Untertage, unter Wasser

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Text: Nina C. Müller, Foto: Marcello Mariana, 21.07.2015

Ein Gebäude für ein Schwimmbad, das die umliegende Parklandschaft mit Seerosenteich und historischem Wohnbau so wenig wie möglich beeinträchtigt und dennoch buchstäblich fließend in sie übergeht: So lautete der Plan eines privaten Bauherren in der Lombardei. Die Architekten von act_romegialli haben daraufhin eine beinahe unsichtbare Wellness-Zone mit unterirdischen Tunneln entworfen.

Schon vor einigen Jahren hatte der Bauherr den Garten um das historische Gebäude in Alta Brianza in eine wahrhaft paradiesische Oase mit nierenförmigem Teich, Felsformationen und wild wachsender Vegetation umgestalten lassen. Nun sollte auch das stattliche Wohnhaus aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert eine umfangreiche Erweiterung erfahren. Neben einem vollständig verglasten Wintergarten, der direkt an das Haus angedockt wurde, plante er noch einen zusätzlichen, separaten Bau für Fitness- und Wellnessbereich – das jedoch weit entfernt am gegenüberliegen Ende des Parks.

Tunnelblick

Bei der Platzierung des Wellnessbereichs gingen die Architekten aus Mailand und Morbegno strategisch vor: „Es war Absicht, den Neubau etwas abgelegen vom bereits existierenden Wohngebäude zu errichteten, um ihm so den Status eines absolut neuen und unabhängigen Ortes zu verleihen.“ Auf diese Weise entstünde dort ein sehr privates Gefühl und eine dynamische Beziehung zwischen den Gebäuden. Zugleich planten die Architekten jedoch eine diskrete Verbindung: Unterhalb der weitläufigen Wiese legten sie einen unterirdischen Gang an, der – bewusst mit kleinen Umwegen – vom Haupthaus über den Wintergarten zum Wellnessbereich führt.

Tief verwurzelt

„Da wir die alten Bäume bewahren wollten, erhielt der Tunnel einen unregelmäßigen Verlauf“, berichtet das Trio. Damit zeigten sie der Natur gegenüber eine respektvolle Haltung, die sie auch bei der Planung des Neubaus bewiesen: Um diesen möglichst dezent in die Landschaft einzugliedern, entschieden sich act_romegialli nach Untersuchung der topografischen Gegebenheiten auch hier zum Teil für eine unterirdische Bebauung. So bleibt das gesamte Gebäude, von Haupthaus und Wintergarten aus betrachtet, durch die starke Hanglage des Grundstücks fast komplett verdeckt. Der hintere Teil integriert sich mit seinem grasbewachsenen Flachdach in die hügelige Landschaft, während sich seine Front nach vorne zum Teich öffnet.

Topografie und Grundrisse
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Wasserspiele
Für diese Fassadenseite sahen die Architekten bodentiefen Fenster vor, wodurch Innen- und Außenraum wie auch die beiden Wasserstellen optisch miteinander verbunden werden. Damit gewähren sie nicht nur uneingeschränkte Ausblicke auf die Parkanlage. Auch versorgen sie das Innere großzügig mit Tageslicht. Bei Sonne zeichnen sich dank der großen Scheiben und der Wasseroberflächen reizvolle Lichtspiele auf der Rückwand des Poolraums ab. Im Inneren leiten halbtransparente Trennwände aus Holzlamellen die natürliche Beleuchtung in den gesamten Komplex und sorgen so für ein lebendiges Changieren aus Offen- und Geschlossenheit.

Heimliches Bad  
Wasserbassin, Fitnessstudio und Küche im Neubau wurden durch einfache kubische Volumen aus Holz und Beton voneinander separiert. Die Innenwände des Schwimmbeckens hingegen werden markiert durch fließende Formen und kleinteilige, weiße Mosaiksteine, die das Wasser sanft einrahmen. Diskret integrierten die Architekten hier alle technischen Elemente wie etwa Lüftung, Klimaanlage und automatische Poolabdeckung, wodurch der Raum wie aus einem Guss erscheint. „Unser Credo lautete Kontinuität – sowohl innerhalb des Beckens wie auch um das Schwimmbecken herum“, so die Architekten.

Wahrhaftig gelang Gianmatteo Romegialli, Angela Maria Romegialli und Erika Gaggia van Hardeveld sowohl im Inneren wie auch im Zusammenwirken der einzelnen Gebäude ein harmonisches Ensemble, eine Balance aus organischen und geometrischen sowie offenen und intimen Strukturen.

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