Autor: Nadine Claudius
Das neue Moskau denkt in Superlativen und läuft in Siebenmeilenstiefeln. Die Wolkenkratzer sind höher als anderswo, hier gibt es mehr Dollarmilliardäre als in New York und die Bars sind angesagter als in London. Wohin man auch geht, Moskau ist ein Ort Stein gewordener Widersprüche: graue Plattenbauten hinter grandiosen Palästen, klassizistische Bauwerke neben futuristischer Architektur. Auch die Nachfrage nach Luxus ist besonders in den russischen Großstädten allgegenwärtig. Laut Statistik werden dort 85% des Einkommens für Konsum ausgegeben. Insbesondere der Hunger danach, verwöhnt zu werden in Kombination mit einem schicken Aussehen steigt beständig. In Pokrovskoje Streschnevo, einem am Rande eines Waldparks gelegenen Nobelviertel von Moskau, eröffnete Ende 2007 der Else Club. Etwas außerhalb des Stadtzentrums gelegen, finden zahlungskräftige Gäste hier auf knapp 5.000 m² allen nur erdenklichen Komfort in Sachen Wellness.
Ein Hochhaus mit Entspannungsfaktor
In Auftrag gegeben wurde das 10 Mio. Euro Projekt „Else Club“ von der Firma Krost, einem der größten Bau- und Investitionsunternehmen Moskaus. Für den Entwurf zeichnet das Stuttgarter Architekturbüro 4a verantwortlich, auf das der Bauherr über zahlreiche Veröffentlichungen im Bereich Fitness, Freizeit und verschiedener Bädertypen aufmerksam wurde. Da es in Moskau nahezu unmöglich ist, Wohnungen in den ersten beiden Etagen an den Mann zu bringen, machte man sich diese Tatsache beim 25-stöckigen Hochhaus Alisa zu Nutze und quartierte im Sockel die Erholungslandschaft der Luxus-Klasse ein. Dazu trennte man die unteren beiden Geschosse auch formal-architektonisch vom darüber liegenden Wohnhochhaus, vergrößerte die Grundrisse und schob sie, entgegen der übrigen Wohngeschosse unter das Gebäude. Ausgestattet mit modernster Technik und hochwertigen Materialien entstand so ein großzügiges Refugium der Ruhe und Entspannung.
Ein Name als Programm
„Else“ ist das englische Wort für „anders“ und sowohl konzeptionell, optisch als auch architektonisch hebt sich dieser Club klar von herkömmlichen Wellnessanlagen ab. Zentrales Thema im Gesamtkonzept ist das Zusammenspiel von Architektur und Natur: Die Ost- und Westfassaden sind vollständig verglast und suggerieren somit einen fließenden Übergang zur umliegenden Parklandschaft. Den Eingangsbereich bilden silberne Blechpaneele, die zu einem futuristisch anmutenden Vordach geformt wurden. Prägnant sind zudem die in verschiedenen Grüntönen gestalteten, drehbaren Lamellen, die im ersten Obergeschoss vor die Glasfassade montiert wurden und neben ihrer Funktion als Lichtschutz einen weiteren Bezug zur Umgebung herstellen sollen.
Ahnungslose Neulinge könnten beim ersten Betreten des Clubs meinen, sie stünden in der Lobby eines Fünf-Sterne-Hotels am Ufer der Moskwa. Frische Farben vertreiben den Gedanken an den womöglich bevorstehenden Winter und warmes Licht erfüllt die Räume. Vergleichbar mit einer begehbaren Raumskulptur sind die einzelnen Funktionsbereiche "landschaftlich" miteinander verwoben. Hat der Gast sich nach dem im ersten Obergeschoss befindlichen „Check-In“ gedanklich vom Alltag verabschiedet und seiner Kleidung entledigt, kann die Reise zu Erholung, Fitness und Badeluxus beginnen. Den Weg säumen Wände aus Multiplexholz, die in mehreren Schichten farblich behandelt wurden, Flächen aus Glas, klar, milchig oder durch Spezialverfahren bedruckt und Wandflächen aus eloxiertem oder pulverbeschichtetem Aluminium.
Badelandschaft, Sauna, Umkleide, Fitness, Spa und Restaurant werden allesamt über das erste Obergeschoss erschlossen. Die Räume an sich sind hoch, freie Treppen verbinden Galerien und die darunter liegende Ebene und die offenen, ineinanderfließenden Übergänge vermitteln ein Gefühl von Großzügigkeit. Neben all der Weitläufigkeit finden sich aber auch abgeschlossene Ruhezonen, die für Geborgenheit sorgen.
Frühling, Sommer, Herbst und Winter
Das Zusammenspiel zwischen Architektur und Natur war auch Ideengeber für die Gestaltung der Innenräume: die einzelnen Themenbereiche wurden farblich an die vier Jahreszeiten angelehnt. Je nach Gusto kann man wahlweise winterliche Kälte inmitten der Badelandschaft suchen, sich vielleicht doch lieber für einen Saunagang im Frühling entscheiden, im Anschluss daran den Sommer im Fitnessbereich erleben, um dann abschließend im herbstlich gestalteten Spa-Bereich dem süßen Nichtstun zu frönen. Dieser ist das Herzstück der Anlage. Der einem Stein nachgebildete Ruheraum im Zentrum gleicht einer Insel und ist gänzlich mit Blattgold verkleidet. Von hier aus weisen Trittsteine den Weg zu den sieben Behandlungsräumen, die neben einer exklusiven Ausstattung auch komplett nach Außen verglast sind.
Für die Bodenbeläge in den Nassbereichen wurde überwiegend italienischer Granit verwendet, alle weiteren Bereiche zeichnen sich durch Dielen aus dunklem Bambus, teils Schiffsparkett oder Mosaikfliesen aus. Letztere finden sich beispielsweise innerhalb der Becken im Bereich der Schwimmbäder, die in kühlem Blau-Grau gehalten sind. Die großzügigen Glasfronten sorgen für Helligkeit und schaffen Sichtbezüge zum Waldpark.
Luxusgut Wasser
Regeneration ist das Ziel beim Besuch eines Wellness-Clubs. Wasser spielt dabei eine entscheidende Rolle und ist auch eines der zentralen Themen des Else Clubs. Dabei darf man nicht vergessen, dass auch Wasser heutzutage zweifellos in die Kategorie Luxus fällt. Da Komfort und Qualität oberste Maxime bei der Ausstattung waren, wurde bei der Auswahl der Waschtische und Armaturen neben der neuesten Technik auch Wert auf Ökonomie gelegt: Alle Waschtische sind mit Elektronikarmaturen ausgestattet. Die Waschtischarmaturen aus der Axor Starck Kollektion des Armaturenherstellers Hansgrohe reagieren auf Annäherung mittels Infrarot-Technologie: das Wasser fließt und stoppt automatisch ohne Berühren der Armaturen. Somit regelt sich der Wasserverbrauch nach dem aktuellen Bedarf. Die flachen Tellerkopfbrausen Raindance AIR im Bereich der Duschen sorgen für einen angenehmen Brauseregen. Hier lässt sich das mit Luft angereicherte Wasser mit allen Sinnen genießen und der Stress und Ärger des Alltags einfach abwaschen.
Knapp 3000 Mitglieder genießen den Luxus des Else Clubs - beachtet man jedoch, dass eine Moskauer Durchschnittsfamilie ein Monatseinkommen von 400 bis 800 Euro verbucht und den Ausflug mit dem S-Klasse-Mercedes wahrscheinlich nur aus der TV-Seifenoper kennt, wird schnell klar, wer hier als Zielgruppe fungiert. Eine Mitgliedschaft kostet jährlich derzeit umgerechnet circa 4.000 Euro.
Zurück
Projektarchitekten
4a Architekten, Stuttgart www.architektenbuero4a.de
Armaturen
Hansgrohe AG www.hansgrohe.de