Vorschau imm cologne 2017: Lockruf der Natur

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Text: Norman Kietzmann

Die Kölner Möbelmesse öffnet vom 16. bis 22. Januar ihre Türen. Ergänzt wird die 68. Ausgabe der imm cologne von der Küchenmesse LivingKitchen sowie der Stoffschau Pure Textile. Das Wohnen wird als ein sinnliches Potpourri verstanden, bei dem wandelbare Einzelmöbel mit Accessoires, Textilien und handgefertigten Kleinserien zusammentreffen. 

Die Zeichen stehen auf Grün! Und das selbst im grauen, winterlichen Köln. Wenn die Einrichtungsbranche in der kommenden Woche zur imm cologne an den Rhein pilgert, wird die Trendfarbe 2017 allgegenwärtig sein: „Greenery“. Schon seit vielen Jahren ruft Pantone die tonangebenden Nuancen für die Einrichtungsbranche aus. Immer mehr Hersteller folgen diesem Ruf und setzen die Prognose sogleich zum Jahresanfang in die Realität um. Diese Eintracht mag zunächst ein wenig seltsam erscheinen. Doch auch das Wohnen ist keine losgelöste Spezies, sondern ein geselliger Bewohner der Lifestyle-Welt. Und die muss sich vielleicht nicht immer gleich neu erfinden, doch dafür zumindest immer wieder anders in Szene setzen. 

Grüner Wohlfühlfaktor 
Atmosphäre lautet das Schlüsselthema dieser Messe, auf der über 1.200 Unternehmen aus 50 Ländern ihre Neuheiten präsentieren. Farbe dient hierbei als eine verlässliche Allzweckwaffe, um den Wohlfühlfaktor ohne Umwege in die Höhe zu schrauben. Auch wenn Greenery zunächst ein frisches, sattes Blattgrün beschreibt, ist das Spektrum durchaus weiter gefasst. Kräftiges Grasgrün, edles Tannengrün bis hin zu Nuancen in Taupe, Petrol und Altrosa werden uns auf dieser imm cologne ebenso begleiten wie neutrales Schwarz und Weiß. 

Der Lockruf der Natur ist ebenfalls bei den Materialien spürbar, wo Holz, Marmor und Naturstein weiterhin eine wichtige Rolle spielen werden. Dennoch dürfen kräftige Akzente nicht fehlen: Wahre Hingucker hat beispielsweise Pulpo mit den Spiegeln Dita und Olivia von Davide Monopoli parat, deren Reflektoren in Kobaltblau, Pink, Gelb oder Rot die Blicke auf sich ziehen. Auf farblichen Vielklang setzt ebenso der kegelförmige Kleiderhaken Disk, der von Ana Relvão und Gerhardt Kellermann für Schönbuch entworfen wurde und im Plural am besten zur Geltung kommt. 

Olivia und Dita von Davide Monopoli für Pulpo 
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Feintuning der Oberflächen
Farbe akzentuiert bei weitem nicht nur Neues. Sie setzt auch die bekannten Dinge in ein frisches Licht. Vitra präsentiert in Köln eine limitierte Sonderedition des Panton Chairs, der in leuchtendem Sonnengelb die kalten Temperaturen vergessen lässt. Auch Cassina setzt mit der Reihe MutAzioni die farbliche Auffrischung von neun weiteren Designikonen fort. Anlässlich des neunzigsten Firmenjubiläums wird der italienische Hersteller zudem den Sessel LC1 sowie die Chaiselongue LC4 mit stark gesprenkelten Tierhäuten vorstellen – in Anlehnung an Le Corbusiers und Charlotte Perriands ausgiebige Reisen durch Südamerika. 

Beruhigung der Form
Die Fokussierung auf Farbe, Material und Oberfläche lenkt die Aufmerksamkeit weg von der Form. Auch dies ist kein Zufall. Klare, unverschnörkelte Konturen dienen nicht nur dazu, Langlebigkeit zu suggerieren. Möbel wie der Massivholztisch Lot, den der deutsche Designer Wolfgang Hartauer für Tecta entworfen hat, sind flexibel einsetzbare Gesellen, die in unterschiedlichsten Räumen funktionieren und für mehrmalige Umzüge gewappnet sind. 

Ganzheitlichkeit
Farbe erfüllt indes noch eine weitere Funktion: Sie stellt zwischen den Dingen eine Verbindung her. Dieser Aspekt ist insofern wichtig, als dass immer mehr Hersteller ihre Fühler in andere Disziplinen ausstrecken. Möbelfirmen haben längst Leuchten, Teppiche und Accessoires in ihre Programme aufgenommen. Umgekehrt dringen auch Textildesigner wie der Spanier Cristian Zuzunaga ins Möbelsegment vor – und nehmen somit direkten Einfluss auf die Anwendung ihrer Entwürfe. 

Die Ausweitung der Designzone wird auch von der Messe vollzogen, die mit der im Zweijahresrhythmus stattfindenden Küchenschau LivingKitchen die Schnittstelle von Wohnraum und Küche ins Visier nimmt. Parallel dazu wird der wachsenden Bedeutung von Wohntextilien mit der Stoffschau Pure Textile Rechnung getragen. „Wir sind auf dem Weg, das ganzheitliche Wohnen in einer großen Bandbreite zu zeigen“, kommentiert Dick Spierenburg, Kreativdirektor der imm cologne, die Entwicklung. 
Tisch Lot von Wolfgang Hartauer für Tecta
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Handwerker und Macher 
Während der Publikumstage wird vom 20. bis 22. Januar in der Halle 1 ein Designer’s Market veranstaltet. In Zusammenarbeit mit der Messe Blickfang sind 58 Möbel- und Modedesigner ausgewählt worden, ihre Arbeiten an kleinteiligen Ständen zu präsentieren. Die imm cologne öffnet sich damit erstmals auch für kleine Handwerksbetriebe und Macher, die im Gegensatz zu den Ausstellern der übrigen Hallen ihre Waren zum direkten Kauf anbieten dürfen. „Viele Endverbraucher möchten etwas als Erinnerung von der Messe mitnehmen“, begründet Spierenburg diese ungewohnte Vermischung etablierter Marken und junger Einzelkämpfer. 

Einen Einblick in die Interdisziplinarität des Designeralltags gibt die Vortragsreihe The Stage in Halle 3.1. Gestalter wie Eero Koivisto, Peter Maly, Steffen Kehrle und Marco Dessí lassen sich dort in die Karten schauen und besprechen aktuelle Tendenzen. Etwas weiter blickt der Farbexperte Karl Johan Bertilsson, der als Creative Director der NCS Colour Academy Großkonzerne wie Mittelständler berät und für 2018 eine „Mischung zwischen rebellischem, subtilem Luxus und Zweisamkeit“ prognostiziert. Mit welchen Farben wir dann wohl rechnen können, erfahren wir in Köln.

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