Autor: Claudia Simone Hoff
Ein Café, das alle drei Monate seine Stühle wechselt und aus einem alten Dielenfußboden eine Sitzbank macht? Genau das passiert im Café „Z am Park“ in Zürich. Neben seiner Lage an der Grünfläche Fritschiwiese samt wunderbarem Baumbestand begeistert das Café durch die Idee der Designer von Aekae, den Stuhlklassiker „classic 1 – 380“ von Horgenglarus von verschiedenen Gestalten bearbeiten zu lassen und die so entstandenen individuellen Modelle anschließend zu versteigern.
Bis zu ihrer Auswechslung bieten Stühle und Bänke Platz für bis zu 45 Besucher im streng und minimalistisch anmutenden Innenraum, während sich ganze fünfzig draußen bei einer Schale Kaffee und einer typischen Schweizer Fruchtwähe vergnügen können. Gestaltet hat das Interieur das Schweizer Designbüro Aekae. Die Industriedesigner Fabrice Aeberhard und Christian Kaegi, die Aekae gegründet haben, arbeiten zusammen mit einem interdisziplinär ausgerichteten Team an verschiedenen Projekten. Neben Interieurs gestalten sie auch Produkte wie Sonnenbrillen und Taschen sowie Yachten. Zu den Kunden des in Zürich und London ansässigen Designbüros gehören so renommierte Unternehmen wie Freitag, BMW, Mammut, Weleda und Swatch.
Das Interieur: ehrlich, direkt und nachhaltig
Unprätentiös und entspannt – so könnte man die Innenraumgestaltung des farblich monochrom grau gehaltenen Cafés kurz und bündig zusammenfassen. Der länglich ausgerichtete Raum ist geradezu klassisch eingerichtet: Betritt man ihn, schaut der Besucher direkt auf den Tresen, vor dem – gleichmäßig über den gesamten Raum verteilt – Tische, Stühle und Bänke platziert sind. Außergewöhnlich ist, dass sich das Team von Aekae Gedanken gemacht hat über die gängige Vorstellung und Verwendung bestimmter Materialien, auch in Hinblick auf die Schonung von Ressourcen.
So wurde beispielsweise der frühere Bodenbelag des Raums – ein Eichen-Fischgrätparkett – zur Gestaltung des Bartresens und der Sitzbänke verwendet – was nicht nur Ressourcen schont, sondern auch Geld spart. Von den kantigen Sitzbänken, deren ästhetischer Reiz vor allem von dem Fischgrätmuster ausgeht, schweift der Blick durch große Fenster nach außen. Weich sitzt man hier – dank der farbigen Kissen, deren Bezugsstoff aus alten Vorhängen genäht wurde. Zu diesem verblichenem Charme passt die von Trix und Robert Haussmann entworfene, an der Decke hängende Leuchte „Atomic“ kongenial: Modular aufgebaut, atmet sie den Geist der sechziger Jahre.
Neuinterpretation eines Stuhlklassikers
Noch älter jedoch ist der Entwurf der schlichten Stühle im Café am Park, denn dieser stammt aus dem Revolutionsjahr 1918: das von Horgenglarus produzierte Modell „classic 1 – 380“. Horgenglarus ist in der Schweiz kein unbekannter Möbelhersteller, denn Architekten und Designer wie Max Ernst Haefeli, Werner Max Moser, Max Bill und Hannes Wettstein haben Stühle für das Unternehmen entworfen. Und so sind die Stühle vor allem in der Schweizer Gastronomie und Hotellerie ein viel genutztes Möbelstück: Nicht nur das Restaurant im Kunsthaus Zürich, auch das Designhotel „Widder“ in der Limmatstadt sowie das legendäre Grandhotel „Suvretta House“ in St. Moritz greifen auf die Stuhlmodelle zurück.
3, 2, 1 – meins!
Aber nicht nur das: Im Café am Park wechselt die Bestuhlung alle drei Monate, denn verschiedene Gestalter sind eingeladen, sie in ein veritables Artefakt zu verwandeln. Mitgemacht haben bisher Christophe Marchand, Fries & Zumbühl, Nicolas LeMoigne, Colin Schaelli oder Jörg Boner. Das Modell „classic 1 – 380“ mit einer Sitzfläche aus Formsperrholz sowie Sitzrahmen, Rücken und Hinterfüße aus gebogenem Massivholz wird so zu einem Einzelstück und bei einer Auktion an den Meistbietenden versteigert: neu lackiert, ganz oder auch nur teilweise mit Stoff bezogen – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und das soll etwas heißen in der sonst so strengen Schweiz.
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Projekt
Z am Park, Zürich www.zampark.ch
Projektdesigner
Aekae, Zürich/ London www.aekae.com
Stühle
Horgenglarus www.horgenglarus.ch