Schwarz auf Weiß

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Text: Tanja Pabelick, Foto: Michael Rabensteiner


“Digital Candyshop” steht in großen Lettern über dem Empfang der Salzburger Agentur Loop. Diese Eigenbeschreibung lässt auf bonbonbuntes schließen und führt damit vorerst in die Irre. Die farbenfrohen Welten sind der Projektarbeit vorbehalten, die Nuancen des Interieurs beschränken sich ganz konsequent auf Schwarz, Weiß und alle dazwischen liegenden Grautöne.
 

Das neue Headquarter der internationalen Agentur Loop, die mit ihren drei Standorten außerdem in Kopenhagen und Sidney vertreten ist, liegt im Norden Salzburgs, am Rande der Stadt. Auf einem Stück Wiese steht frei eine große ovale Gebäude-Box, die komplett von einer Glasfassade umschlossen ist. Einblick gewährt der von Ingrid Dreer entworfene Bau dennoch keinen: Die Besonderheit der Architektur liegt in der zweiten Ebene der Außenhaut, die vollständig aus Glasbausteinen besteht und damit viel Licht hereinlässt, aber nichts vom Inneren offenbart. Nur wenige bodentiefe Fenster öffnen den Blick nach außen: Viel zu sehen gäbe es für die über dreißig Mitarbeiter aber ohnehin nicht – direkt hinter dem kleinen Grundstück mit dezentem Grün und kleinem Teich beginnt das aufstrebende Industriegebiet von Salzburg-Kasern mit seinen weitläufigen Fabrikhallen und Industriegebäuden.
 
Alles so schön unbunt

Im Büro von Loop öffnet sich ein anderer Kosmos, der im Kontrast steht zur funktionalen Außenwelt, die bestimmt ist von Parkplätzen, Megamalls, Fabrikationsgelände und einem angrenzenden Wohngebiet. In der obersten Etage des drei Stockwerke umfassenden Bürogebäudes hat sich die Marken- und Werbeagentur mit dem Schwerpunkt Online-Kommunikation eine offene und moderne Arbeitswelt geschaffen, die durch ihren klaren und geradlinigen Stil mit der Architektur des Gebäudes korrespondiert. Das gesamte Interieur, von der Planung über die Ausstattung bis zur Raumaufteilung wurde „in-house“ entwickelt und stammt aus der Feder von Michael John, dem CEO von Loop. Alle Möbel erfüllen eine Bedingung: Sie sind Schwarz oder Weiß.

Black and White

Für kurze Besprechungen oder einen schnellen Snack steht die schwarze Version von Konstantin Grcics modernem Designklassiker Chair One an kleinen runden Bistrotischen bereit, deren weiße Tischflächen mit schwarzen Kanten abschließen. Helldunkel Kontraste finden sich auch im durch eine Glaswand akustisch abgeschirmten Meetingraum: Um die große weiße Besprechungstafel sind schwarze Kunststofffreischwinger gruppiert. Die Doktrin der unbunten Töne reicht bis zum Kickertisch. Selbst hier beugen sich die beiden Mannschaften dem Thema und tragen konsequent weiße und schwarze Trikots. Durch dieses “Black and White”-Konzept kombiniert mit kühlen Materialien erhält das Interieur starke Konturen und eine zu der Arbeit der Agentur passende grafische Anmutung.
 
Kubische Filz-Lounge
 
Trotz der farblichen Divergenz ist die Atmosphäre nicht unterkühlt. Ein dunkelgrauer Teppich gibt den Räumen gerade die richtige Prise Flausch und in einem Lounge-Bereich sorgen verschieden hohe Filzkuben in Grautönen für Gemütlichkeit. Dieses Brainstorming-Sofa aus insgesamt 38, 60 mal 60 Zentimeter großen Elementen ist ebenfalls eine Einzelanfertigung und lässt sich frei zusammenstecken. In einem Büro, in dem ausschließlich vor den immer mobileren Bildschirmen gearbeitet wird, eine willkommene Abwechslung zum Schreibtisch und gleichzeitig ein Bereich, der zum informellen Gespräch dazwischen einlädt. Das ist eben ein Vorteil der Arbeit am Virtuellen: Sie kann fast überall stattfinden – im Stuhl sitzend ebenso wie am Bistrotisch oder im Park. Nachteil ist vielleicht, dass nicht immer sofort ersichtlich ist, woran gerade gearbeitet wird. Die Agentur Loop hat dem Digitalen deshalb ein analoges Schnippchen geschlagen. Eine ganze Wand des Studios ist mit dunkler Tafelfarbe gestrichen und wird zum Blackboard, Skizzenheft und Kalender für alle. Und das, ganz konsequent, wieder einmal in Schwarz-Weiß.
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