Feste feiern

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Text: Claudia Simone Hoff

Die Disco wird zur Luxusherberge: Die Interiordesigner Tristan Auer und Denis Montel haben aus dem legendären Pariser Nachtclub Les Bains Douches ein extravagantes Boutiquehotel gemacht. Ihr Konzept: eine blutrot lackierte Gewölbedecke, samtbezogene Sitzlandschaften, üppige Badezimmer und im Keller ein effektvoll beleuchteter Pool.

David Bowie war hier. Iggy Pop, Andy Warhol, Catherine Deneuve und Mick Jagger auch. Les Baines Douches ist geradezu ein Synonym für die ausschweifenden siebziger und achtziger Jahre. Der Pariser Club – untergebracht in einer 1969 geschlossenen Badeanstalt aus der Belle Époque – war übrigens eine der ersten großen Arbeiten von Philippe Starck als Innenarchitekt. 1978 feierten unglaubliche 3.000 Gäste die Eröffnung des Etablissements – eine räumliche Melange aus Disco, Konzertsaal, Restaurant und Bar.

Boîte de nuit
2010 ging eine Ära zu Ende, als der Nachtclub geschlossen wurde. Heute residiert an der Adresse 7, rue du Bourg-l’Abbé im 3. Arrondissement der Seine-Metropole das luxuriöse Boutiquehotel Les Bains. Jean-Pierre Marois, Filmproduzent und Erbe des Gebäudes, hat den Ort reaktiviert. Nun gibt es hier 39 Gästezimmer und Suiten, ebenso wie ein Gourmetrestaurant und einen kleinen Club. Als Hommage an die glorreichen Zeiten ist auch der legendäre Pool im Untergeschoss des Gebäudes wiedererstanden. Hier hatte sich so manch ein illustrer Gast nach einer durchtanzten Nacht – das Champagnerglas noch in der Hand – hineingestürzt.

Historie atmen
Das Haus, in dem sich das Hotel befindet, hätte sich ein Immobilienentwickler nicht besser ausdenken können: Jeder Zentimeter des historischen Gebäudes von 1885 atmet Pariser Architekturgeschichte – ein imposantes Eingangsportal, Karyatiden, bemalte Glasfenster, Holzvertäfelungen und mächtige Säulen inklusive. Diese architektonischen Elemente sind die Bühne für die öffentlichen Räume, die Denis Montel gestaltet hat. Die Bar beispielsweise befindet sich unter einer blutrot lackierten Gewölbedecke, in der sich effektvoll das hinterleuchtete Regal mit unzähligen Flaschen Alkohol befindet. Der U-förmige Tresen ist mit Barhockern des dänischen Herstellers Muuto ausgestattet. Sinnlich ist auch das Interior der Lounge: Dunkelbraune Ledersofas, ein Orientteppich, Antiquitäten aus dunklem Holz und sparsam gesetzte Lichtakzente schaffen eine stimmungsvolle Hell-Dunkel-Atmosphäre, untermalt von historischen Buntglasfenstern.

Schlaf schön!
Die von Tristan Auer entworfenen Zimmer und Suiten sind zwischen 23 und 80 Quadratmeter groß. Im Gegensatz zu den öffentlichen Räumen sind sie schlicht, wenn auch sehr luxuriös gehalten: Schwarze Türen, zementfarbene Wände, schwere Vorhänge und aschgraue Teppiche treffen auf schwarze Betten, Glastische und Regale aus Ebenholz. Samtbezogene Sofas in Orangetönen setzen Farbakzente. Sie sind Sitzgelegenheiten aus Andy Warhols legendärer Factory in New York nachempfunden.

Baden gehen
Besonderes Augenmerk hat der Innenarchitekt auf die Gestaltung der (Marmor-)Bäder gelegt. Die einzelnen Funktionen wie Baden, WC, Waschen sind bereits auf dem Boden markiert – in Form von verschiedenfarbigen Fliesen in Schwarz und Grau. Auffälligstes Element ist die freistehende weiße Badewanne mit Klauenfüßen, die dem Badezimmer einen nostalgischen Touch gibt. Dazu passt die filigrane Armaturenserie Montreux, die das Stuttgarter Büro Phoenix Design für Axor/ Hansgrohe im Stil der Belle Époque entworfen hat. Ebenfalls von Axor stammen die Waschbecken, Armaturen und Duschbrausen aus der Kollektion Axor Bouroullec. Die weißen, organisch geformten Aufsatzbecken bieten viel Platz für Badutensilien wie Seife, Zahnbecher und Haarbürste, ebenso wie das abgerundete Waschtischelement, das von einem indirekt beleuchteten Spiegel ergänzt wird. Extravagant ausgestattet sind auch die Terrassen, über die einige der Zimmer und Suiten verfügen. Hier duscht man unter einem Duschensemble aus Thermostat, höhenverstellbarer Kopfbrause und Handbrause im Industrial Chic. Die Showerpipe designed by Front ist in der Sonderoberfläche Rot-Gold gebürstet gehalten, einer Sonderanfertigung der Axor Manufaktur. Ergänzt wird die üppige Badausstattung durch den Pool im Untergeschoss des Hotels, der in Blau- und Lilatönen ausgeleuchtet ist.

Aura der Belle Époque
Jean-Pierre Marois, dessen Vater das stillgelegte Badehaus einst gekauft hatte, hat einen Umbau mit Wow-Effekt hingelegt. Ihm ist es gelungen, die Aura des historischen Gebäudes zu erhalten und trotzdem zeitgenössisch zu sein. „Ich möchte, dass die Menschen die Historie des Gebäudes spüren und auf den Spuren seiner Besucher wandeln“, sagt der Geschäftsmann, der noch zwei andere Hotels besitzt. Les Bains überrascht mit einer gestalterischen Divergenz, die den zwei Innendesignern geschuldet ist. Während die von Tristan Auer entworfenen Zimmer und Suiten gestalterisch zurückhaltend, ruhig und elegant wirken, frönt Denis Montel einer überbordenden Opulenz aus Lichtstimmungen, Farben und Materialien, die gekonnt kombiniert werden mit der grandiosen Architektur der Belle Époque. Der Hotelier Jean-Pierre Marois, der ja auch Filmemacher ist, plant jedenfalls schon seinen nächsten Coup: einen Dokumentarfilm über das Hotel.

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