Velo an die Wand!

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Text: Markus Hieke, 26.03.2014

Wohin mit dem Fahrrad, wenn es so wertvoll ist, dass man es am liebsten mit in die eigenen vier Wände nimmt? Schicke Halterungen für die Wand verstehen es, das verehrte Stück gekonnt in Szene zu setzen. So gestaltet, dass sie sich dem Rad gegenüber dezent zurückhalten; aber auch so ansehnlich, dass sie erträglich sind, während das Fahrrad auf den Straßen unterwegs ist. Manch ein Exemplar schafft es da schon von der Abstellkammer über den Flur bis ins Wohnzimmer.

Der Rundgang über die Berliner Fahrradschau am vergangenen Wochenende hat wieder einmal gezeigt, welchen Stellenwert das Zweirad im urbanen Alltag einnimmt. Des Großstädters umweltfreundliches Lieblingsgefährt stellt längst nicht mehr nur ein Fortbewegungsmittel, sondern vielmehr oft ein Statement dar: ein Zeichen von Individualität, Vitalität und Spontaneität. Nicht Hollandräder, Mountainbikes oder Lastenräder sind gemeint, auch wenn sie das Bild der Radwege bestimmen. Es sind die Schmuckstücke der hippen Kreativen. Den Fixie-Nerds nacheifernd, lautet ihre Devise „Minimalismus pur“. Wiederhergerichtete Vintage-Rennräder, Metallic- und pastellene Hochglanzlacke, lederne Sättel und Lenkerbänder oder farbige Reifenmäntel. Schon klar, dass die Lieblinge ihre Pausenzeiten nicht im Hinterhof oder Fahrradkeller fristen müssen.

Kappô, Slît und Tîan von Mikili
Einer der ersten Hersteller für die wohnlich gestalteten Wandaufhängungen war die Berliner Firma Mikili. Seit 2012 allein dem Fahrradmöbel verschrieben, zählt ihr Sortiment mittlerweile drei Modelle: Kappô ist eine in der Grundform rechteckige Konsole, dessen offene Seiten vertikal zur Wand stehen. In einer Aussparung an der Vorderseite wird die Mittelstange des Rahmens auf einer gefilzten Vertiefung abgelegt. Alle restlichen Regalflächen bieten Stauraum für Helm, Schlüssel oder Magazine. Erhältlich ist Kappô in Multiplex mit weißer Beschichtung oder als Vollholzvariante aus Eiche. Das Modell Slît ist ein quadratisches Ablagebrett aus Multiplex in weiß oder schwarz, das sich dank eines Klappscharniers bei Nichtgebrauch bündig in einem Rahmen verstauen lässt. Auch hier liegt der Rahmen auf grauem Filz. Ein einzelnes Schubfach mit eben dergleichen Vertiefung ist das Modell Tîan. Angeboten wird es in weiß mit einer Schublade aus Eiche oder Walnuss und umgekehrt. Das jüngst eröffnete Designhotel 25hours Bikini Berlin verwendet das Schubfach in einigen der Zimmer, in denen den Gästen Fahrräder zur Verfügung stehen.

Kann Holz flexibel sein? Das Bike Dock von .flxble.
Bike Dock von .flxble
Auch aus Berlin stammt die biegsame Halterung Bike Dock von .flxble. Mithilfe einer speziellen Schnitttechnik wurden Aussparungen so eingefräst, dass sich die Schichtleimplatte aus Birkenholz einfach um 90 Grad biegen lässt. Verschiedenfarbige Gurte schlingen sich links und rechts durch kleine Schlitze und halten des Brett im rechten Winkel. Eine gefilzte Vertiefung trägt auch hier den Rahmen und schützt vor Kratzern. Ein kleiner Gurt hält Vorderrad und Rahmen zusammen, und verhindert so, dass Reifenflecken an der Wand entstehen. Zur Auswahl stehen zwei Größen.

Hook von Alexa Lethen
Etwas schlichter kommen die drei folgenden Modelle aus. Die Hamburger Designerin Alexa Lehten biegt ihre Fahrradhalterung Hook aus einem filigranen Stahldraht zu einem Haken. In verschiedenen Farben lackiert, lässt sich jedes Hakenpaar darüber hinaus durch farbige Gummierung oder Lederummantelung an den vorderen Enden individualisieren. Das sorgt für Schutz vor unschönen Lackschäden. Beide Teile werden per Schraubenknopf an der Wand befestigt und können bei Nichtgebrauch einfach abgenommen werden.
Fluo Wooden Bike Hook von Sandra Thomsen.
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Fluo Wooden Bike Hook von Sandra Thomsen
Ein noch minimalistischeres Modell aus Holz bietet Sandra Thomsen, ebenfalls aus der Hansestadt, an. Ihre Fluo Wooden Bike Hooks sollen dem Fahrrad die Show nicht stehlen und sind deshalb sehr reduzierte, zylinderformige Kolben aus Eichenholz, die unsichtbar an die Wand geschraubt werden. Die Vorderkante ist entweder naturbelassen, farbig in weiß, schwarz, beige-rot und neon-pink-rot oder veredelt mit einer Kupfer- und Messingplatte erhältlich.

Standstill von Standstill
Aus Ljubljana kommt das System Standstill, das verchromten Stahl und Holz mit einander verbindet. Der Stahlkolben des gleichnamigen slowenischen Labels wird bündig mit der Wand verschraubt und das Holzstück per Spreizschraube darin befestigt. Eine Vertiefung verhindert, dass das Fahrrad von der Halterung rutscht. Der gemeinsame Vorteil aller drei Hakenpaare: Sie lassen sich in verschiedenen Höhen montieren und eignen sich damit auch gut für Damenfahrräder.
Shoes, Books and a Bike von Postfossil.
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Shoes, Books and a Bike von Postfossil
Und wenn es doch gleich das ganze Möbelstück fürs Zweirad sein soll, dann empfiehlt sich das Regal Shoes, Books and a Bike des Schweizer Labels Postfossil. Für den Flur sicher ganz praktisch: Ein ganzer Kasten aus Tannenholz rahmt hier das geliebte Rad oberhalb drei kleinerer Fächer ein. An einer Seite hält eine Metallklammer den Hinterreifen und damit das Bike in der Spur. Schmutz und Wassertropfen werden von Kokosfasermatten aufgefangen.

Allen Aufbewahrungssytemen gemein ist ihr guter Ansatz für einen durchaus fragwürdigen Trend. Denn das Fahrrad als Möbelstück wird uns besonders in den Hipstermetropolen immer häufiger begegnen und immerhin nicht den merkwürdigen Beigeschmack eines protzigen Carlofts annehmen. Und zu guter Letzt: Daumen hoch für jede kleine Strecke, die – wenn auch übertrieben gestylt – nicht motorisiert zurückgelegt wird.

Alle Halterungen finden Sie in der Bildergalerie über diesem Text.

Alle Beiträge aus unserem großen Themenspecial Hot Wheelz lesen Sie hier.

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