Drehscheibe der Kommunikation

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Text: Henning Sigge

Mit der Architektur des Produktionswerkes in Leipzig setzt BMW nicht nur ästhetisch neue Maßstäbe, sondern vereint erstmalig Produktion und Verwaltung unter einem gemeinsamen Dach. Karosseriebau, Lackiererei und Montage gruppieren sich dabei sternförmig um ein Zentralgebäude, dessen Gestaltung von Stararchitektin Zaha Hadid übernommen wurde. Als Kommunikationsdrehscheibe für das gesamte Automobilwerk verbindet es die drei Kernbereiche der Fabrik und prägt mit seiner markanten Gestaltung dessen architektonische Formensprache.
Unter einem Dach
Zaha Hadid gestaltete das Zentralgebäude bewusst als „aktives Nervenzentrum” des gesamten Werkskomplexes: Immerhin geht es für den Automobilhersteller um die Generierung von Produktivität. Die aber lässt sich längst nicht mehr isoliert im Produktionsprozess und damit im Einsatz modernster Technologien allein gewinnen. Vielmehr liegt die Zukunft im kommunikativen Geflecht aller Mitarbeiter aus den unterschiedlichen Bereichen Produktion und Büro – und das gibt der Einrichtung einen ganz neuen Stellenwert. Für das Innere ihres spektakulären Gebäudes entwickelte Zaha Hadid großzügige Raumkaskaden mit unterschiedlichen Raum-Ebenen, auf denen die offenen Bürobereiche angesiedelt sind. Frei in den Raum gehängte Förderbänder transportieren die Fahrzeugkarosserien während ihrer Fertigung durch den Open Space an den Mitarbeitern der Verwaltung vorbei. Diese raffinierte Inszenierung des Produktionsumfeldes macht das Fertigungsgeschehen für Mitarbeiter und Besucher jederzeit erlebbar und transparent.
Neuer Arbeitsplatztypus
Dass BMW auch bei der Einrichtung der Büroräume auf individuelle Lösungen setzt, erscheint dabei nur konsequent. So wurde gemeinsam mit dem österreichischen Möbelunternehmen Bene ein neuer Typus Arbeitsplatz entwickelt, der auf vorhandenen Komponenten aus dem Bene Programm beruht. Der Caddy ist als einziges Serienprodukt übernommen worden, während die übrigen Möbel in ihren Abmessungen, Farben und Oberflächen gemeinsam mit BMW entwickelt wurden. Didi Lenz, Konzept-Verantwortlicher bei Bene: „Manche Kunden möchten etwas kreieren, das es heute noch nicht gibt. Sie sind am Standard von morgen interessiert.” Der Arbeitsplatz kann als elektrischer Hubtisch ausgeführt werden. Das Sideboard übernimmt die komplette Medien-Integration. Ein eigens entwickelter Aufsatz sorgt als Sichtschutz für Intimität und dient als Montagefläche für DIN-A0-Pläne. Dieser Screen, gestaltet als durchbrochener Paravent, gilt als „Clou“ des Programms: Er ermöglicht auf Augenhöhe Kontakt zum Nachbarn und wirkt zugleich wie ein persönlicher Ankerpunkt im Raum. Denn mitten im Großraumbüro schafft der Screen eine Art eigenes Fenster, eine persönliche Fassade des Arbeitsplatzes. Alle 700 Mitarbeiter haben zudem auch eine äußerst bequeme Sitgelegenheit erhalten, den "open up" Drehstuhl von Sedus. Dessen Rückenlehne kann derart weit nach hinten gedehnt werden, dass sie kurze Nickerchen oder ein entspanntes nach hinten Lehnen erlaubt. Die Rückenlehne ist mit einer halb transparenten Membran bespannt, die dem Rückem einen besonders angenehmen Halt bietet.
Ergänzende Komponenten im Raum sind frei stehende Think-Tanks, die so genannten Cubicles. Akustisch besonders gedämmt, dienen sie entweder dem Management für wichtige Besprechungen oder allen Mitarbeitern als Kommunikationsinseln. Dabei werden sie zu identitätsstiftenden Gestaltungsmerkmalen des offenen und fließenden Büroraumes.
Open Space
Wird die Büroform des Open Space als inszeniertes Raumerlebnis realisiert, wächst daraus ein ungeahntes Potenzial in Bezug auf Leistung, Motivation und Identität. Dabei erweist es sich nicht nur als Instrument zur optimalen Flächennutzung, sondern auch als Mittel zu einer vielfältigeren Raumbespielung, die der Lebendigkeit von innerstädtischen Räumen entspricht. Der Open Space lebt von öffentlichen und kommunikativen Zonen und aus der gegebenen Rückzugsmöglichkeit, die Intimität und Konzentration für den einzelnen Mitarbeiter ermöglicht. Gelungene Bürorauminszenierung harmonisiert diese beiden Spannungspole und bietet, unabhängig von vorgegebenen Rasterstrukturen, eine hohe Flexibilität und Freiheit in der Büroraumgestaltung.
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