Autor: Julia Bluth, Fotograf: StudioGreenblue
Offenheit und Abgrenzung sind zwei Begriffe, die zumeist im Widerspruch zueinander stehen – vor allem, wenn es um Wohnräume geht. Die japanischen Architekten Mitsuharu Kojima und Wataru Kobayashi von StudioGreenblue haben mit „The Distance of Fog“ auf unkonventionelle Weise gezeigt, wie sich beide Gegensätze vereinen lassen. Das von ihnen entworfene Einfamilienhaus in der Vorstadt von Tokio überrascht mit Räumen, deren Wände vibrierend und lichtdurchlässig wie Nebel wirken.
Der kubische Holzrahmenbau mit der matten Metallverkleidung steht neben sieben weiteren Einfamilienhäusern in einer ruhigen Sackgasse von Konosu. Da Sackgassen in Japan häufig von ihren Bewohnern als Kinderspielplatz und allgemeiner Versammlungsort genutzt werden, bilden sie eine willkommene Erweiterung des privaten Wohnraums. Diesen Umständen entsprechend wünschten sich die Bauherren einen offen gestalteten Grundriss, der die Weite des Raums und die Verbindung nach außen spürbar werden lassen sollte.
Sichtbar privat
Ein Fensterband, das sich über die vordere Fassade zieht, öffnet das Haus zur Straße hin und lässt Tageslicht in den Wohnraum fluten. Um ausreichend Rückzugsmöglichkeit von der Außenwelt sicherzustellen, wurde das gesamte Gebäude nach hinten versetzt und die Vorgartenfläche maximiert. Dennoch stellte die gleichzeitige Verbindung und Abgrenzung von Außen- und Innenraum die Architekten vor eine Herausforderung.
Inspiration zu ihrem Entwurf fanden Mitsuharu Kojima und Wataru Kobayashi schließlich in der Natur. Der optische Effekt von Nebel faszinierte sie: Bestehend aus einer Vielzahl winziger Wassertröpfchen versperrt er die Sicht und lässt dennoch das Licht passieren. Um einen vergleichbaren Filtereffekt zu erzielen, entschlossen sie sich, mit mehreren Schichten zu arbeiten.
Perforierte Wände
Dazu setzten sie an die Stelle solider Wände weiß lackierte, perforierte Metallelemente, die dem offenen Grundriss Struktur verleihen und den Wohnraum zur Straßenseite hin abschirmen sollten. Da jedes Element unterschiedlich gestanzt wurde, ergibt sich beim Blick durch die gruppierten Raumteiler ein flimmernder Moiré-Effekt. Das Muster ändert sich dem jeweiligen Blickwinkel entsprechend und lässt die starren Elemente etwa so vibrierend und leicht wirken wie eine Dunstwolke. Vorbeilaufende Menschen werden als bewegte Konturen zu einem Teil des Gesamtmusters.
Obwohl der Blick nicht durchgehend versperrt ist, ergibt sich so eine geschickte Trennung von innen und außen – mit zunehmender Privatheit in den hinteren Bereichen. Hier kann gegessen, gekocht oder auf Tatamis geruht werden, ohne dass ein Gefühl von Abgeschlossenheit und Enge entsteht.
Lichtmuster
Erstrahlen die Räume im Inneren des zweistöckigen Gebäudes bei Tageslicht in vibrierendem Weiß,
entsteht bei Einbruch der Dunkelheit ein bewegtes Spiel aus Licht und Schatten. Die Metallelemente filtern das geschickt platzierte Kunstlicht, und werfen ihre Muster an Decken, Wände und Böden. Beinahe wie in einer Unterwasserwelt sind die Bewohner von „The Distance of Fog“ am Abend von weichem und bewegtem Licht umschlossen.
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