The Utope Project

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Text: Katja Neumann, 04.02.2011


Mit der fortschreitenden technischen Entwicklung von LED und OLED hält das Licht zunehmend auch Einzug in die Mode. Der Designer Hussein Chalayan machte 2008 den Anfang: In seine Kollektion Readings integrierte er futuristische Lasereffekte und erregte damit über die Modebranche hinaus großes Aufsehen. Seitdem ist die Entwicklung in diesem Bereich rasant vorangeschritten. Besonders Jungdesigner und Designstudierende setzen sich zunehmend mit leuchtenden Textilien auseinander, um ihrer Mode einen zusätzlichen Effekt zu verleihen. Einen Schritt weiter ging nun der österreichische Designer Wolfgang Langeder, der gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM und der Firma Stretchable Circuits eine „textile Utopie“ verwirklichte: In seinem Cyber Nomade Suit sind nicht nur Lichtelemente als optischer Blickfang integriert, sondern zugleich ein voll funktionsfähiges Display, mit dem die Oberfläche der Kleidung individuell verändert werden kann.


Unter dem Namen The Utope Project arbeitet Wolfgang Langeder seit Anfang 2010 an der Verbindung von moderner Technologie und Mode. Während Leuchtmittel in der Mode bisher eher zu dekorativen Zwecken eingesetzt wurden, wie beispielsweise die Bühnen-Outfits von Moritz Waldemeyer für Popstars wie Rihanna oder Mika zeigen, war es das Ziel von Wolfgang Langeder, dem Leuchteffekt einen funktionalen Nutzen zuzuweisen. „Meiner Ansicht nach braucht die Kombination von High-Tech-Materialien und „intelligenten“ Textilien einen starken konzeptionellen Hintergrund. Es geht um die Verbindung von Bekleidungskonzepten mit zeitgemäßen, zukunftsweisenden Mode-Ideen und den Bedürfnissen der Menschen.“

Der intelligente Businessanzug

Bereits 2001 gründete der Designer sein Modelabel „Flor de Illusion“ und begann schon bald, sich für High-Tech-Materialien zu interessieren. Ende 2009 begann auf dem Ars Electronica Festival in Linz schließlich die Kooperation mit seinen zukünftigen Partnern: dem Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM sowie dem Berliner Unternehmen Stretchable Circuits, das auf die Entwicklung und Realisierung innovativer Textilien spezialisiert ist. Gemeinsam  gründeten sie Anfang 2010 The Utope Project, das sich als Labor für Mode, intelligentes Design und innovative Technologien versteht. Das erste Ergebnis dieser Kooperation ist der intelligente Business-Anzug Cyber Nomade Suit. Dessen Oberfläche gleicht der Haut eines Chamäleons. Sie lässt sich individuell verändern oder aber wie ein Computerbildschirm nutzen. So reagiert das integrierte Display auf das eigene Handy oder Smartphone, das in der Innentasche des Anzugs steckt, und zeigt beispielsweise einen Anruf oder eine SMS an.
Möglich ist dies durch eine in den Anzug integrierte Platine, die nicht nur besonders energieeffizient ist, sondern darüber hinaus auch dehn- und waschbar. Die Platine ist in einer thermoplastischen Folie wasserdicht laminiert und mit dem äußeren Display über dehnbare Kupferleiterbahnen verbunden. Wie alle anderen Bauteile wurde auch sie durch eine weitere Verkapselungsschicht geschützt. Aufgrund der besonders dehnbaren und leichten Elemente konnte Wolfgang Langeder auch seinen qualitativen Anspruch erfüllen, den er an Kleidung stellt: Sie muss sich gut anfühlen. Der Businessanzug soll elegant aussehen, gut geschnitten und dabei funktional sein.

Erste Kollektion in 2012

Trotz seiner wegweisenden Technik steckt der Cyber Nomade Suit noch im Anfangsstadium. So soll das Display auch auf Berührung reagieren oder sogar als Sicherheits- und Alarmsystem in der Dunkelheit fungieren können. „Wir entwickeln zurzeit neuartige Licht-Pixel, um die visuelle Präsentation auf dem Display zu erweitern“, erklärt Wolfgang Langeder. „Und wir arbeiten an der Lösung der ‚kleineren Probleme‘ wie eine verbesserte Energiezufuhr oder die noch einfachere Reinigung des Systems. Aber ich bin sicher, wir sind auf einem guten Weg.“ Die Etablierung einer neuen Modemarke und die Präsentation der ersten intelligenten Männerkollektion sind für 2012 geplant. Und im Idealfall präsentiert das Label jährlich eine technologische Weiterentwicklung, wie sie bereits aus dem Smartphone-Sektor bekannt ist. „Meine Vision ist, das Alte und das Neue zu verbinden“, so der Designer. „Ich denke an eine Kombination aus traditionellen Materialien wie Seide oder Loden, High-Tech-Textilien und technischen Komponenten, wobei ich bei allen Elementen auch den ökologischen Aspekt beachte.“


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