Nichts als Rauch

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Text: Katharina Horstmann, 13.10.2010


In Finnland gilt die Rauchsauna als die traditionellste Form der Sauna. Schon vor Hunderten von Jahren errichteten die Finnen kleine Holzhütten und beheizten sie mit dem Rauch von offenen Feuern. In den östlichen und nördlichen Provinzen Savo und Lappland wird sie auch heute noch vielerorts praktiziert, aber auch in anderen Gegenden wie im westlichen Soini ist sie zu finden. Dort gestaltete kürzlich das Architekturbüro Lassila Hirvilammi eine alte Scheune in eine „Savusauna“ mit dem Namen Tonttu um und – da ein See zur Abkühlung in unmittelbarer Nähe fehlte – ergänzte sie mit einem großen Wasserkübel.
 
 
Die Sauna Tonttu ist eine sechzehn Quadratmeter große Blockhütte aus dem 19. Jahrhundert. Ursprünglich wurde sie als Rauchsauna konzipiert, in den 1940er Jahren jedoch in eine Scheune umfunktioniert. Nach nunmehr siebzig Jahren wurde diese Nutzung revidiert und die Besitzer beauftragen das Architekturbüro Lassila Hirvilammi aus der benachbarten Stadt Seinäjoki mit der Umgestaltung.
 
Gesunder Rauch
 
Das Prinzip der Rauchsauna, die wegen der weichen Wärme und ihrer nicht nur entschlackenden, sondern auch desinfizierenden Wirkung geschätzt wird, ist einfach: In der Regel befindet sich irgendwo an einem See ein „Hirsi Mökki“ – zu Deutsch: Blockhäuschen. In diesem steht ein kleiner Ofen, mit dem der Innenraum „beheizt“ wird. Doch anstatt dass der dabei entstehende Rauch über einen Abzug ins Freie gelangt, wird er im Inneren des Raumes gesammelt und sucht sich durch jede erdenkliche Ritze in Decke und Wänden den Weg ins Freie.
 
Schön alternde Fichte
 
Das Konzept für die Sauna Tonttu sah vor, den aus ergrautem Fichtenholz bestehenden Bau soweit wie möglich im Originalzustand zu erhalten und ihn nur mit kleinen architektonischen Details zu ergänzen. So wurde das Dach mit Metallziegeln erneuert und eine Art Außenterrasse geschaffen, deren Boden ebenfalls aus Fichtenholz besteht und die von senkrechten Holzleisten vor Blicken abgeschirmt wird.
 
Auch im Inneren besteht alles aus Fichtenholz, das wie die ursprüngliche Hütte im Laufe der Zeit ergrauen soll, wenn es nicht schon vorher wie die meisten Rauchsaunen – die in der Regel den Eindruck vermitteln, es habe schon einmal in ihnen gebrannt – vom Rauch rußgeschwärzt ist. Während die Wände im Originalzustand verblieben sind, wurden Boden und Decke mit neuen Dielen ausgestattet. Elektrisches Licht gibt es nicht, der Raum wird nur spärlich von Tageslicht erhellt.
 
Geräucherte Abkühlung
 
Eine Rauchsauna aufzuheizen, ist eine Kunst für sich. Nach vier bis acht Stunden Aufheizzeit wird kräftig gelüftet; ein erster, unbemannter Aufguss sorgt dafür, dass auch die letzten Rauchschwaden durch Tür und gegebenenfalls Fenster nach draußen getrieben werden.
 
In der Sauna Tonttu befindet sich der Ofen aus schwarzen Ziegelsteinen links neben der Eingangstür. Gleich daneben ist ein leicht erhöhtes Podest mit einer Holzbank positioniert, auf das eine große Breite Stufe führt, die auch zum Sitzen genutzt werden kann. Von dem Podest führt eine Treppe mit drei Stufen auf eine kleine Empore, die die gesamte Längsachse des „Hirsi Mökki“ einnimmt und auf der zwei weitere Sitzbänke stehen. Hier oben gibt es auch eine weitere Tür, die über eine stegähnliche Brücke zu einem großen sich auf einem Hügel hinter der Hütte befindenden Holzkübel führt. Er verspricht nach dem Saunagang nicht nur Abkühlung, sondern auch „Entschwärzung“.
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