
In den Niederlanden gibt es keine Berge – und so ist die wahrscheinlichste Bezeichnung für eine Erhebung „Düne“. Wer mal von weiter oben in die Landschaft schauen will oder Windschatten sucht, dem bleibt nur die Suche nach dem nächsten Sandhaufen. Und so mag es auch nicht verwundern, dass das Büro der Raffinerie BP auf der Suche nach einem geschützten Plätzchen ihr Gebäude hinter einer Düne platzierte. Die allerdings musste – ganz niederländisch – in Ermangelung eines natürlichen Hügels erst einmal aufgeschüttet werden.
Zur Rückseite ist der das Gebäude umgebende Landstrich nicht wirklich einladend. Zylindrische, fensterlose Baukörper reihen sich hier vor- und hintereinander. Ein Raster aus Funktionsbauten. Sie beherbergen Raffinerien und produzieren aus Rohöl Kraftstoff. Tagesgeschäft für BP, die sich hier auf einer Art Insel in der Mündung der Maas niedergelassen haben. Der Europoort, wie dieser Teil des Rotterdamer Hafens heißt, ist der größte Hafen für Petrochemie weltweit.
Einseitig unsichtbar
Wer jeden Tag mit Erdöl umgeht, muss auch die Möglichkeit einer Explosion in seine Planungen miteinbeziehen. Deswegen duckt sich auch das neue vom Rotterdamer Büro Group A gestaltete Verwaltungsgebäude der BP hinter einem extra aufgeschütteten Wall gegen die Raffinerien. Zusätzlich vom Gelände separiert ist es durch die Fernstraße A 15, deren Fahrbahn direkt hinter der Düne einen Bogen schlägt und Raffinerien und Verwaltung räumlich voneinander trennt. Diese besonderen Umstände des Ortes schlagen sich auch in der Architektur nieder. An der Nordseite verschmilzt das Gebäude mit der künstlichen Düne und verschwindet unter ihrer weichen Rundung, während sich die andere, dem Wasser zugewandte Seite als Glasfront in einer dynamischen Bewegung öffnet. Dabei wurde die Fassade so gestaltet, dass sie sich sukzessive von vorwiegend transparenten Elementen zu weniger transparenten entwickelt – und damit auf ihre Ausrichtung nach Süden oder Norden eingeht. Ein wenig erinnert das Gebäude ans surreale Haus der Teletubbies, wenngleich die hyper-industrielle Atmosphäre des Hafens einen schnell wieder in die Realität zurückholt.
Licht im Schacht
Was außen noch einen zu drei Seiten verschlossenen Eindruck macht, offenbart sich innen als lichtdurchflutetes Atrium. Das wird allerdings nicht über die Front erschlossen, sondern über einen fast unscheinbaren, seitlichen Eingang, der wie ein Tunnel in die grüne Düne zu führen scheint. Ein breites Fensterband zieht sich über die gesamte Decke und damit über die Flanke des Hügels und erhellt die darunter liegende schmale Halle mit Tageslicht. Rechts und links des Ganges, also quasi im Nord- und Südflügel, sind auf mehreren Etagen die Büros untergebracht. Sie sind über vereinzelte Brücken miteinander verbunden, oder lassen sich über das Atrium erschließen. Während die offenen Flächen im Stil eines Großraumbüros gestaltet sind und zur Kommunikation anregen sollen, schieben sich regelmäßig auf den verschiedenen Etagen gläserne Kuben in den Raum. Hier finden, visuell integriert aber akustisch abgeschlossen, Besprechungen statt. Überall da, wo die Seitenwände des Atriums abgeschlossen sind, wurde eine horizontal orientierte Holzverkleidung installiert, die neben ihren positiven akustischen Eigenschaften auch die architektonische Bezugnahme auf die Natur unterstreicht. Sitzgelegenheiten, die an stilisierte Steine erinnern, flankieren den Weg. Die hohe, helle und leicht wellenförmig verlaufende Durchwegung erinnert damit fast an einen Laubengang: Landschaft, Gebäude und Interieur gehen ineinander über.
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