Mit Badelatschen in die Zeche

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Text: Katrin Schamun, 29.07.2008



Riesige Öfen und hohe Schornsteine stehen dicht beieinander. Im Sommer spenden diese alten Industrierelikte den Besuchern des Kokerei-Geländes viel Schatten, wenn sie die Werkstraße der Zeche Zollverein entlang spazieren. Es ist beeindruckend durch die Anlage zu gehen, die verlassenen Bauten wirken wie riesige Statuen und ihre rostige Farbe bildet einen schönen Kontrast zum Azurblau des hochsommerlichen Himmels. 1932 wurde die Zeche Zollverein und die Kokerei in Betrieb genommen, 1989 beide stillgelegt und unter Denkmalschutz gestellt. Seit 2001 gehören sie zum Weltkulturerbe der UNESCO und haben als Industriepark eine neue Bestimmung erhalten. Doch die Besucher kommen nicht nur, um Technik und Geschichte des Industriedenkmals zu erkunden. Im Sommer rücken sie in Badelatschen und mit Handtüchern unterm Arm an und gehen ins Werkschwimmbad, der meist besuchte Ort in der Kokerei der Zeche Zollverein.

Ein Werkschwimmbad als Kunstprojekt

Herrliches Wetter, es ist warm und die Sonne strahlt. Die meisten Besucher der Zeche sind gekleidet wie Strandurlauber und laufen zielgerichtet in Richtung Koksofenbatterie 9. An deren Frontseite befindet sich das sogenannte „Werkschwimmbad“. Diese Bezeichnung führte anfangs zu Verwirrungen, klingt sie doch so, als ob die 1.000 Koker, die vor 50 Jahren hier gearbeitet haben, nach ihrer Schicht hier baden gegangen sind. Doch die Badeanlage wurde erst im Jahr 2001 nach der Schließung der Kokerei angelegt und ist Teil eines Kunstprojekts, das den Titel „Zeitgenössische Kunst und Kritik“ trägt. Dirk Paschke und Daniel Milohnic, zwei Künstler aus Frankfurt am Main, gestalteten den Pool, der strahlend blau inmitten rostiger Industriefragmente eingebettet liegt. Mit ihrer Idee wollen die beiden den Strukturwandel im Ruhrgebiet thematisieren und schufen eine Stätte, die nicht nur für Touristen, sondern vor allem für die Bewohner der nördlichen Stadtteile in Essen zu einem Anziehungspunkt wird und ihnen eine kostenlose Bademöglichkeit bietet.

Sonnendeck

Früher schwitzten die Arbeiter, wenn sie an der Kokerei vorbeigingen, deren Brennöfen eine unerträgliche Hitze ausstrahlten. Heute braten die Badegäste in der Sonne und wird es ihnen zu heiß, dann tauchen sie im Pool ab. Das 5 x 12 Meter große Becken wurde aus zwei zusammengeschweißten Überseecontainern konstruiert und fasst etwa 130.000 Liter Wasser. Eine Holzkonstruktion umgibt das Becken auf der die Badenden nach der Abkühlung im Pool ausruhen, sich auf den Holzplanken ausstrecken und ein Sonnenbad nehmen oder dem Treiben im Pool zuschauen können. Ins schwere Metall der Container wurden kleine Löcher gefräst. Diese „Bullaugen“ liegen unterhalb des Wasserspiegels und erlauben Ausblicke in die Umgebung.

Vor acht Jahren noch sollte die Zechenanlage abgebaut, nach China verschifft und dort komplett wiederaufgebaut werden. Zum Glück wurde es verhindert, ob sich die Badegäste dieser Tatsache bewusst sind?
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