Überraschende Betonschichten

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Text: Katharina Horstmann, Foto: Roland Halbe, 29.02.2012


Santa Cruz de Tenerife hat viele Geschichten zu erzählen. Schon Ende des 18. Jahrhunderts florierte hier der internationale Handel, doch die wirkliche Blütezeit erlebte die Hauptstadt der Kanaren im letzten Jahrhundert durch den Fremdenverkehr – und als Jet-Set-Destination und Spielplatz der Hollywood-Elite, die bevorzugt im Hotel Mencey abstieg. Das 5-Sterne-Haus, das Ende der 1940er Jahre im kanarischen Baustil entstand und einst Persönlichkeiten wie Richard Burton, Liz Taylor oder Joan Mirò beherbergte, hat nach einer Renovierungsphase von 20 Monaten vor kurzem wiedereröffnet. Bei der Modernisierung wurde der ursprüngliche Stil der 1940er und 1950er Jahre mit modernen Gestaltungselementen kombiniert – mit einer Ausnahme: der neuen, vom Architekturbüro Corona y P. Amaral gestalteten Sport- und Wellnessanlage.
 

Die Anlage liegt auf einem 4.000 Quadratmeter großen Gelände entlang der berühmten Flaniermeile Rambla direkt hinter dem Hotel. Sie besteht aus drei, sich zu einem „U“ zusammenschließenden Betonbauten, die sich in ihrer Schlichtheit  harmonisch in die Umgebung einfügen und in ihrer Mitte einen Innenhof formen.
 
Monochromatisch
 
Der öffentliche Eingang befindet sich auf der Rambla. Von der Straße her kommend gelangt der Gast durch eine große Glastür in den luftigen Empfangsbereich, der im rechten „U“-Flügel des Komplexes liegt. Boden, Decke und Wände sind aus Sichtbeton gefertigt; einen warmen Kontrast zu diesen bildet eine große hölzerne Tür, die in den rechten Außenflügel führt. Hinter ihr befindet sich ein langer schmaler Flur, der an Böden und Wänden mit kleinen Mosaiksteinen gefliest ist, die den Farbton des Betons aufgreifen. Opake Glastüren führen nach rechts zu den Behandlungsräumen des Spas und links zu Umkleidekabinen, Duschen und Fitnessraum. Letzterer zeichnet sich aus durch große Glasfronten, die zum begrünten Innenhof ausgerichtet sind und den Raum mit natürlichem Licht versorgen. Die anderen Bereiche sind großteils nach außen hin verschlossen.
 
Beton, Holz, Wasser und viel Tageslicht
 
Der Nassbereich befindet sich in den beiden anderen Neubauteilen. Vom Empfang gelangt der Gast zunächst in die Umkleidekabinen. Auch hier sind Wände und Decken vorrangig aus Beton gefertigt, nur die Böden bestehen aus Teakholzleisten. Hinter den Umkleiden befindet sich der Saunabereich mit finnischer Sauna, türkischem Dampfbad, Fußbecken sowie einem großen, zum Hof ausgerichteten Ruhebereich mit weißen Liegen, die zum Pausieren zwischen den heißen und kalten Sauna- und Badeabläufen einladen. Hier ist die Außenwand bis auf eine Höhe von etwa einem Meter verglast, so dass der Ruhende ungestört in den begrünten Innenhof blicken kann, jedoch nicht von fremden Blicken gestört wird.
 
Verbindung zwischen Alt und Neu
 
Hinter dem Saunabereich gelangt der Gast in den linken Flügel der Anlage, der mit Schwallduschen sowie einem kleinen Tauchbecken und einem länglichen Whirlpool ausgestattet ist, dahinter befindet sich eine Pool-Bar. Die Wände sind zu beiden Längsseiten verglast, so dass der Raum sehr luftig wirkt und beim Baden das Gefühl vermittelt, sich im Garten aufzuhalten. Eine schmale hölzerne Tür auf der rechten Seite führt zu einem langen, das Gebäude flankierenden Thermalbecken im rechten Innenhof. Ein weiterer Weg nach draußen führt durch die Pool-Bar zu einer großen Terrasse, die an einen Außenpool grenzt, der die unmittelbare Verbindung zwischen den Neubauten und dem hinter ihm liegenden, alten Hotelkomplex des Mencey darstellt. Dank seiner Größe eignet er sich durchaus, um ganz bewusst in die „Leichtigkeit“ des abkühlenden Wassers einzutauchen und in sportlichen Zügen lange Bahnen zu schwimmen – und sich währenddessen zu überlegen, was darauf folgen soll: Sonnenbad, Massage und Saunagang oder doch lieber ein Tennis-Match auf dem Platz, der sich auf dem Dach der Anlage befindet?
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