Alles in Ordnung

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Text: Tim Berge, Foto: Thomas Meyer

Eine Altbauwohnung ist das Wohnideal der meisten Hauptstädter – doch gestalterischen Spielraum bietet dieser Apartmenttypus kaum. Dass es auch ganz anders geht, beweisen die Architekten von Gonzalez Haase. Für die Galerie Berinson haben sie ein Gründerzeitapartment in Charlottenburg in einen bestechend klaren und gut organisierten Ausstellungsort verwandelt.  

Der Standortwechsel hätte extremer nicht sein können: Vom Loft in den Altbau und von Kreuzberg nach Charlottenburg. Doch der Umbruch ist gelungen. Das richtige Licht und ein subtiler Umgang mit Kontrasten spielen dabei eine entscheidende Rolle.  

Ohne Schnörkel 
Gonzalez Haase sind bekannt für ihren analytischen Umgang mit bestehenden Strukturen: Sie sezieren ihre Projekte bis ihnen die pure, architektonische Struktur gegenübersteht. Auf dieser Grundlage beginnen sie ihren Neuaufbau. Diesem Vorgehen sind sie auch bei den neuen Räumen der Galerie Berinson in der Berliner Schlüterstraße gefolgt. Das Ziel: eine klare Architektur, die ohne historisierende Schnörkel auskommt. Damit spielen die Planer auch auf das Künstlerportfolio des Ausstellungsortes an, das sich vor allem aus Malern der Avantgardebewegungen des frühen 20. Jahrhunderts zusammensetzt – und deren zeitgenössische Relevanz durch den Purismus der Räume unterstrichen wird.  

Die ehemalige Wohnung wird durch eine Hauptachse, eine Wand, die das Apartment einmal längs in der Mitte durchschneidet, gegliedert: An ihr orientieren sich alle weiteren Wände, Öffnungen, Einbauten und Lichtschienen. An einer Seite reihen sich die drei kompakten Ausstellungsräume hintereinander auf, die untereinander über kleine Öffnungen entlang der Hauptwand verbunden sind. Auf der anderen Seite befinden sich der Eingangsbereich, das Büro und das nach außen offene Lager. Hier fand auch der sichtbarste architektonische Eingriff statt: Gonzalez Haase entfernten alle Einbauten und Wände, die nicht zur originalen Substanz gehörten. Dadurch schufen sie einen offenen, repräsentativen Raum, der wunderbar an die drei Ausstellungskabinette angebunden ist und eine vielseitige Zirkulation innerhalb der Galerie ermöglicht. 

Kühle Präzision 
Der eigentliche Hauptdarsteller des Umbaus ist die Lichtinszenierung. Sie schafft den perfekten Rahmen für die gewünscht neutrale Darbietung der Kunst und ist gleichzeitig das gestalterische Bindeglied der Galerie. Vier Lichtschienen laufen als parallel ausgerichtete Geraden durch die Ausstellungsräume hindurch, zwei auf der Seite der Kabinette, zwei auf der Büro- und Lagerseite. Die kühle Präzision des Lichts reduziert die Oberflächenwirkung des Altbaus, schafft Ordnung und Klarheit in den Räumen und verleiht ihm dadurch einen zeitgenössischen Charakter.  

Auch bei der Verwendung der Materialien, die bei den Einbauten zum Einsatz kommen, folgen Gonzalez Haase ihrem künstlerischen Leitbild und sorgen für klar gesetzte Kontraste. So bestehen die von den Architekten entworfenen Objekte aus Sperrholz, das mit Eichenfurnier belegt ist. Während die Oberfläche auf den ersten Blick edel und hochwertig wirkt, offenbart sie an ihren Schnittkanten ihren kostengünstigen und rauen Charakter. Unterstützt wird dieser Eindruck noch durch die Konstruktionsweise: Bei den Lagerregalen ragen die Bretter leicht über die Ränder hinaus, als wäre das Regal im halbfertig gebauten Zustand belassen. Die architektonische Choreographie der Galerie Berinson wirkt wie ein fein aufeinander abgestimmtes Spiel der Gegensätze, in der auch das kleinste Detail Teil eines großen Ganzen ist. Das Ergebnis ist, gerade wegen seiner Schlichtheit, beeindruckend und bildet einen idealen Hintergrund für die ausgestellte Kunst.

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