Kontraste in Kopenhagen

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Text: Claudia Simone Hoff, 01.03.2016

Viel Weiß, Eichenholz, schwarze Akzente: Fertig ist der Traum vom Wohnen auf Dänisch. Das Architekturbüro Norm Architects hat in Kopenhagen ein historisches Backsteinhaus umgebaut und ein zeitgemäßes Townhouse daraus gemacht.

Wer in einem dreistöckigen Haus mitten in Kopenhagen wohnt, darf sich glücklich schätzen. Noch dazu, wenn es sich um einen historischen Backsteinbau mit Efeuwand und pittoreskem Eingangsportal aus Holz handelt. Doch was von außen verwunschen und fast ein wenig düster wirkt, ist im Inneren überraschend licht und hell.

Schwarze Akzente
Das in Kopenhagen ansässige Architektur- und Designbüro Norm Architects hat sich bei dem Umbau für ein klassisch skandinavisches Interior entschieden: Der Boden besteht aus massiven Eichenholz-Dielen, Decken und Wände sind ganz in Weiß gehalten, durch die Sprossenfenster fällt viel Licht ins Innere, was im dunklen Norden wichtig sein kann. Gestalterische Akzente werden vor allem durch die Farbe Schwarz gesetzt: abgepasste Teppiche, Esstisch, Pendelleuchten, Vitrine und Arne Jacobsens Sessel-Klassiker Schwan sind sämtlich ins Dunkel getaucht. Hier und da kommt auch ein Tupfer Pastell oder Grau hinzu: als Farbe einer einzelnen Wand, Möbelstück oder Accessoire. Apropos Accessoires: Norm Architects, die selbst sehr erfolgreiche Accessoires entworfen haben, bringen mit Keramikvasen, Geweihen, Holzbrettchen und -tellern einen Schuss Wärme und Gemütlichkeit ins Interior.

Küche zum Hof
Im Erdgeschoss des dreistöckigen Gebäudes befindet sich das Wohnzimmer, das nahtlos in den Essbereich und die Küche übergeht. Ein grau gehaltenes Wandelement birgt Fernseher, Kamin und einen Stauraum für Holzscheite. Es unterteilt subtil die verschiedenen Raumnutzungen, ohne einengend zu wirken. Die eigentliche Küche ist recht klein gehalten: An der Rückwand befinden sich Ober- und Unterschränke mit grifflosen weißen Fronten, in die ebenfalls weiße Arbeitsplatte ist das Kochfeld eingelassen. Vor die Schrankwand haben die Architekten einen weißen Küchenblock mit Spülbecken gestellt. Der Block dient gleichzeitig als Tisch, der ergänzt wird mit dekorativen Vintage-Drehhockern. Optisch vergrößert wird die Küche durch eine Sprossenglastür, die in einen idyllischen kleinen Hof führt, der mit Holzplanken versehen ist – im Sommer ein hübscher Platz fürs Frühstück oder den Kaffeeplausch zwischendurch.

Ensuite-Bad mit Schlafzimmeranschluss
Wenig überraschend bei so viel gestalterischem Kalkül: Auch im Bad spielt die Farbe Schwarz eine entscheidende Rolle, allerdings mit Grautönen kombiniert. Doch der Begriff Badezimmer scheint im Dachgeschoss zu kurz gefasst, denn Bad, Schlafzimmer und Wohnraum werden eins unter dem weiß gestrichenen Gebälk. Dachfenster beleuchten einen Raum, der mit Doppelbett, Schminkkommode und Sofa ein gemütliches Ensemble bietet. Mitten im Raum: eine großzügiger Waschplatz, der aus zwei schwarzen, trogähnlichen Becken und einem Kastenelement mit Kupferfront besteht. Hinter der Trennwand befindet sich eine bodengleiche Regendusche mit Glasabtrennung, während die Toilette in einem separaten Raum untergebracht ist. Großflächige Fliesen an den Wänden und auf dem Boden sorgen für eine kühle Beton-Optik. Die Heizung, die wie eine Leiter wirkt und gleichzeitig als Handtuchhalter dient, vervollständigt den industriellen Charme. Ein weiteres Badezimmer befindet sich im ersten Stock des Hauses – mit Waschbecken, Badewanne, Regendusche und WC. Auch hier im Fokus der Gestaltung: ein haptisch und visuell interessanter Materialmix von Keramik, Holz und Edelstahl.

Unbestritten: Norm Architects sind Meister des skandinavischen Fachs – egal ob in der (Innen-)Architektur oder im Produktdesign. Sie kombinieren Formen, Farben und Materialien so, wie man sich Dänemark in seinen schönsten (Wohn-)Träumen vorstellt. Doch wie es so ist mit den Klischees: Sie bringen nur selten Überraschungen.

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