Makeover mit Meerblick

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Text: Markus Hieke, Foto: José Campos, 31.05.2016

In iberischen Urlaubsregionen wurde in der Vergangenheit viel und schnell gebaut, selten schön, fast immer billig. Dass daraus später auch etwas werden kann, was den Begriff Wohlfühlen bedient, liegt nicht zuletzt in den Händen der betrauten Innenarchitekten. In Vila do Conde im Norden Portugals haben Merooficina ein Ferienapartment umgebaut, in dem aus Enge und Düsternis erfrischende Offenheit geworden ist.



Die Lagebeschreibung klingt zunächst gar nicht schlecht: ein Apartment mit Meerblick in der Hafenstadt Vila do Conde, eine halbe Autostunde nördlich von Porto. Und doch gibt es gewiss schönere Immobilien an der portugiesischen Atlantikküste als diese. Ernüchternd wirkt der Anblick des gefliesten, schmucklosen Gebäudes aus der Mitte der Neunziger. Diesem ähnlich, stehen überall ringsherum charakterlose Blöcke – allesamt zur gleichen Zeit aus dem Boden gestampft. Ein paar Grünanlagen sollen das Bild aus Bauten, Straßen und Parkplätzen etwas aufheitern. Den Reiz der Lage aber haben die Immobilienentwickler seinerzeit verspielt.

Verschenkte Gunst


Bei aller Tristesse hatten die Bauherrn dieses Projektes jedoch noch Glück. Ihr 120 Quadratmeter großes Ferienapartment ist eines von wenigen in diesem Block, das straßenseitig eine unverbaute Sicht auf den Strand hat. Es gab nur ein größeres Hindernis: Ausgangspunkt des Umbaus war eine unsinnige Raumaufteilung. Gemeinschaftsbereiche wie Küche und Wohnzimmer waren zum begrünten Innenhof ausgerichtet, die Schlafzimmer hingegen zur Straße. Was in anderen Wohnungen vielleicht die Bewahrung vor unschönen Ausblicken sein mag, wirkte hier wie eine verschenkte Gunst.



Meerblick: jetzt im Wohnbereich
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Das Architekturbüro Merooficina aus Porto, das für den Umbau verantwortlich war, nahm deshalb zunächst eine komplette Umkehr der Bereiche vor. Der offene Wohn- und Küchenbereich liegt nun auf der Strandseite, die Schlafzimmer orientieren sich zum ruhigen Hof, und im Zentrum befindet sich ein Kern aus zwei Duschbädern und einem Gäste-WC. Darüberhinaus wurden einige Wände herausgetrennt und zum Teil durch faltbare Wände aus Furnierholz ersetzt, „welche sich über die Wohnung hinweg erstrecken und eine Vervielfachung der Schlafzimmeranzahl erlauben“, so die Architekten. Das macht die Unterkunft hinsichtlich der Anzahl der Gäste flexibel und gibt ihr eine variable Erscheinung – mal großzügiger, mal etwas verschachtelter.



Gemeinsam macht′s mehr Spaß
Hinsichtlich der Nutzung als Ferienwohnung war dem Architektenteam Catarina Ribeiro, Vitório Leite und Eduarda Vieira von Merooficina jedoch noch ein weiterer Punkt wichtig: „Unser Anliegen war es, den alltäglichen häuslichen Dingen eine wichtige Rolle zuzugestehen“, so das Trio. So soll man beispielsweise zum Händewaschen nicht erst ins Bad müssen. Hier tut man dies am besten gleich gemeinsam an einem großen Marmorbecken im Eingangsbereich, das durch eine Öffnung in der Wand von beiden Seiten benutzt werden kann. Und auch an der Kücheninsel finden alle Platz, die bei der Zubereitung des Essens helfen wollen. Der Block ist mit einem extragroßen Kochfeld, einem Spülbecken und Spülmaschine ausgestattet. Versteckt hinter Schranktüren befinden sich drum herum Backofen, Mikrowelle, Regale und Abstellflächen für verschiedene Küchenutensilien.

Zurückhaltung in Material und Farbe
Auf der gegenüberliegenden Seite des offenen Raumes befindet sich der Wohnbereich mit Sofa und Fernseher, der Designliebhaber entdeckt hier die Stehleuchte AJ von Louis Poulsen. In der Mitte steht ein großer Esstisch. Bei der Material- und Farbauswahl bewahrten die Architekten Zurückhaltung: Die Wände sind fast im gesamten Haus weiß. Nur der sanitäre Kern wird umzogen von ozeanblauen Fliesen, die dem Haus gemeinsam mit dem grauen Marmor an Waschbecken, Duschwänden und der Küchenarbeitsplatte eine gewollte Kühle verleihen. Warme Akzente setzen die eigens angefertigten Schränke und Schiebewände aus Birkenschichtholz. Der Fußboden aus Marmorzement trägt sein übriges zur lichten Erscheinung der Wohnung bei.

Grundriss nachher…
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„Durch diese Materialität und die neue Offenheit haben wir versucht, mehr Licht in das Apartment zu bringen und auf klare Weise den Innenraum mit dem Strand zu verknüpfen“, so die Architekten. Das ist ihnen gelungen. Während die Wohnung zuvor überhaupt nicht mit ihrem Kontext im Zusammenhang stand, sich geradezu von ihm abwandte, wirkt sie heute wie der erholsame Gegenpol zum sommers heißen, winters windigen Strand.

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